Die Seite für Alsterweiler von Matthias C.S. Dreyer u.a.
Ein Gang nach dem Winzerdorf Alsterweiler: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | |zitat= | + | |zitat=Seite 1: Mit der elektrischen Oberlandbahn fahren wir mitten ins Herz des uralten Weindorfes Maikammer=Alsterweiler. Unser Gang gilt dem oberhalb Maikammer liegenden Weindorfe Alsterweiler. Wir biegen von der Hartmannstraße in die nördliche Schlageter=Straße ein und erreichen nach einer Weile zu Alsterweiler das sogenannte „Schlössel“. Der neuere zweistöckige Wohnbau ruht auf dem alten Keller der ehemaligen Kredenburg. Der ganze Schloß= oder Burgbezirk ist heute noch mit einer Mauer umfaßt und reichte ehemals bis zur heutigen Hartmannstraße. Rechts und links des Toreinganges sind zwei Wappensteine vermauert. Diese Wappen stimmen mit den Wappen auf den Grabmälern bei der katholischen Kirche in Maikammer überein. Auf dem rechten Reliefstein mit dem Allianzwappen lesen wir auf dem Spruchband folgende Inschrift: ICH VIAX V. OBSTEIN MACHT DEN BAW ANNO D. 1584. Dieser Viax vom Oberstein überließ im Jahre 1518 unserem Pfalzgrafen Ludwig 800 Gulden, wofür sich Bürgermeister, Rat und ganze Gemeinde von Neustadt dem Viacus vom Oberstein verbürgt hatten. Für diese Bürgschaft stellte der Pfalzgraf zu Heidelberg am heiligen Abend 1518 den Neustadtern einen Schadlosbrief aus, worin der Fürst und seine Erben sich verbürgten, die Stadt aller Ding schadlos zu halten. Am Seitenbau im Hof links des Einganges sehen wir alte Renaissancefenster und Türpforte mit dem Doppelwappen nebst der Zahl 1568. An der ehemaligen Zehntscheuer treffen wir an dem Kellertorbogen ein schönes Wappen. Ein weiteres Wappenrelief befindet sich in derHartmannstraße an einem Hause des ehemals zur Gesindewohnung des Schlosses gehörte. Die Weihergasse erinnert noch an die alten Schloßweiher. Ein Teil des heutigen Schloßgutes gehört der Gemeinde und wird als Schulhof benützt. Das Geschlecht vom Oberstein stammt von der Nahe. Im 13. Jahrhundert erscheint zu Oberstein ein Werner vom Stein. Das Geschlecht vom Oberstein der alten Kredenburg erlosch mit Georg Anton Christoph im Jahre 1661. Die Burg ging dann an ein Geschlecht von Schmittsburg über. Später war die Burg in den Händen der Fürstbischöfe zu Speyer. In der französischen Revolution ging die Burg in Privatbesitz über. Der jetzige Bau erstand ums Jahr 1890. Der gegenwärtige Besitzer |
| + | des Anwesens, Herr Jean Baumann, unterstützt uns in freundlicher Weise bei der Besichtigung der älteren Bauteile. Eine nette Dorfpartie bildet zu Alsterweiler das Schulhaus, erbaut 1829, und das katholische Kirchlein.Schräg über befand sich früher ein Bäckerhaus, wie die Jahreszahl 1756 mit Bäckerbrezel anzeigt. Im Vorgarten finden wir einen alten Bittstein mit einem Heiligenbild auf Blech gemalt. Der Stein trägt die Zahl 1718, die Buchstaben C. T. und A. B. T., darunter ist ein Hackbeil ausgehauen; akso eine Stiftung eines Metzgers. Die lange Alsterweiler Hauptstraße nimmt uns jetzt auf. Hier zeigt die Dorfstraße durchweg Behausungen aus dem 16. Jahrhundert. Beachtung verdient der Haustorbogen Nr. 27 aus der Renaissancezeit mit der Zahl 1595, im Schild eine Schwurhand mit 3 Fingern erhoben, darunter ein geflügelter Engel. Der Torbogen bei Haus Nr. 34 trägt die Jahreszahl 1590 mit zwei gekreuzten Fischen im Wappenschild. Haus Nr. 41 zeigt die Zahl 1575, der Ueberbau besteht aus Holzfachwerk. Das Haus des Lorenz Müller ist ein ausgesprochener alter Renaissancebau aus dem Jahre 1597, der zweite Stock besitzt Holzfachwerk und ganz kleine Fenster, wie man sie selten sieht. Als Abschluß unserer Tagreise erschließt sich uns noch die Deckelgasse mit ihren eigentümlichen und baulichen Schönheiten. Schon Haus Nr. 1 am Anfang der Gasse mit dem Torbogen aus dem Jahre 1581 wirkt in seinem Verfall malerisch. Die Perle stiller Romantik steht uns noch bevor. Nichtsahnend öffnen wir das Hoftor zu Haus Nr. 11 und wandern einige Schritte zwischen grauem Gemäuer. Auf einmal lichtet sich die Enge und unsere Augen schauen überrascht in einen kleinen Hof, in dessen Verborgenheit im Glanz der Abendsonne alte Romantik erstrahlt. Wir sehen einen runden Treppenturm mit alten Fenstern und einem Portal mit der Jahreszahl 1592, dessen Steinmetzarbeit man lieb gewinnen muß. Besteigen wir die alte Schneckentreppe, welche die Zugänge zu den Wohnhausbauten vermittelt, so erkennen wir die vorzügliche Erhaltung der Treppe, selbst die Handleiste an der | ||
| + | Turmmauer ist noch ganz geblieben. Oben an der äußersten Krone der Treppe hat der Steinmetz sein Zeichen hinterlassen. Wir verlassen den Hof mit seinen Bewohnern ungern, denn hier offenbarte sich unserem Auge eine Schönheit | ||
| + | vergangener Jahrhunderte, einer großen Zeit. Noch bricht sich helles Sonnenlicht in den Doppelrenaissancefenstern der niedrigen Behausung, wie verträumt floß die Zeit. Haus Nr. 8 weist ein schönes Renaissancetor auf aus | ||
| + | roten Sandsteinen. Im Hof können wir an der Pforte die Zahl 1597 feststellen. Das interessante Haus Nr. 17 veranlaßt uns ein wenig zu verweilen. Der Mann, der dieses Haus im Jahre 1820 erbaute, muß viele Neider besessen haben, | ||
| + | denn er ließ an den drei Bankfenstergesimsen folgende Sprüche in großen Buchstaben einmeißeln: | ||
| + | Ich achte meine Hasser | ||
| + | gleich wie das Regenwasser, | ||
| + | 2. Das von den Taeger (Dächer) fliesz. | ||
| + | Ob sie mich schon neiten, | ||
| + | So müssen sie doch leiten, | ||
| + | daß Gott mein Helfer ist. | ||
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|anmerkung=Einige Angaben in dem Beitrag sind falsch. Dazu zählt die Erwähnung von Lorenz Müller und Hauptstraße Nr.41, es müsste Hauptstraßre Nr.59 heißen. | |anmerkung=Einige Angaben in dem Beitrag sind falsch. Dazu zählt die Erwähnung von Lorenz Müller und Hauptstraße Nr.41, es müsste Hauptstraßre Nr.59 heißen. | ||
Version vom 25. Februar 2026, 20:30 Uhr
Andere Textquellen sind: 100 Jahre Kirchenchor Maikammer, 100 Jahre Kirchenchor Maikammer/Aus der Geschichte unserer Pfarrei, 100 Jahre Kirchenchor Maikammer/Das Maikammerer Altarbild… weitere Ergebnisse
Diese Seite befasst sich mit einem Artikel aus einem Buch, einer Zeitschrift usw.
Artikel Ein Gang nach dem Winzerdorf Alsterweiler
Gebiet: Alsterweiler
Erscheinungsjahr: 1939 - Grad: vollständig -
Bild: Bild nicht zulässig/vorhanden
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© Beim jeweiligen Verfasser des abgebildeten Beitrags oder Bildes. Veröffentlichungserlaubnis liegt vor.
Die Gesamtzahl der Artikel auf alsterweiler.net beträgt: 22.
Referenzierungen
- ^ Sauer, Heinrich Maria (1939).
Titel: Ein Gang durch das Winzerdorf Alsterweiler.
In: Saarpfalz. Bebilderte saarpfälzische Verkehrszeitschrift, (Hg.) (Herausgeber fehlt, bitte angeben.) ohne Ortsangabe .
Die Zuordnung zu einer Seite fehlt.
Ein Schlüssel fehlt.
Zitat: Seite 1: Mit der elektrischen Oberlandbahn fahren wir mitten ins Herz des uralten Weindorfes Maikammer=Alsterweiler. Unser Gang gilt dem oberhalb Maikammer liegenden Weindorfe Alsterweiler. Wir biegen von der Hartmannstraße in die nördliche Schlageter=Straße ein und erreichen nach einer Weile zu Alsterweiler das sogenannte „Schlössel“. Der neuere zweistöckige Wohnbau ruht auf dem alten Keller der ehemaligen Kredenburg. Der ganze Schloß= oder Burgbezirk ist heute noch mit einer Mauer umfaßt und reichte ehemals bis zur heutigen Hartmannstraße. Rechts und links des Toreinganges sind zwei Wappensteine vermauert. Diese Wappen stimmen mit den Wappen auf den Grabmälern bei der katholischen Kirche in Maikammer überein. Auf dem rechten Reliefstein mit dem Allianzwappen lesen wir auf dem Spruchband folgende Inschrift: ICH VIAX V. OBSTEIN MACHT DEN BAW ANNO D. 1584. Dieser Viax vom Oberstein überließ im Jahre 1518 unserem Pfalzgrafen Ludwig 800 Gulden, wofür sich Bürgermeister, Rat und ganze Gemeinde von Neustadt dem Viacus vom Oberstein verbürgt hatten. Für diese Bürgschaft stellte der Pfalzgraf zu Heidelberg am heiligen Abend 1518 den Neustadtern einen Schadlosbrief aus, worin der Fürst und seine Erben sich verbürgten, die Stadt aller Ding schadlos zu halten. Am Seitenbau im Hof links des Einganges sehen wir alte Renaissancefenster und Türpforte mit dem Doppelwappen nebst der Zahl 1568. An der ehemaligen Zehntscheuer treffen wir an dem Kellertorbogen ein schönes Wappen. Ein weiteres Wappenrelief befindet sich in derHartmannstraße an einem Hause des ehemals zur Gesindewohnung des Schlosses gehörte. Die Weihergasse erinnert noch an die alten Schloßweiher. Ein Teil des heutigen Schloßgutes gehört der Gemeinde und wird als Schulhof benützt. Das Geschlecht vom Oberstein stammt von der Nahe. Im 13. Jahrhundert erscheint zu Oberstein ein Werner vom Stein. Das Geschlecht vom Oberstein der alten Kredenburg erlosch mit Georg Anton Christoph im Jahre 1661. Die Burg ging dann an ein Geschlecht von Schmittsburg über. Später war die Burg in den Händen der Fürstbischöfe zu Speyer. In der französischen Revolution ging die Burg in Privatbesitz über. Der jetzige Bau erstand ums Jahr 1890. Der gegenwärtige Besitzer des Anwesens, Herr Jean Baumann, unterstützt uns in freundlicher Weise bei der Besichtigung der älteren Bauteile. Eine nette Dorfpartie bildet zu Alsterweiler das Schulhaus, erbaut 1829, und das katholische Kirchlein. schräg über befand sich früher ein Bäckerhaus, wie die Jahreszahl 1756 mit Bäckerbrezel anzeigt. Im Vorgarten finden wir einen alten Bittstein mit einem Heiligenbild auf Blech gemalt. Der Stein trägt die Zahl 1718, die Buchstaben C. T. und A. B. T., darunter ist ein Hackbeil ausgehauen; akso eine Stiftung eines Metzgers. Die lange Alsterweiler Hauptstraße nimmt uns jetzt auf. Hier zeigt die Dorfstraße durchweg Behausungen aus dem 16. Jahrhundert. Beachtung verdient der Haustorbogen Nr. 27 aus der Renaissancezeit mit der Zahl 1595, im Schild eine Schwurhand mit 3 Fingern erhoben, darunter ein geflügelter Engel. Der Torbogen bei Haus Nr. 34 trägt die Jahreszahl 1590 mit zwei gekreuzten Fischen im Wappenschild. Haus Nr. 41 zeigt die Zahl 1575, der Ueberbau besteht aus Holzfachwerk. Das Haus des Lorenz Müller ist ein ausgesprochener alter Renaissancebau aus dem Jahre 1597, der zweite Stock besitzt Holzfachwerk und ganz kleine Fenster, wie man sie selten sieht. Als Abschluß unserer Tagreise erschließt sich uns noch die Deckelgasse mit ihren eigentümlichen und baulichen Schönheiten. Schon Haus Nr. 1 am Anfang der Gasse mit dem Torbogen aus dem Jahre 1581 wirkt in seinem Verfall malerisch. Die Perle stiller Romantik steht uns noch bevor. Nichtsahnend öffnen wir das Hoftor zu Haus Nr. 11 und wandern einige Schritte zwischen grauem Gemäuer. Auf einmal lichtet sich die Enge und unsere Augen schauen überrascht in einen kleinen Hof, in dessen Verborgenheit im Glanz der Abendsonne alte Romantik erstrahlt. Wir sehen einen runden Treppenturm mit alten Fenstern und einem Portal mit der Jahreszahl 1592, dessen Steinmetzarbeit man lieb gewinnen muß. Besteigen wir die alte Schneckentreppe, welche die Zugänge zu den Wohnhausbauten vermittelt, so erkennen wir die vorzügliche Erhaltung der Treppe, selbst die Handleiste an der Turmmauer ist noch ganz geblieben. Oben an der äußersten Krone der Treppe hat der Steinmetz sein Zeichen hinterlassen. Wir verlassen den Hof mit seinen Bewohnern ungern, denn hier offenbarte sich unserem Auge eine Schönheit vergangener Jahrhunderte, einer großen Zeit. Noch bricht sich helles Sonnenlicht in den Doppelrenaissancefenstern der niedrigen Behausung, wie verträumt floß die Zeit. Haus Nr. 8 weist ein schönes Renaissancetor auf aus roten Sandsteinen. Im Hof können wir an der Pforte die Zahl 1597 feststellen. Das interessante Haus Nr. 17 veranlaßt uns ein wenig zu verweilen. Der Mann, der dieses Haus im Jahre 1820 erbaute, muß viele Neider besessen haben, denn er ließ an den drei Bankfenstergesimsen folgende Sprüche in großen Buchstaben einmeißeln: Ich achte meine Hasser gleich wie das Regenwasser, 2. Das von den Taeger (Dächer) fliesz. Ob sie mich schon neiten, So müssen sie doch leiten, daß Gott mein Helfer ist. Seite 2: Am letzten Haus der Gasse angelangt, genießen wir einen herrlichen Blick auf die Ruine Maxburg, die auf vorgeschobenem Bergkegel sich erhebt. Hell leuchten die Winzerhäuschen herab von den Weinberghängen. Ein Blick haftet am Klausental, weiter schauen wir hinab zur Ebene, goldenes Abendsonnenlicht liegt über dem Land und umspielt die letzten Häuser von Alsterweiler. Vom Turm läutet es zum Abendgebet, hinter die Berge gleitet das Licht, heimkehrt der Winzer vom Arbeitsfeld, was auch uns zum Aufbruch mahnt. So scheiden wir von einem Weindorf von großer Vergangenheit, das einer fortschreitenden gedeihlichen Zukunft entgegengeht. H. M. Sauer..
Eine Übertragung fehlt.
Anmerkung: Einige Angaben in dem Beitrag sind falsch. Dazu zählt die Erwähnung von Lorenz Müller und Hauptstraße Nr.41, es müsste Hauptstraßre Nr.59 heißen. Die Urkunde des Jahres 1518 ist möglicherweise die Übertragung von Duttweiler an den Kurfürsten, durch Viax von Oberstein (GHA OAN 200).
Schlagwort: Alsterweiler · Winzerdorf · Turmstraße · Hauptstraße · Oberlandbahn · Hartmannstraße · Schlageterstraße · Schlössel · Kredenburg · 1518 · Bürgschaft · Weihergasse · Schloßweiher · Jean Baumann · Schulhaus
Quelle: Ein Gang nach dem Winzerdorf Alsterweiler
Erscheinungsjahr: 1939
Erscheinungstag: Eine Tagesangabe (Erscheinungstag) fehlt.
Stufe: 6
Sammlung: Alsterweiler · Winzerdorf
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WIKI: Ortsname (Alsterweiler)