Kalmit

Aus Pfalz
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Blick vom Kalmitgipfel nach Osten in die Rheinebene.
© Matthias C.S. Dreyer 2015
Ritterstein Weg "Zum Kalmit.".
© Matthias C.S. Dreyer 2015

Kalmit ist ein Berg im Pfälzerwald.

Der oder die Kalmit[lit 1] (auch Kallmitt[1] und Calmit[2]) ist der Hausberg von Alsterweiler. Er liegt 673 Meter hoch über dem Meeresspiegel (NN). "Mächtig und doch im Zauber der lieblichen und belebenden Eigenart der deutschen Mittelgebirge liegt der Kalmit am Rande des Ostabfalles des Haardtgebirges."[3] Zur Abgrenzung gegenüber der "Kleinen Kalmit" (bei Ilbesheim)[4][5] wird die Kalmit auch als "Große Kalmit" bezeichnet[6].
Blick auf die Kalmitgruppe von Norden aus dem Gebirge heraus.
© Mehlis, Christian (1900 März) ‹Die Kalmitgruppe: Landschaftsbild aus der Rheinpfalz› In: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. (Hg.), (Band Heft 6), Seite(n): 255-266 (CMS 329).

Auf den Namen geht Karl Geib ein: "Man glaubt, daß die Benennung jenes Berges von dem römischen Worte calamitas (Schade, hier namentlich Wetterschade) hergeleitet sey."[7][8] Eine andere Ableitung stammt ebenfalls aus dem Lateinischen calvus mons[9] (Übersetzung: kahler Berg) oder calvus meta (Übersetzung: kahle Miete).

"Wenn ich auf dem Kalmit stehe, will es mir er-

scheinen, daß hier Natur- und Menschenkräfte zu-
sammengewirkt haben, ein Landschaftsbild zu schaf-
fen, wie es wenig übertroffen werden kann."

"Oh, moi Kalmid, wo ich dich so see,

ich so klä, du Nadur,
so mächdich, so weid drowwe,
emol duschber, emol klar,
loss mich moi klä Läwe lewe."

Franz Gabriel Allmaras im Jahre 1931 in seiner Veröffentlichung zur Kalmitstraße.[10]
Unbekannter Verfasser.[11]

Die Kalmit ist über die Kalmitstraße zu erreichen. Die Kalmit ist auch für Sportler zu einer Herausforderung geworden[web 1].
Die Höhe des Kalmit und die freie Sicht gaben Anlass bereits zu früheren Zeiten den Berg als "Anlaufpunkt" zu nutzen. Im Jahre 1720 erfolgte die Anlage der Straße Schwetzingen-Heidelberg auf der geomantischen Achse Kalmit-Königstuhl ("Maulbeerallee") durch Kurfürst Karl Philipp.[12] [lit 2]

Geologie

Luftbildaufnahme mit Blick über den Kalmitgipfel nach Osten in die Rheinebene. Kalmitturm und Ludwigshafener Hütte sind zu sehen.
© Matthias C.S. Dreyer 2015
Mehlis "Kalmitgruppe".
© Matthias C.S. Dreyer 2015

Bisher völlig unterschätzt wird die geologische Bedeutung des Gebietes der Kalmit. Darauf verweist Häberle bereits 1932[13], als er schrieb: "die Wanderung bietet dem Naturfreund einen außergewöhnlichen Genuß (...)". Er spricht von wechselvollen Landschaftsbildern und dem Kennenlernen von Gebirgsbau und Schichtenfolge der Gesteine.

Im Tertiär ist der Rheingraben zentral eingesunken. Das westliche Randgebirge ist durch Tangentialdruck um 150-200 Meter nach oben gepresst worden. Dies erklärt die glazialen Erscheinungen auf dem Kesselberg und dem Querenberg. Auch die stark erhöhte Lage der Kalmit gegenüber der Höhe des westlich sich anschließenden Plateaus. Besonders deutlich wird diese Sichtweise bei einer Betrachtung von Westen, etwa vom Taubensuhl aus. Vom Queichtal bis zum Speyerbachtal zeigt sich über 16 Kilometer ein scharf nach oben aufragender Ostrand[14].

Kugelhorizont

Die Kugelbildungen sind Ergebnis von "chemischen-mechanischen Absonderungsprozessen"[15]. Die Kugeln entstehen unter Einwirkung von unfiltrierter Kieselsäure oder thermalem Kaltwasser. Der Horizont dieser vorderpfälzischen Kugelfelsregion reicht vom Kalmitgipfel auf 500 Meter Länge nach Osten, Südosten und Nordosten hinab und steigt von 550 Metern bis 673 Metern an.

Rippelmarken=Stein

Westlich vom (alten) Kalmithaus fand sich bei der "Steingewinnung eine braunrote Sandsteinplatte (Trippstadter Typ)"[16]. Die Ausmaße betragen 20x19x2 Zentimeter. Auf dem Rücken der Platte sind 8 Rippen von je 2 Zentimeter Durchmesser und 0,5 Zentimeter Höhe sichtbar. Derartige Platten werden Rippelmarken genannt oder auch Wellenfurchenstein. Weitere Fundstellen sind beim Hahnenschritt im oberen Kaltenbrunner Tal.[17]

Turm, Telegraph und Sendemast

Am Sendemast auf der Kalmit sind mehrere Sender und Empfangsanlagen untergebracht.[18]
© Matthias C.S. Dreyer 2015
Bereits im 19. Jahrhundert befand sich auf dem Kalmit eine Sendestation. "Kalmit bey Alsterweiler im Canton Edenkoben. Ein im Spätherbste 1819 von Steinen erbauter Turm. Höhe 20', im Geviert 10'. Kostenbetrage = 475 fl 40 Xr."[19].
© Matthias C.S. Dreyer 2015

Es darf davon ausgegangen werden, dass der Turm bereits in der französischen Zeit, vermutlich 1801 errichtet worden war. Vielleicht handelte es sich damals aber auch nur um eine Restaurierung. Der steinerne Turm ist ein Signal (Telegraph) im Sinne eines Trigonometrischen Punktes.[20]

Am Sendemast auf der Kalmit sind mehrere Sender und Empfangsanlagen untergebracht.[21]

Denkmal

Kalmit denkmal.jpg
Das Denkmal wurde anlässlich des 25. Kronjubiläums des bayerischen Königs Maximilian I. Joseph errichtet. Darauf weist der folgende Text hin, der auf der Vorderseite eingemeißelt ist:

Maximiliano Josepho Regi Bavariae Primo in annum XXV gloriosissimi eius regiminis hocce monumentum fides pietas et gratitudo civium pagi Maikammer et Alsterweiler erexerunt vivo anno MDCCC XXIV. "Die Treue, die Frömmigkeit und Dankbarkeit der Bürger des Dorfes Maikammer und Alsterweiler haben 1824 dieses Denkmal hier Maximilian Josef I., König von Bayern, im Jahre 25 seiner glorreichen Herrschaft errichtet."[22]. Oder etwas freier übersetzt: "Im Jahre 1824 haben die Bürger des Dorfes Maikammer und Alsterweiler in Treue, Frömmigkeit und Dankbarkeit dieses Denkmal hier für Maximilian Josef I., König von Bayern, im Jahre 25 seiner glorreichen Herrschaft errichtet." [23]

Das Denkmal steht auf einem Sockel, der mit Quadern aus Sandstein aufgebaut ist. Auf der Vorderseite, nach Osten ausgerichtet, ist die Inschrift zu Ehren von König Max I. eingelassen. Auf diesem Grundquader steht ein zweiter Sockel mit Inschriften an vier Seiten, die in stilisierten Schildern aufgebracht sind. Darauf sind wohl die Namen der Stifter aufgebracht, unter anderen Valentin Steyerer, Franz Ries. Abgeschlossen wird das Denkmal nach oben mit einer Säule aus vier Zylindern, auf denen eine Kugel gelagert ist.

Gedenkstätte

Kalmit gedenktafel gesamt.jpg
Gedenktafel aus dem Jahre 1882 unterhalb des Kalmitgipfels.

Der Eintrag auf der Plakettte lautet: "Schutzhaus und Anlage erstellt aus der reichen Spende des Herrn Hilgard-Villard in New-York hergestellt vom pfälz. Verschönerungs-Verein 1882". Sie ist unterhalb des Kalmithauses an einer künstlich errichteten Mauer angebracht.

Gasthaus

Kalmit 1921 huette.jpg
Kalmit haus pwv 2012.jpg

Franz Gabriel Allmaras hatte sich bereits in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts dafür eingesetzt, ein Gasthaus auf der Kalmit zu errichten. Es sollte dort entstehen, wo heute der Parkplatz unterhalb des Gipfels liegt. Sein Argument gegen eine Behausung auf dem Gipfel lautete: Zu windig.
Bereits im Jahr 1908 bestand eine Schützhütte[24] auf der Kalmit. Auf dem Bild aus dem Jahr 1921 sind auch der Kalmitturm und das Denkmal zu erkennen.

Seit 1908 (mit Unterbrechungen) wird eine bewirtschaftete Hütte betrieben. Seit 1957 liegt die Bewirtung in den Händen des Pfälzerwaldvereins, Ortsgruppe Ludwigshafen-Mannheim.

Wege

Die Markierung weiß-grüner Balken führt zum Kalmitgipfel
© Matthias C.S. Dreyer 2015
Ritterstein (Markierungsstein) auf dem Weg zur Kalmit mit Angabe Kalmit und Schöntal (bei Neustadt an der Weinstraße)
© Matthias C.S. Dreyer 2015

Es führen viele Wege zum Kalmit; zu Fuß oder mit dem Fahrzeug über die Kalmitstraße. Der Wanderer kann den Kalmitgipfel "durch das Alsterweiler Tal auf gutem Fußpfad, allerdings streckenweise mit starker Steigung, dem blauen Strich folgend, erreichen."[25] Erfreut wird er nach dieser Mühsal mit einem "unserer lohnendsten Aussichtspunkte".[26] Ein Wanderpfad (Markierung weiß-grüner Balken) führt von Alsterweiler aus in etwa 45 Minuten bergauf und überwindet dabei bis zum Gipfel der Kalmit etwa 500 Höhenmeter.


Weblinks

  1. tvm-neu.tv-maikammer.de/ Traditioneller Kalmitberglauf
    pace-makers.de/ Kalmithöhenmeterjagd per Rad
    kalmit-klapprad-cup.de/ Klappradcup

Literatur

  1. literatur.matthias-dreyer.de/index.php?action=listKeywordProcess&id=104 Bibliographie Alsterweiler: Schlagwort Kalmit
  2. Weiterführende Literatur zur Kalmit ohne unmittelbaren Bezug zu Alsterweiler:
    Häberle, Daniel (1933), Von der Kalmit und ihrem Namen, Neustadt an der Haardt (Pfalz), Meininger, 1933, 20 S. : Ill., Kt. (LBZ Sp Signatur: G 33.790/Signatur: K 73 403)
    Hartmann, J. (1915), Eine Kalmit-Wanderung, Ludwigshafen am Rhein, Pfälzerwald-Verein, 1915, 8 S. (LBZ Sp Signatur: Pf 2/324/Signatur: 27.878)
    Sonntag, Karl (1931), Das Kalmitobservatorium bei Neustadt an der Haardt in der Pfalz, Speyer, Pfälz. Ges. zur Förderung der Wissenschaften, 1932, [8] Bl. : Ill. (LBZ Sp Signatur:G 32.491/Signatur: K 64 121)
    Burckhardt, Hans (1934), Das Kalmit-Observatorium (673 m), s.l., 1934, IN: Jahresbericht des Sonnenblick-Vereines ; 43 (LBZ Sp Signatur: 1a 1779)
    Burckhardt, Hans (1937), Auftreten ungewöhnlich tiefer Feuchtigkeitsgrade, IN: Mitteilung aus dem Observatorium Kalmit des Reichsamts für Wetterdienst, s.l., 1937, IN: Meteorologische Zeitschrift ; 54 (LBZ Sp Signatur: 1a 4867)
    Burckhardt, Hans (1938), Messungen der Kernzahl auf der Kalmit, s.l., 1938, S. 190 - 198, IN: Beiträge zur Physik der freien Atmosphäre ; 24 (LBZ Sp Signatur: K 4542)

Einzelnachweise

  1. Katasterkarte ca. aus dem Jahr 1850 mit der Bezeichnung "Karte des Gemeinde Wald und Feldgewannes von Maikammer". Katasterverwaltung (1850(?)) ‹Karte des Gemeinde Wald und Feldbannes von Maikammer.: ca. 1:25.000› In: (Hg.), (CMS 372).
  2. Intelligenzblatt des königlich baierischen Rheinkreises: : 10. Jahrgang 1827, 11. Jahrgang 1828, 12. Jahrgang 1829., Seite 16/1829, 12. Jahrgang
  3. Die Kalmitstraße. Ein Sozial= und Wirtschaftsproblem. In: Der Rheinpfälzer vol. October 16 1931, 4.
  4. Die Kleine Kalmit. de.wikipedia.org/wiki/Kleine_Kalmit Kleine Kalmit auf wikipedia
  5. Franz Allmaras spricht aber auch von der Kleinen Kalmit, die der Kalmit vorgelagert ist. Bibliographie Alsterweiler: Allmaras, Franz (1931) ‹Die Kalmitstraße. Ein Sozial- und Wirtschaftsproblem.› In: Der Rheinpfälzer. (Hg.), (CMS 97), Absatz 9
  6. Mehlis, C. Geologisches von der Großen Kalmit. In: Pfälzische Rundschau, Ausgabe: 29 (1928)/ Nr. 267, 28. September 1928.
  7. Die Kalmitstraße. Ein Sozial= und Wirtschaftsproblem. In: Der Rheinpfälzer vol. October 16 1931, 4.
  8. Ausführlicher dazu bei Karl Geib unter dem Ort Edenkoben: alsterweiler.matthias-dreyer.de/index.php?title=Edenkoben_(Kanton)#Immer_noch_auf_Weg_1_-_entlang_der_Höhen
  9. Anmerkung Matzinger: Mehlis geht von einer urkundlichen Erwähnung dieser Deutung aus. siehe dazu: Mehlis, Christian: Geologisches von der Großen Kalmit. In: Pfälzische Rundschau, Ausgabe: 29 (1928)/ Nr. 267, 28. September 1928, Fußnotet 1.
  10. Allmaras, Franz (1931): Die Kalmitstraße. Ein Sozial= und Wirtschaftsproblem. In: Der Rheinpfälzer (1931) Jahrgang 42, Nr. 241, Seite 4
  11. Unkannter Dichter (ohne Jahr): mündliche Überlieferung.
  12. Anmerkung Matzinger: siehe dazu: im Web: .s197410804.online.de/Zeiten/1700.htm Heidelberger Geschichtsverein auch der in den 1740er Jahren angelegt Schlossplatz, er befindet sich in der Verlängerung der Achse des Schlossgartens, orientiert sich an der Linie, die sich deutlich sichtbar vom Königsstuhl bei Heidelberg zur Kalmit in der Pfalz zieht.
  13. Häberle, Daniel (1932) ‹Die neue Kalmitstraße: In ihrer geologischen und verkehrsgeographischen Bedeutung.› In: Der Trifels. Heimatbeilage der Pfälzischen Rundschau (Hg.), (Band 4), Seite(n): 1 (CMS 105).
  14. Mehlis, Christian: Geologisches von der Großen Kalmit. In: Pfälzische Rundschau, Ausgabe: 29 (1928)/ Nr. 267, 28. September 1928.
  15. Mehlis, Christian: Geologisches von der Großen Kalmit. In: Pfälzische Rundschau, Ausgabe: 29 (1928)/ Nr. 267, 28. September 1928.
  16. Mehlis, Christian: Geologisches von der Großen Kalmit. In: Pfälzische Rundschau, Ausgabe: 29 (1928)/ Nr. 267, 28. September 1928.
  17. Mehlis, Christian: Geologisches von der Großen Kalmit. In: Pfälzische Rundschau, Ausgabe: 29 (1928)/ Nr. 267, 28. September 1928.
  18. Anmerkung Matzinger: de.wikipedia.org/wiki/Sender_Kalmit Aufstellung zu den Sendeanlagen am Sendemast Kalmit
  19. Landesvermessungsamt Koblenz: Akte vom 8. September 1851 zu den Kosten für die Hauptsignale im Rheinkreis.
  20. Lang, Winfried (Hg.) (unbekannt): Der optische Telegraph im Pfälzerwald - ein kollektiver Irrtum? ohne Verlag, ohne Datum
  21. Anmerkung Matzinger: de.wikipedia.org/wiki/Sender_Kalmit Aufstellung zu den Sendeanlagen am Sendemast Kalmit
  22. Die Übersetzung lieferte freundlicherweise Herr Dr. Bernhard Kissler am 12. November 2014. Er schreibt in einer Email dazu: Wegen der Verwitterung ist der Text stellenweise nicht ganz einfach zu entziffern. Ich habe zuerst auch "paci" (Dativ on pax, Frieden) gelesen, aber es muß wohl "Page" (Genetiv von Paus, Dorf, Gau) heißen. Dann heißt es auch nicht "eium", sondern "civium" (Genetiv Plural von cives, Bürger) und "fies Pietas et gratitudo", das "j" statt "i" ist eine nachklassische Variante.
  23. Die Übersetzung lieferte freundlicherweise Herr Dr. Bernhard Kissler am 12. November 2014
  24. Anmerkung Matzinger: weitere Angaben zur Entstehung unter .pwv-luma.de/wordpress/?page_id=166 Pfälzerwaldverein Ludwigshafen Mannheim - Kalmithaus
  25. Häberle, Daniel (1932): Die neue Kalmitstraße. In: Der Trifels 4: 1
  26. Häberle, Daniel (1932): Die neue Kalmitstraße. In: Der Trifels 4: 1

Anmerkungen

Zitate

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