Landrecht Kurpfalz

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Das Buch: Land=Recht Kurpfalz 1700.
© Markus Hener 2015

Das Landrecht der Kurpfalz (mit vollem Titel: Churfürstlicher Pfaltz bey Rhein etc. Ernewert und Verbessertes Land-Recht) erschien erstmals im Jahre 1582. Bis zum Ende der Kurpfalz im Jahre 1803 hatte das Buch großen Einfluß auf das Leben der Bürger. Insbesondere war es auch denjenigen bekannt, die mit dem Gesetz in Berührung kamen. Das Buch lag in den jeweiligen Amtsstuben und wurde jährlich vorgelesen. Das geschah meistens in der Kirche des jeweiligen Ortes.[1][2]

Nicht nur in der Kurpfalz, auch in anderen deutschen Territorien entstanden gegen Ende des 16. Jahrhunderts umfassende Gesetzesbücher.[lit 1] Man darf wohl davon ausgehen, daß sowohl eine einheitliche Rechtssystematik, eine Kontrollfunktion der Landesherren und der Versuch, noch mehr Einfluß auf das Leben der Untertanen zu nehmen, die wesentlichen Triebfedern für die Erstellung der Gesetzbücher waren.[3] Das Landrecht sei einem "fühlbaren Bedürfnisse" entgegenkommen, vermerkt einer der ersten Kommentatoren im Jahre 1845[4].

Es gab wohl auch Vorläufer der ersten Veröffentlichung aus dem Jahre 1582[5][6] . Das Landrecht des 16. Jahrhunderts ging beinahe unverändert in die Epoche der Aufklärung hinein. Manche seiner Bestimmungen, wurden nicht mehr befolgt, obwohl sie förmlich nicht aufgehoben waren. Dazu zählen z.B. die Maßgaben für die Strafen.[lit 2] Im 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Verordnungen erlassen, die das Landrecht weiter verbessern sollten[7].

Das Landrecht in Alsterweiler

Der Ortsteil Alsterweiler hatte kein eigenständiges Gericht. Die Gerichtsaufgaben wurden zentral von Maikammer wahrgenommen. In den Jahren um 1930 ist im Keller des Alsterweiler Hofgut (Allerheiligenstift Speyer)[8], heute Wohnhaus Hauptstraße Nr.25, ein Exemplar des Landrechts (1700)[9] aufgetaucht. Daniel Rhein hat das Buch gesichert.

Der Fund des Buches erhärtet die Aussage in der Geschichte von Maikammer=Alsterweiler, wonach Leonhardt vermutete, daß es sich bei dem Gebäude Hauptstraße Nr.25 um das Wohnhaus eines Gerichtsschöffen handele[10]. Womöglich war es sogar ein Schultheiß selbst, der das Buch hinterließ. Die Übernahme des Buches nach 1803, also bei Umsetzung der franzöischen Verwaltung oder aber nach Einführung der Verwaltung des Rheinkreises sind auch denkbar. Insofern wäre kein besonderer Bezug zwischen dem angeblichen Gerichtsgebäude und dem Landrecht feststellbar.

Eine Anwendung des Rechts erfolgt bis zur französischen Revolution. Damit kann der Zeitraum von 1700 (Erscheinen dieser Fassung) bis 1803 (Umsetzung der französischen Verwaltung) spätestens 1816 (Einführung des Rheinkreises) in Betracht gezogen werden. In dieser Zeit waren folgende Herren Schultheiß[11]:

  • 1520 ist Hans Schwindell Schultheiß. Auf ihn folgt
  • 1560 kommt Hans Jungk vor;
  • 1582 Matthäus Schwenk;
  • 1588 starb Schultheiß Burkhard Arnold;
  • 1596 Peter Poß;
  • 1600 Hans Rößer, der Erbauer des Hauses Marktstraße 5;
  • 1603—1610 erscheint Hans Obendruf. der Erbauer des Rassiga'schen Hauses, Marktstraße 4;
  • 1613—1623 ist Ullrich Preuß Schultheiß; 1619 sind neben ihm Gerichtsschöffen Peter Henninger, Hans Sterr, Hans Preuß, Jörg Stachel, Anstett Schwartz und Jakob Hertel; Dorfmeister waren Hans Barchen und Nikolaus Burken.
  • 1623 Hans Preuß Schultheißenamt;
  • 1629 folgte Jakob Wingerter, seine Frau lebte noch 1655 und wurde noch Schultheißin genannt.
  • 1627 sind Gg. Stagel, Jakob Herdt, Moritz Keßler, Hans Hertel, Andreas Anstett und Georg Ginter Gerichtsschöffen.
  • 1641 wird Hartmann Wührt als Schultheiß erwähnt, er verstirbt 1643[12]
  • 1648 erscheint Mathis Stachel,
  • 1650 Hans Seb. Kautzmann. Unter diesen waren Christoph Keller, Hans Platz, Paul Hertel, Jakob Haaßmann, Hans Jakob Vetter und Hans Stachel Gerichtsschöffen.
  • 1655 Sebastian Wingerter[13]
  • 1668—1664 ist Hans Georg Schmitt Schultheiß, ihm folgte
  • 1685—1705 Christian Niether.
  • 1705 an war Johannes Tretter; er hatte Christian Hiether als Anwalt und Joh. Gg. Breinling, Joh. Platz, Hans G. Stachel, Hans Mich. Stoiber und Georg Christian Rößler als Gerichtsschöffen.
  • 1725 und 1730 erscheint Hans Jakob Stachel. 1725 waren Schöffen Hans Gg. Breinling, Hans Mich. Stober, Hans Kaspar Will, Joh. Nik. Müller und Friedrich Ullrich, 1730 Kasp. Will und 1738, dann Joh. Kaub, J. Konr. Ferner, Hans Gg. Vetter, Joh. Nik. Müller, Friedrich Ullrich und Heinrich Hildenbrand.
  • 1736 Georg Stachel (starb im gleichen Jahr)[14]
  • 1734—1754 war Christoph Schilling Schultheiß, zum Gemeindegericht gehörten Jak. Jung, Emanuel Koch, Heinrich Hildenbrand, Matth. Hertel, Joh. Nik. Müller und Friedr. Ullrich.
  • 1757 war Johannes Schöffer Schultheiß. Das Gemeindegericht setzte sich zusammen aus Peter Wingerter, Matth. Herdel, Jak. Rösler, Wendel Rieth, Johann Hildenbrand und Johann Wirth.
  • 1757 Wendel Rieth[17]
  • 1775 war Johannes Schöpfer noch Schultheiß. Gerichtsverwandte waren Friedr. Frankmann, Franz Peter Ullrich und Jak. Schwarzwälder.
  • 1787-88 Philipp Jakob Schwarzwälder.[18]
  • Der letzte Schultheiß war Johann Nieth. 1794 waren Gerichtsverwandte Friedrich Frankmann, Jak. Frantz, Theodor Reinig, Gemeinde- deputierte waren Johann Platz, Lorenz Wirth und Emanuel Heilweck.


Weblinks

Literatur

  1. Bopp, Philipp (1854), ‹Beiträge zum Verständnisse der vier mittelrheinischen Landrechte des Solmsischen, Pfälzischen, Mainzischen Landrechts und des Landrechts der Obergrafschaft Katzenelnbogen›, (Band 1; Darmstadt:)
  2. vgl. dazu: www.uni-mannheim.de/mateo/desbillons/land.html

Einzelnachweise

  1. vlg. dazu: www.uni-mannheim.de/mateo/desbillons/land.html
  2. Anmerkung user:matzinger: Das kann ich mir aufgrund praktischer Überlegungen nicht vorstellen. Das Vorlesen einer einzigen Seite dauert mindestens 1 Minute. Bei mehr als 500 Seiten, würde das Lesen etwas mehr als 6 Stunden dauern. Zudem sind umfangreiche Passagen im Land=Recht, die für das normale Volk völlig ohne Bedeutung waren, so z.B. die Hofgerichtsordnung oder Ausführungsanweisungen für die Amtsleute.
  3. vlg. dazu: www.uni-mannheim.de/mateo/desbillons/land.html
  4. Bopp, Philipp (1854), ‹Beiträge zum Verständnisse der vier mittelrheinischen Landrechte des Solmsischen, Pfälzischen, Mainzischen Landrechts und des Landrechts der Obergrafschaft Katzenelnbogen›, (1; Darmstadt:) Seiten. (CMS), Seite 54
  5. Bopp, Philipp (1854), ‹Beiträge zum Verständnisse der vier mittelrheinischen Landrechte des Solmsischen, Pfälzischen, Mainzischen Landrechts und des Landrechts der Obergrafschaft Katzenelnbogen›, (1; Darmstadt:) 54-94 Seiten. (CMS), Seite 54f.
  6. Bopp, Philipp (1854), ‹Beiträge zum Verständnisse der vier mittelrheinischen Landrechte des Solmsischen, Pfälzischen, Mainzischen Landrechts und des Landrechts der Obergrafschaft Katzenelnbogen›, (1; Darmstadt:) 54-94 Seiten. (CMS), Seite 60, nach: Dr. Franz Janson, Rechtsgelehrter an der Universität Heidelberg, 1793.
  7. Bopp, Philipp (1854), ‹Beiträge zum Verständnisse der vier mittelrheinischen Landrechte des Solmsischen, Pfälzischen, Mainzischen Landrechts und des Landrechts der Obergrafschaft Katzenelnbogen›, (1; Darmstadt:) 54-94 Seiten. (CMS), Seite 54ff.
  8. Dazu Markus Hener gem. Email vom 18. Dezember 2015: Laut den Erzählungen meines Vaters (Heinz Hener), habe mein Uropa (Daniel Rhein - Urgroßvater von Markus Hener) das Buch im Keller des Hauses gefunden, als man dort Fässer umräumte oder sonstige Kellerarbeiten durchführte. Ich kann das nicht glauben, das Buch ist in einem Erhaltungszustand, der eher auf eine trockene Lagerung schließen läßt. Er sei angewiesen worden, das Buch zu verbrennen, was er nicht getan hat. Ich denke, er hat sich die Erlaubnis eingeholt, das Buch mitnehmen zu dürfen. So kam es in unseren Besitz.
  9. Pfalz, Kurfürst von der (1700), ‹Land=Recht›, (Churfürstlicher Pfalz bey Rhein /etc. Ernewert und verbessertes Land=Recht, 1;) Seiten. (CMS 667).
  10. Geschichte von Maikammer=Alsterweiler#Zitat (Seite 18), Seite 18.
  11. alle aus Geschichte von Maikammer=Alsterweiler sofern nicht anders angegeben. Andere Angaben aus dem Ortsfamilienbuch 2015.
  12. Schäfer, Seite 29
  13. Schäfer, Seite 29
  14. Schäfer, Seite 29
  15. Schäfer, Seite 29
  16. vermutlich ist das die gleiche Person, wie sie von Leonhardt in den zwei weiteren Einträgen genannt wird.
  17. Erwähnung bei Leonhardt auf Seite 39, was nicht zu seiner Aufstellung passt
  18. Schäfer, Seite 29

Anmerkungen

Zitate

Urkunden

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