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Johanneskirche (Maikammer)

Aus Pfalz
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Johanneskirche (Maikammer) (auch Johannes-Kirche1, Johanniskirche[web 1]) ist eine protestantische (evangelische[anm 1]) Pfarrkirche in Maikammer. Das Gebäude ist in den Jahren 1913-1914 (Grundsteinlegung am 20. April 1913 - Festgottesdienst vom 3. Mai 1914) im Stil der Heimatschutzarchitektur[anm 2] errichtet worden. Die Pläne stammen von den bekannten Architekten Hermann Esch und Arno Anke. Sie waren der Gartenstadtarchitektur verbunden. Die Glasfenster wurden vom bekannten Künstler Josef Goller gefertigt.

Baustil

Die Kirche wurde nach den Plänen der bekannten Architekten Hermann Esch (*19. Oktober 1879 in Mannheim, †10. Januar 1956) und Arno Anke (*30. Juli 1879 in Chemnitz, †18. August 1968 in Mannheim), einer Architekten-Bürogemeinschaft in Mannheim errichtet. Das Gebäude ist aus kräftigen gelben Sandsteinquadern erbaut. Zur Westseite erhebt sich ein Turm[anm 3][anm 4]. Der Turm sitzt auf drei Seiten als Reiter auf dem Dach der kleinen Kirche. Die Seite nach Westen ist leicht nach vorne versetzt und wirkt auf dieser Seite nicht wie ein Dachreiter, sondern wie ein eigenständiger Turm. Im Turm ist das Portal eingelassen, das von der Straße über einige Stufen erreicht wird. Über dem Portal sitzt eine Kartusche mit einem Gedenkspruch. Der Turm hat zu jeder Seite ein Rundbogenfenster und wird von einer Art Attika abgeschlossen. Sie trägt auf jeder Seite einen girlandenartigen Schmuck, der reliefartig ausgearbeitet ist (ein typisches Gestaltmerkmal dieser Zeit). Darüber erhebt sich das Zeltdach das mit roten Biberschwanzziegeln eingedeckt ist. Auf der Spitze des Daches steht die Johannesfigur auf einer Weltkugel.

Portal und Supraporte

Das Portal ist nach vorne versetzt, um mittels aufgesetzer Gewände aus gelbem Sandstein den Eingang an der Westseite des Turms zu betonen. Der Eingang wird von einem kleinen Dach überdeckt. Über dem Portal ist in der Art einer Supraporte in einer Kartusche der Leitspruch der Kirche angebracht. Er ist aus Matthaeus 23, Vers 8 entnommen und lautet in leichter Abwandlung[zit 1]: "EINER IST EUER MEISTER CHRISTUS IHR ABER SEID ALLE BRÜDER". Unter der Inschrift ist ein gleichschenkliges Kreuz eingemeißelt. Die Buchstaben sind mit gelber Farbe ausgemalt.

Innenausstattung

Die Innenausstattung wird von den Glasbildern von Prof. Josef Goller (Dresden) dominiert2[lit 1]. Er gilt als einer der führenden Glaskünstler des Jugendstils. Die Fenster zeigen biblische Szenen. Darunter auch die "Begegnung Christi mit den Jüngern auf dem Weg nach Emaus". Zudem ist die Orgel der Firma Steinmeyer erwähnenswert.

Fenster

Die Nord- und die Südseite des Sakralbaus sind mit jeweils 3 stehenden Fenstern und, jeweils rechts und links davon zwei Oculi ausgestattet. Allerdings ist nur jeweils ein Occulus mit einem Farbfenster versehen. Die Rundbogenfenster enthalten Szenen biblischer Geschichten. Die Rundfenster (Oculi) sind berühmten Personen gewidmet.

Die vier Fenster jeder Seite sind mit farbigem Glas angelegt. Je sieben Sturmstangen (Quereisen) unterteilen die Fenster in fast gleichgroße konstruktive Teile. Im Fenster „Christus am Kreuz“ ist eine tragende Stange unter dem Querbalken des Kreuzes versteckt. Alle Fenster zeigen im unteren Teil neben der horizontalen auch eine senkrechte Einteilung. Die drei unten im Fenster liegenden Felder sind asymmetrisch aufgeteilt. Je ein Viertel liegt an den Seiten und zwei zusammengefasste Viertel bilden die Mitte. Dort sind jeweils die Bibelverse aufgetragen. Die Fenster wurden von Josef Goller (1868-1947) gefertigt, einem Künstler aus Dresden (Werke u.a.: im Hauptbahnhof Leipzig, im Rathaus Nürnberg). Stilistisch sind die Glasfenster dem Jugendstil zuzurechnen.

Die Abfolge der Fenster ist, streng genommen, immer beginnend mit dem mittleren Rundbogenfenster zu betrachten. Dort findet die zentrale Szene mit Christus, ein Mal am Kreuz, ein Mal als Auferstandener, statt. Jeweils beidseitig zu den mittleren Fenster finden sich die Bibelszenen. Die Rundfenster sind in einen ganz anderen Kontext zu stellen. Sie beziehen sich auf die Einführung bzw. Verstetigung und Verteidigung des lutherischen bzw. prostetantischen Glaubens.

Fensterfolge auf der Nordseite

Von links nach rechts sind auf der Nordseite folgende Szenen angebracht[1]:

  • „Christus und die Samariterin am Brunnen“
  • „Christus am Kreuz“
  • „Christus im Tempel mit einem Schriftgelehrten“
  • Im Rundfenster (Oculus) ist das Halbfigurenporträt „Gustav Adolf, König v. Schweden“ dargestellt.

Fensterfolge auf der Südseite

Von rechts nach links sind auf der Südseite folgende Szenen angebracht[2]:

  • „Begegnung Christi mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus“
  • „Auferstandener Christus“
  • „Christus bei Maria und Martha“
  • Im Rundfenster (Oculus) ist das Halbfigurenporträt „Doctor Martin Luther“ dargestellt.

Nordseite

Fenster 1 - „Christus und die Samariterin am Brunnen“

Das erste Fenster zeigt die Szene „Christus und die Samariterin am Brunnen“[3]. Das Fenster bezieht sich dabei auf ein Kapitel im Johannes-Evangelium: „Jesus und die Frau aus Samarien“. Am unteren Teil des Fensters ist ein dazugehöriger Vers aufgetragen: „Ev. Johannis C.4.V25.“ (Evangelium nach Johannes, Kapitel 4, Vers 25).

Der Vers lautet:„Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen.“[web 2] Christus trägt den Heiligenschein und ist in ein weites weißes Gewand gekleidet. Er sitzt auf dem Brunnenrand auf seine rechte Hand gestützt, die linke Hand liegt auf seinem Herzen. Er richtet seinen Blick auf die Frau aus Samarien. Sie steht zum Betrachter gewandt vor dem Brunnen und hält die linke Hand zum Herz. Im Hintergrund ist ein Brunnenbalken mit einer Winde und einem Seil zu erkennen.

Die Samariterin hält im linken Arm eine Amphore. Ein weiteres Wassergefäß ist am Fuß des Brunnens abgestellt. Die Personen treten in den Vordergrund des Bildes und überragen die dahinter liegende Ornamentik. Dadurch entsteht ein räumlicher Eindruck, eine gewisse Bildtiefe. Im Hintergrund sind stilisierte türkis-grüne Kacheln zu erkennen.

Auf beiden Seiten streben Säulen nach oben, die durch Weinranken verziert sind. Oben werden die Säulen über einen Halbkreisbogen verbunden. Das Bild wird von einem dreiteiligen Sockel nach unten abgeschlossen. Mittig ist der Hinweis auf den Bibelvers aufgebracht. Rechts und links sind zwei Schalen mit Früchten (wohl Weintrauben) eingesetzt.

Fenster 2 - "Christus am Kreuz"

Das Fenster in der Mitte zeigt die Szene „Christus am Kreuz“ “[4]. Das Fenster bezieht sich dabei auf das Kapitel aus dem Johannes-Evangelium: „Jesu Kreuzigung und Tod“. Am unteren Teil des Fensters ist ein dazugehöriger Vers aufgetragen: „Ev. Johannis C.19.V.30“ (Kapitel 19, Vers 30). Der Vers lautet: „Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.“

Christus ist ans Kreuz genagelt. Der Körper (Dreinageldarstellung) ist zentral in die Mittelachse des Fensters gesetzt und beherrscht die szenische Darstellung. Auffallend sind die lang gestreckten (leicht überdimensioniert wirkenden) Arme. Das Haupt Jesu ist bereits zur Seite geneigt und trägt einen Heiligenschein. Eine Dornenkrone ist angedeutet. Am Körper ist ein Lendenschurz angebracht.

Über dem Körper steht die Inschrift: INRI (Iesus Nazarinus Rex Iudaeorum – Jesus der Nazarener König der Juden)[anm 5]. Die Inschrift ist auf zwei Zeilen verteilt.

Beiderseits des Kreuzes stehen zwei identische Cherubim (spiegelverkehrt), menschenähnliche Wesen mit Flügeln. Sie halten je einen grünen langen aufrechten Palmwedel im Arm. Der Palmwedel gilt im Christentum als Symbol des ewigen Lebens, des Sieges und der Auferstehung.

Fenster 3 - "Christus im Tempel mit einem Schriftgelehrten"

Das Fenster zeigt die Szene "Christus im Tempel mit einem Schriftgelehrten"[5]. Das Fenster bezieht sich dabei auf das Kapitel aus dem Johannes-Evangelium: „Das Gespräch mit Nikodemus in Jerusalem“. Am unteren Teil des Fensters ist ein dazugehöriger Vers aufgetragen: „Ev. Johannis C.3.V.2“ (Kapitel 3, Vers 2). Der Vers lautet: „Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist.“[6]

Christus ist mit einem fast weißen (rosa schimmernden) Gewand bekleidet. Er sitzt auf einem Stuhl etwas erhöht über dem Gelehrten, etwa in der Pose eines Lehrers. Christus hält seine rechte Hand zum Herzen und trägt einen üppigen Heiligenschein. Christus, der Lehrer senkt seinen Blick auf den Gelehrten. Dieser (es handelt sich mit Bezug auf den Vers 1 des gleichen Kapitels wohl um Nikodemus) sitzt in der Pose des Schülers auf einem grünen Stuhl. Auf dem Stuhl liegt ein rotes Kissen mit einem goldenen Klöppel. In seiner linken Hand hält der Schriftgelehrte eine Schriftrolle. Seine rechte Hand ist zum Mund geführt, im Sinne eines ausführlichen Nachdenkens oder gar Zweifelns. Auf der linken Seite von Christus, hinter dem Gelehrten, steht eine brennende Öllampe auf einer goldenen Stele. Der Hintergrund der Szene ist mit türkis-grünen Kacheln bedeckt.

Rundfenster 1 (Oculus) - "Gustav Adolf, König v Schweden"

Das Fenster zeigt ein Halbportrait des schwedischen Königs Gustav II. Adolf (*09. Dezember 1594 in Stockholm, †06. November 1632 bei Lützen). Seine Regierunszeit als König dauerte von 1611 bis ins Jahr seines Todes, 1632. Der König stand an der Spitze seiner Armee. Er gilt als gebildeter Protestant mit großem militärischem Talent. Daraus leiten sich ab: Retter des deutschen Protestantismus und Gegner der katholischen Habsburger. Gustav Adolf brachte Schweden in eine Vormachtstellung im nördlichen Europa.

Das Fenster ist durch vier Sturmstangen (zwei horizontal, zwei vertikal) gesichert. In der Mitte thront in einem Brustharnisch Gustav Adolf im Dreiviertelprofil nach rechts. Über seiner Schulter hängt ein grünes Tuch, er trägt einen weißen Kragen. Der linke Arm ruht auf einer angedeuteten Mauer. In der Hand hält er einen Marschallstab. Die Gesichtszüge, einschließlich des Bartes, entsprechen anderen Darstellungen des Königs. Der Hintergrund ist mit grünen Kacheln belegt. Um das Portrait zieht sich in einem Schriftband die Inschrift: GUSTAV ADOLF KONIG v SCHWEDEN. Sie wird nach außen von einem Band mit blauen Rechtecken begrenzt. Dieser wiederum schließt sich eine Banderole mit stilisierten Kronen an. Im äußeren Ring sind an den vier Seiten jeweils mittig Ellipsen dargestellt, die mit gelben Steinen umlegt sind.

Südseite

Fenster A - „Begegnung Christi mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus“

Das Fenster zeigt die Szene "Begegnung Christi mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus"[7]. Das Fenster bezieht sich dabei auf das Kapitel aus dem Lukas-Evangelium: „Die Emmausjünger“. Am unteren Teil des Fensters ist ein dazugehöriger Vers aufgetragen: „Ev. Lukas C.24.V.28“ (Kapitel 24, Vers 28). Der Vers lautet: „Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.“[8]

Christus ist mit einem fast weißen (mit gelb schimmernden Bordüren) Gewand bekleidet. Die beiden Jünger stehen im Hintergrund in ähnliche Gewänder gehüllt, die jedoch mit grün schimmernden Bordüren. Ein der Jünger trägt den Namen Kleopas[9]. Beide Jünger halten in ihren Händen einen Wanderstab. Der Hintergrund der Szene ist mit türkis-grünen Kacheln bedeckt. Auf beiden Seiten streben Säulen nach oben, die durch Weinranken verziert sind. Oben werden die Säulen über einen Halbkreisbogen verbunden. Das Bild wird von einem dreiteiligen Sockel nach unten abgeschlossen. Mittig ist der Hinweis auf den Bibelvers aufgebracht. Rechts und links sind zwei Schalen mit Früchten (wohl Weintrauben) eingesetzt. Das Interesannte an diesem Fenster ist das linke untere Feld. Dort ist das Gefäß mit den Weintrauben verkehrt eingesetzt.

Fenster B - „“
Fenster C - „“

Rundfenster 2 (Oculus) - Doctor Martin Luther

Orgel

Zu den Anfängen der Protestanten in Maikammer

Im Jahre 1835 lebten in Maikammer 5 Protestanten, 20 in Kirrweiler und 16 in Sankt Martin. Die Industrialisierung der Unternehmen ließ die Anzahl der Arbeiter stetig anwachsen. Bereits im Jahre 1890 (Firma Ullrich[anm 6]) konnten in den Dörfern der heutigen Verbandsgemeinde (einschl. Diedesfeld) bereits 400 Protestanten gezählt werden. Im Jahre 1892 gründete sich (wie in vielen anderen Gemeinden der Pfalz) ein Kirchenbauverein. Zunächst bestand die Absicht, einen Betsaal zu errichten. Die weiter steigende Anzahl an Gemeindemitgliedern führte schließlich zum Ansinnen, eine Kirche zu errichten. Maikammer gehörte zu dieser Zeit zum Rheinkreis und Bayern. Die oberste Bauaufsicht lag beim Prinzregenten. Im Jahre 1897 erlaubte Prinzregent Luitpold die Einrichtung eines "Protestantischen Vikariats" in Maikammer. Zugeordnet wurden Sankt Martin und Kirrweiler. Am Sonntag, dem 12. September 1897 fand der erste evangelische Gottesdienst statt. Es sollte aber bis ins Jahr 1913 dauern, bis die Gelder für den Bau der eigenen Kirche aufgebracht waren. Einheimische Familien, Mitglieder des Kirchenbauvereins sowie eine Spende des Gustav-Adolf Werks erbrachten einen Beitrag von 112.000 Mark. Es folgte am 20. April 1913 die Grundsteinlegung[anm 7].

Protestantische, Evangelische Christen
Gebiet: Maikammer
Zeitraum: Jahre 1835 bis heute
Grad: unvollständig

Die Anzahl der Evangelischen war auch in den Nachbardörfern Kirrweiler/Pfalz, Diedesfeld und St. Martin angestiegen. Die Gesamtzahl in den vier Dörfern betrug im Jahr 1890: 400 evangelische Christen. Die Pfarrmitglieder in Maikammer, Diedesfeld und St. Martin wurden von Edenkoben aus pastoriert. Kirrweiler war zunächst nach Altdorf zugeteilt, doch übten die Pfarrer von Edenkoben dort Seelsorge aus und nahmen Amtshandlungen vor. Auf wiederholte Vorstellungen beim Konsistorium in Speyer wurde die Gemeinde Altdorf nach Edenkoben zugeteilt.

Im Jahr 1892 ging von Kirrweiler/Pfalz die Anregung aus, eine Kirche zu bauen und die Errichtung eines Vikariats anzuregen. So folgte im Jahre 1897 eine Eingabe an den Bayerischen Landtag, der die ersten Mittel zur Errichtung eines Vikariats genehmigen sollte. Am 7. August 1897 wurde durch den Prinzregenten Luitpold die Errichtung des Vikariats Maikammer genehmigt. Als Parochialorte wurden Diedesfeld, St. Martin und Kirrweiler zugeteilt. Am 1. November zog der erste Vikar nach Maikammer. Am 12. September des gleichen Jahres wurde der erste evangelische Gottesdienst abgehalten. Vikar Ludwig Mayer, vorher in Frankenthal/Pfalz, wurde von Herrn Pfarrer Stockinger in Edenkoben feierlich eingeführt und hielt seine Antrittspredigt. Im April des Jahres 1921 wurde das Vikariat in eine Pfarrei umgewandelt. Der erste Pfarrer, Herr Georg Friedrich Bittlinqer, konnte am 1. September 1924 seine Pfarrei übernehmen[anm 8].

Die Kirche

Im Jahre 1892 wurde der Kirchenbauverein gegründet, dessen Vorsitzender der Handelsgärtner Brehm war. Zunächst war nur an einen Betsaal gedacht. Aber die steigende Zahl der Evangelischen ließ die Notwendigkeit eines Kirchbaues klar werden. Die Spendenfreude in der Gemeinde war von Anfang an sehr groß. Die Gemeindeverwaltung stellte im Jahre 1897 den früheren Schulsaal im oberen Stock des Gemeindehauses zur Verfügung (wohl das Rathaus am Marktplatz), der zweckentsprechend und würdig hergerichtet wurde. Der Saal war aber zu klein, er bot nur Platz für 80 Personen, so daß an Festtagen Hausflur und Treppe mitbenutzt wurden. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche wurde somit immer größer. Um die Jahrhundertwende wurde ein Bauplatz im Backofenweg für einen Preis von 7.700 Taler erworben. Durch Spenden der Familien Spies, Johann Ziegler, August Ziegler, Eugen Ullrich, Adam Ullrich, Lederle und Rassiga einerseits und Beiträge der Mitgleider des Kirchenbauvereins andererseits, war 1912 die Summe von 112.000 Mark für den Bau der Kirche und des Pfarrhauses ersammelt. Die Architekten Hermann Esch und Arno Anke in Mannheim entwarfen den Plan und leiteten den Bau, Baumeister Mattheis[anm 9] führte die Arbeit aus.

Am 13./20.[anm 10] April 1913 war die Grundsteinlegung. Am 3. Mai 1914 wurde die Kirche durch Konsistorialrat Drescher unter Assistenz des Kirchenrats Bayer von Neustadt a.d.H. und Senior Bender von Lambrecht/Pfalz eingeweiht. Nach einer Abschiedsfeier im seitherigen Betsaale, wobei Pfarrer Munzinger von Altdorf die Abschiedsrede hielt, bewegte sich der Festzug um 3 Uhr zur neuen Kirche. Nach der Weihe hielt Vikar Wüst die Festrede. Abends 5 Uhr fand im „Rebstöckel" (Schulstraße Nr.2) eine vom Kirchenbauverein veranstaltete Festversammlung statt. Die Kirchenchöre von Edenkoben und Rhodt sangen bei der kirchlichen und der weltlichen Feier.

Die Kirche ist im "modernen vornehmen Stil" erbaut, hat Rundbogenfenster und ein Kassettengewölbe[zit 2]. Der Turm ist mit einer vergoldeten Johannesfigur gekrönt. Den Hauptschmuck der Kirche bilden die Glasgemälde von Professor Josef Goller[anm 11]

Glocken

Am 24. Juli 1913 beschloß das Presbyterium zwei Glocken mit den Tönen l und 28 bei der Glockengießerei Johann Georg Pfeifer, Kaiserslautern gießen zu lassen. Die beiden Glocken wurden Ende Oktober 1913 in Kaiserslautern gegossen und am 8. November 1913 in dem eben fertiggestellten Turme aufgehängt.

Die kleine Glocke („Gustav-Adolf-Glocke") hatte ein Gewicht von 438 Kilo. Sie besaß einen Durchmesser von 0,93 Meter und eine Höhe von 0,7 Metern. Auf der Vorderseite (nach Westen) stand oben: "soli deo gloria", am Mantel: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt" Psalm 12. „Gustav-Adolf-Glocke". „Verzage nicht, du Häuflein klein!" Auf der Rückseite oben: „Nr. 2284. Gegossen von Joh. Georg Pfeifer im Jahre 1913", am Mantel: "Eigentum der prot. Kultusgemeinde Maikammer." Das Presbyterium: H. Wüst, Vikar, PH. Burkhardt, K. Denzer, G. Heidelberger, K. Roth. J. Steiner.

Die mittlere Glocke („Luther-Glocke") hatte ein Gewicht von 746 Kilo. Sie besaß einen unteren Durchmesser von 1,12 Mieter und eine Höhe von 0,82 Mieter. Auf der Vorderseite stand oben: „oerbum dei manet in aeternum", am Mantel: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke". Ps. 46. „Luther-Glocke." „Eine feste Burg ist unser Gott!" Die Rückseite hatte oben die Nr. 2283 und die Angabe des Glockengießers und des Eigentümers wie die kleine Glocke. Die beiden Glocken kosteten 2604,80 Mark. Die Anschaffung einer dritten großen Glocke mit dem Ton XXX wurde beschlossen. Altkatholische und protestantische Bürger stifteten dazu über die Hälfte der Kosten. Die Glocke wurde am 15. Dezember 1913 in der Glockengießerei Pfeifer, Kaiserslautern gegossen und in der Zeit vom 22.—24. Dezember montiert. Sie trägt den Namen „Christusglocke", hat ein Gewicht von 1762 Kilo und einen unteren Durchmesser von 1,47 Meter. Sie kostete 4.500 Mark. Auf der Vorderseite oben ist das Chistusbild als Relief mit der Schrift: „Ich bin der gute Hirt." „Dich Jesum laß ich ewig nicht." Am Mantel steht: „Christusglocke". „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit." Hebr. 13. Auf der Rückseite steht die Nr. 2298, der Glockengießer, die Eigentümer und die Namen der Helfer bei der Anschaffung: Familien Albert Spies, Eugen Ullrich, Adam Ullrich, August Ziegler, Otto Ziegler, Einnehmer G. Weintz, Vikar H. Wüst, F. Anslinger, Matth. Anslinger I., K. Rassiga und J. Stachel.

Am Einweihungstag der Kirche wurden die Glocken feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Am 20. Juli 1917 ließen sie ihr Abschiedsgeläute erschallen. Die große Glocke durfte zum gottesdiensilichen Gebrauche bleiben, die zwei kleineren aber wurden am 21. Juli vom Turme genommen und eingeschmolzen. Sofort nach Kriegsende wurde erneut gesammelt. Aber die Geldentwertung machte es zunächst unmöglich, das Geläutewieder vollständig zu machen. An Weihnachten des Jahres 1925 gab ein unbekannter Spender ein Geschenk von 1000 Goldmark. Ökonomierat Spies stiftete zum bleibenden Gedächtnis an seine an Ostern des Jahres 1925 verstorbene Gattin. Es geschah in Erinnerung an die jahrelange Mithilfe und Mitarbeit in der evangelischen Gemeinde. Die beiden Glocken wurden wieder durch die Glockengießerei Johann Georg Pfeifer am 6. Februar 1926 gegossen, am 28. Februar vom Bahnhof zur Kirche gebracht und im Turm aufgehängt. Die beiden Glocken erhielten die Namen und Sprüche der alten, nur ist angefügt: „Nachfolgerin der im Jahre 1917 dem Vaterland geopferten Glocke." Die kleine Glocke hat dazu die Worte: „Der unvergeßlichen Wohltäterin der evangelischen Gemeinde, Frau Ökonomierat Spies, zum Gedächtnis. Gestiftet von ihrem Gatten." An Stelle von H. Wüst, Vikar, steht G. Bittlinger, Pfarrer. Die beiden Glocken kosteten 4673,79 Mark. Im Juli des Jahres 1927 wurde für die mittlere Glocke ein Motor eingebaut, der das elektrische Lauten derselben als „Vater-unser-Glocke" ermöglicht[anm 12].

Evangelische Geistliche

Vikare

  • 1. September 1897—1899 Ludwig Mayer, jetzt Professor in Ludwigshafen a. Rh.
  • 1899—1904 August Friedrich Munzinger, jetzt Pfarrer in Wilgartswiesen.
  • 1904—1908 August Wilhelm Kirsch, jetzt Pfarrer in Qberlustadt.
  • 1. April bis 15. M a i 1908 Friedrich Neu.
  • 16. Mai bis 1. November 1908 Jakob Stübinger, jetzt Pfarrer in Dammheim.
  • 1. November 1908 bis 1. November 1909 Karl August Weber, jetzt Pfarrer in Hornbach.
  • 1. November 1909 bis 24. Februar 1912 Georg Heinrich Linn, jetzt Pfarrer in Erfenbach.
  • 24. Februar 1912 bis 26. August 1914 Heinrich Wüst, gefallen am 27. September 1914 bei Peronne.
  • 15. Oktober 1914 bis 15. Januar 1915 Ernst Pfaffmann, jetzt Pfarrer in Winden.
  • 15. Januar 1915 bis 1. Oktober 1916 Paul Jakob Reitnauer, jetzt Pfarrer in Webenheim.
  • 1. Oktober 1916 bis 16. Januar 1920 Fritz Bayer, jetzt Pfarrer in Gerolsheim.
  • 16. Januar 1920 bis 15. April 1923 Georg Maus, jetzt Pfarrer in Weilerbach.
  • 1. Mai 1923 bis 1. Juni 1924 Ludwig Brünings, jetzt Pfarrer in Ingenheim, für den noch abwesenden Pfarrer.
  • 1. Juni bis 1. September 1924 halfen Pfarrer Gteuerwald und Roth von Edenkoben aus[anm 13].

Pfarrer

  • 1. September 1924 Georg Bittlmger, vorher Pfarrer in Battweiler bei Obermoschel.

Die evangelische Gemeinde wollte für ihre Kinder eine eigene Schule erhalten. Die Schülerzahl bewegte sich in Maikammer zwischen 20 und 25. Mit Diedesfeld, Kirrweiler und St. Martin könnte die Zahl 35 erreicht werden. Die Mindestzahl nach dem bayerischen Schulbedarfsgesetz vom Jahre 1919 beträgt 50 Schüler, war also nicht erreicht. Zudem wollten die Nachbargemeinden zum sächlichen Bedarf der evangelischen Schule nicht beitragen. Deshalb konnte von der Gemeinde Maikammer die Schule nicht errichtet werden. Die evangelischen Schüler besuchen darum weiterhin die katholische Schule. Der Religionsunterricht wird in dem zurzeit leeren Schulsaal erteilt (alle Angaben sind bezogen auf das Jahr 1928). Im Jahre 1926 wurde unter der evangelischen Kirche ein Saal zur Abhaltung von Versammlungen erbaut und am Tage der Glockenweihe eingeweiht[anm 14].

Bauwerk
Dieses Bauwerk liegt in Poststraße und ist ein Haus.
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Weblinks

  1. siehe dazu: maikammer.de
  2. Deutsche Bibelgesellschaft, bibleserver

Literatur

  1. Glasmalereien der Protestantischen Landeskirche der Pfalz1 siehe auch Angaben als "Sommer (2007)"

Einzelnachweise

  1. Sommer, Seite 88
  2. Sommer, Seite 88
  3. Sommer, Seite 88
  4. Sommer, Seite 88
  5. Sommer, Seite 88
  6. Bibelgesellschaft / Bibleserver.
  7. Sommer, Seite 88
  8. Bibelgesellschaft / Bibleserver.
  9. Bibelgesellschaft / Bibleserver.

Anmerkungen

  1. Es wird der Begriff protestantisch gewählt.
  2. Nicht zu verwechseln mit dem Heimatschutzstil
  3. Hermann Esch (* 19. Oktober 1879 in Mannheim; † 10. Januar 1956 in Heppenschwand) war ein deutscher Architekt und gehörte beruflich zu den Protagonisten der Gartenstadtbewegung in Deutschland. Hermann Esch studierte Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe und an der Technischen Hochschule München. Er ließ sich um 1906 gemeinsam mit Arno Anke als freier Architekt in Mannheim nieder. Die beiden Architekten entwarfen die Mannheimer Gartenstadt (ab 1910 auch die Gartenstadt Quasnitz bei Leipzig). In Mannheim entstanden Wohnhäuser und in Maikammer die protestantische Johanneskirche (1913–1914).
  4. Arno Anke war ein deutscher Architekt, der sich ebenfalls der Gartenstadtbewegung in Deutschland verschrieben hatte. Er ließ sich um 1906 als freier Architekt in Mannheim nieder. Zu den Arbeiten siehe unter Hermann Esch.
  5. Die Wiedergabe als Jesus von Nazareth ist eine ungenaue Übersetzung. Ebenso wird die Bezeichnung "Nazarenus" verschiedentlich verwendet. Auch diese Angabe wäre korrekterweise nach "Nazarinus" zu ändern
  6. siehe dazu:https://www.club-sellemols.de
  7. Alle Angaben: Leonhardt (1928), Seite 171ff.
  8. Alle Angaben nach Leonhardt (1928), Seite 171ff.
  9. Welcher Mattheis ???
  10. In der Festschrift wird auf Seite 3 darauf hingewiesen, daß die Grundsteinlegung zwar zum 13. April avisiert war (siehe dazu Programm), tatsächlich fand sie aber eine Woche später, nämlich am 20. April 1913 statt.
  11. Josef Goller (*25. Januar 1868 in Dachau; †29. Mai 1947 in Obermenzing bei München) war ein bedeutender Glasmaler des Jugendstils und ein bekannter Grafiker. Goller war Mitglied des Deutschen Werkbundes. Möglicherweise bestand dadurch eine Beziehung zum Architekten der Kirche, Hermann Esch, der ebenfalls Mitglied im Werkbund war. Josef Goller fertigte viele Glasmalereien für Fenster in Rathäusern, Schulen, Bahnhöfen, Kirchen und Synagogen, darunter in Dresden, Bischofswerda, in Leipzig, Chemnitz, Görlitz, Pirna und Radebeul.
  12. Alle Angaben nach Leonhardt (1928)
  13. Alle Angaben nach Leonhardt (1928)
  14. Alle Angaben vom damaligen Lehrer Johannes Leonhardt, IN: Leonhardt (1928), S. 171ff.

Zitate

  1. Der vollständige Text Matthaeus 23, Vers 8 lautet in der Einheitsübersetzung: "Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder."
  2. Leonhardt (1928), Seite 171ff

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Glasmalereien in Maikammer

  • Anke Elisabeth Sommer, ´Glasmalereien der Protestantischen Landeskirche der Pfalz: leuchtende Botschaft christlichen Glaubens im Kontext ihrer Zeit´. Verlag Schnell & Steiner GmbH. ./. ISBN: 9783795419523
    Kein Schlüssel angegeben.
    Stufe fehlt.
    Zusammenfassung: Eine Zusammenfassung liegt nicht vor.
    Link zum Werk: Das Werk ist nicht eingestellt.
    Anmerkung: ./.
    Schlagwort: Ein Schlagwort fehlt.

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