Vierte Mittelhaingeraide

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Vierte Mittelhaingeraide ist eine genossenschaftliche Einrichtung, deren Ursprung auf das frühe Mittelalter zurückgeht.

Die IV. Mittelhaingeraide (auch 5. Haingeraide[1], V. Haingeraide[2], 4. Mittelhaingeraide[3]) umfasste die Orte Maikammer-Alsterweiler als Hauptort und Diedesfeld als Aufbewahrungsort der Waldaxt. Kirrweiler stellte den Waldmeister. Die Fläche summierte sich auf 3 023 ha[4]. Auch St. Martin zählte zur IV. Mittelhaingeraide. Die Gemeinde Duttweiler machte Ansprüche an die Haingeraide geltend. Sie sollten über das Oberamt Neustadt und damit die Kurpfalz durchgesetzt werden. Die Forderungen entstanden wohl aus einer Fehlinterpretation einer Urkunde[5]. Im Jahre 1755 wurde durch den Kurfürsten Karl Theodor und den Fürstbischof von Speyer Franz Christoph von Hutten die Sachlage bereinigt[6]. Demnach hatte Duttweiler niemals einen berechtigten Anspruch auf Holznutzung in der Vierten Mittelhaingeraiden. Die IV. Mittelhaingeraide wurde im Zuge der Einführung der bayerischen Forstverwaltung 1816 aufgelöst[7].

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Erläuterungen von Leonhardt (1928) (Seite 114ff.) zur 5. Haingeraide. Zur Vollbildansicht

Erste urkundliche Nachweise

Eine frühe Erwähnung geht auf das Jahr 1577 zurück in Form eines Weistums: "Gereiden Spruch der vier Dörffer Maikammer, Kirrweiler, St. Martin und Diedesfeldt", das durch das Oberamt Kirrweiler im Jahre 1618 bestätigt bzw. erneuert wurde[8], vollständig wiedergegeben als "Copia geraidenspruchs der vier dörffer Maincammer, Kirweyler, St Marin und Diedesveldtt"[9].

Die genauen Zusammenhänge der Entstehung der Vierten Mittelhaingeraide sind nicht geklärt. So geht Bischof Matthias Ramung im Zeitraum von 1464/95 noch von einer Gereide von St. Martin aus, die wohl die Gemeinden Diedesfeld, Maikammer, Kirrweiler und Alsterweiler umfassten (wohl auch Weinsweiler)[10][11]. Denkbar ist auch, daß sich zu diesem Zeitpunkt nur der Sitz der Gereiden in St. Martin befand, also das Gebiet bereits seine feststehenden Grenzen hatte. In der Regel wurde die Haingeraide nämlich nach ihrem Sitzort benannt[12].

Organisation der Haingeraide

"Oberhaupt der Gemeinde und Vorsitzender des Gemeindegerichts vor 1798 war der Schultheiß oder Stabhalter, der auch zugleich Vorstand der 5. Haingeraide war."[13]. Wie bereits ausgeführt handelt es dabei um die 4. Mittelhaingeraide.

Haupt- und Gerichtsort Maikammer-Alsterweiler

Der Haupt- und Gerichtsort der Haingeraide war Maikammer-Alsterweiler. Dort wurde auch jährlich einmal, nämlich an Fastnacht, Gericht gehalten, am Geraidestuhl. Später fanden die Gerichtstage im Gemeindehaus statt. Zuständig waren der Schultheiß und Schöffen, auch Zentenmeister und Knechte genannt[14].[anm 1][anm 2]

Aufbewahrungsort der Waldaxt Diedesfeld

Waldmeister aus Kirrweiler

Geraideschreiber und Zentenmeister

Es gab außerdem noch einen Geraideschreiber und den jedes Jahr neu aufgestellten Zehntenberger oder Zehntenmeister, wie er später hieß. Er wurde abwechselnd aus einem der 4 Dörfer gewählt, hatte die Geraiderechnung zu führen und mit 8—12 Knechten die Waldarbeiten zu verrichten[15].

Teilung der Vierten Mittelhaingeraide

Kanzelfelsen mit Eintrag über die Teilung der IV. Haingeraide.
© Armin Kiefer, 02. September 2016

Im Verlauf der Jahre 1821 bis 1826 wurde die Teilung der Vierten Mittelhaingeraide durchgeführt. Als wesentliche Gründe dafür werden der schlechte Zustand des Waldes, die Mängel des Kollektivsystems sowie Neid und Mißgunst der Geraidegenossen benannt[16].

Natürlich spielte auch die grundlegend neue Ausrichtung der Forstverwaltung durch die bayerische Regierung eine Rolle. Im Intelligenzblatt von 1827[17] wird vermerkt, die ehemals herrschaftlichen Wälder leuchteten wie Oasen aus der trostlosen Wüste der Haingeraide hervor. Schon die französische Regierung hatte sich an das Kollektivgut Haingeraide gemacht, indem 1794 strenge Bestimmungen zur Neuordnung des Forstwesens erlassen worden waren[18].

Mit der Säkularisierung ab dem Jahre 1796 wurden die Wälder einem Generaldirektor unterstellt[19]. Nach 1801 (Frieden von Lunéville) wurden Forstkonservationen eingerichtet. Nummer 28 befand sich in Koblenz und war für die linksrheinischen Gebiete zuständig[20]. Eine Koblenz unterstellte Forstinspektion befand sich in Neustadt a.d.W. Die in dieser Zeit enstehenden Streitigkeiten konnten erst mit der Einführung der bayerischen Forstverwaltung beigelegt werden. Ab 1816 wurde dann auch die Teilung der Haingeraiden in Angriff genommen. Die Aussteinungen folgten 1821 und 1822. Auf diese Zeit gehen auch die jetzt noch vorhandenen Aussteinungen mit Grenzsteinen in Alsterweiler zurück.

Teilungsakt

Die Eintragung (gelb) auf dem Kanzelfelsen (Gemarkung Diedesfeld) dokumentiert den Teilungsakt. HAECCE SYLVA INTER PAGOS MAIKAMMER DIEDESFELD KIRRWEILER ET ST. MARTIN ULTRA HOMINUM MEMORIAM INDIVISE POSSESSA INCOMMODUM EMOLUMENTUM QUE MAXIMUM PAGORUM HORUM DIVIS FUIT EORUM PRAETORIBUS DANIEL REINIG JAC GIES CASP BECKER GEORG SEEBER JOAN HARTMANN SECRETARIO JAC ALBERT SALTUUM CUSTODE ANNO DOM MDCCCXXIII DIE VIII MENSIS AUGUSTI[anm 3]. Übertragung: Dieser Wald zwischen den Gemeinden Maikammer, Diedesfeld, Kirrweiler und Sankt Martin seit Menschengedenken in ungeteiltem Besitz ist zum größten Nutzen der Gemeinden geteilt worden von ihren Bürgermeistern Daniel Reinig, Jacob Gies, Caspar Becker, Georg Seeber und Johannes Hartmann, den Sekretär Jacob Albert der Wälder Aufseher (Förster) im Jahre 1823 Tag 8 des Monats August

Übertragung

Übertragung Matthias C.S. Dreyer und Johannes Weingart / Übersetzung: Johannes Weingart (2018)
Die Buchstaben sind eingemeißelt und mit gelber Farbe kenntlich gemacht. Die Buchstaben sind Großbuchstaben und etwa 7,5 Zentimeter hoch. Zwischen den "abzugrenzenden" Worten sind Punkte eingeschlagen (allerdings nicht durchgehend konsequent). Die Vornamen der Bürgermeister sind abgekürzt, ohne erkenntliche Systematik.

Zunächst wird die Inschrift in „lesbares“ Latein übertragen. Sie lautet wie folgt:
Hec silva inter pagos Maikammer, Diedesfeld, Kirrweiler et St. Martin ultra hominum memoriam indivise possessa, in commodum et emolumentumque maximum pagorum horum divisa fuit eorum praetoribus Daniele Reinig, Jac Gies, Casp. Becker, Geor Seeber, Joan Hartmann, secretario Jac. Albert saltuum custode. Anno domini MDCCCXXIII die VIII mensis augusti.

Die Übersetzung ins Deutsche lautet:
Dieser Forst zwischen den Dörfern Maikammer, Diedesfeld, Kirrweiler und St. Martin, seit Menschengedenken in ungeteiltem Besitz, wurde zum Vorteil und größtmöglichen Nutzen dieser Dörfer geteilt durch die Bürgermeister Daniel Reinig, Jacob Gies, Caspar Becker und Georg Seeber sowie den Sekretär Johann Hartmann und den Waldhüter Jacob Albert. Im Jahre des Herrn 1823 am 8. August.

Die Inschrift darunter erinnert an den 100. Jahrestag dieses Ereignisses, nämlich den 8. August 1923: ZUR ERINNERUNG AN DIE 100JAHRFEIER 8.AUG1923 DIE VIER KONKURRENZGEMEINDEN

Teilung IV. MIttelhaingeraide100 Jahre TeilungKanzelfelsen teilung haingeraide.jpg
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Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

  1. Leonhardt (1928), Seite 114
  2. Artikel Blatt
  3. Frenzel, S. 267
  4. Frenzel, Seite 276
  5. ⭐ Quelle unvollständig ⭐ siehe dazu XXXX
  6. ⭐ Quelle unvollständig ⭐ siehe dazu XXXX
  7. ⭐ Quelle unvollständig ⭐ siehe dazu XXXX
  8. Mayerhofer, J. und F. Glasschröder (1892), ’Die Weistümer der Rheinpfalz: Mitteilungen des historischen Vereins der Pfalz Band XVI’, Speier (Hg. Pfalz, Historischer Verein der, (1 Hg., Mitteilungen des historischen Vereins der Pfalz, Gilardone’schen Buchdruckerei, Speier, Band/Ausgabe: XVI(XVI)) 252 Seiten. (CMS 351). (pp.107-107) der Fürstl. Speier'sche Rath, Vogt und Oberamtmann zu Kirrweiler: Wolfgang Heinrich von und zu Weingarten erneuert den zuletzt 1577 erneuerten "Gereiden Spruch der vier Dörffer Maikammer, Kirrweiler, St. Martin und Diedesfeldt" nebst den späten Nachträgen dazu betr. den Anspruch der Gemeinden Lachen und Speierdorf auf den Steinbruch im Clausenthal vom 26. Juni 1618 (Fol. 6r. f), Eichelrecht (Fol. 10r) u.s.w. am "Montag vor dem Aschermittwoch" 1628. gedr. bei Jakob Grimm VI, 415-419 NB!Maikammer war der Sitz des "Gereidenstuhls".
  9. Friedmann, Andreas Urban (2013), ’Weistümer und Ordnungen pfälzischer Marknutzungsgenossenschaften und Großwaldungen’, Lingenfeld (Hg. Pfälzische, Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, (Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Maierdruck, Lingenfeld, Band/Ausgabe: 114) 494 Seiten. (CMS 416), Seite 327 bis 347.
  10. Ramung, Matthias (1469), ’Liber secretorum Matthiae (Matthias Ramung) -Auszug Alsterweiler und Auszug Fische’, (Band/Ausgabe:) Seiten. (CMS 586)
  11. Friedmann, Andreas Urban (2013), ’Weistümer und Ordnungen pfälzischer Marknutzungsgenossenschaften und Großwaldungen’, Lingenfeld (Hg. Pfälzische, Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, (Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Maierdruck, Lingenfeld, Band/Ausgabe: 114) 494 Seiten. (CMS 416), Seite 258.
  12. Anmerkung Matzinger: Vergleichbar den Landdekanaten.
  13. Leonhardt, Johannes (1928), ’Geschichte von Maikammer=Alsterweiler’, Maikammer (Selbstverlag, Maikammer, Band/Ausgabe: 1) 216 Seiten. (CMS 125), Seite 138
  14. Friedmann (2013), Seite 244/245
  15. Leonhardt (1928), Seite 114
  16. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 266
  17. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 276
  18. Frenzel, Seite 276
  19. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 276
  20. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 276

Anmerkungen

  1. Die Kurpfalz erließ eine Verordnung zur Mittelhaingeraide, aus der die Regelungen erkennbar sind. In ähnlicher Weise dürften diese auch für die IV. Mittelhaingeraide gegolten haben:
    • 1 das Mittelhaingericht aus einem jährlich wechselnden Centmeister einem ständigen Geraideschreiber und gewählten Sechsern und Achtern jeweils den tüchtigsten Männern bestehen
    • 2 dies Geraidegericht soll jährlich um Martini den Landtag oder Geraidestuhl an dem altbestimmten Orte unter freiem Himmel halten darauf soll jedesmal gegenwärtige Verordnung verlesen die Rechnung des Centmeisters abgehört die Waldfrevel getädingt und die Verzeichnisse jener Untertanen verlesen werden welche bauen wollen dabei soll erwogen werden inwieweit die Notwendigkeit zu bauen vorhanden ist und wieweit der Zustand der Waldungen die Bauholzentnahme gestattet
    • 3 in Notfällen kann auch unterm Jahr ein Geraidestuhl abgehalten werden 8 der Centmeister hat 50 fl Gehalt jährlich und muss den Wald wöchentlich wenigstens 2mal besuchen.
    Siehe dazu auch: R: Glasschröder, Rep.d.Urk.d.Kurpfalz, Bd. I (1892/94) Nr. 149
  2. Leonhardt (1928) weist dem Zehntenmeister eine andere Funktion wie, wie dies bei Friedmann (2013) erfolgt.
  3. Die jeweiligen Punkte zwischen den Worten wurden hier weggelassen

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Fakten zu „Vierte Mittelhaingeraide
Ist AndererNameFünfte Haingeraide +
Ist BeschreibungVierte Mittelhaingeraide +
Ist erwähnt1553 JL +, 1797 +, 1801 +, 1816 +, 1822 +, 1823 + und 1923 +
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