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Haingeraide

Aus Alsterweiler
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"Die Haingeraiden entwickelten sich aus dem fränkischen Waldrecht"[1]. Sie waren zwar Königsbesitz, aber auch der Nutzung durch jeden Freien zugänglich. Daraus entwickelten sich die Marktgenossenschaften sowie der Begriff der Allmende. Daraus entstand im 13. Jahrhundert der Name Heimgereite bzw. dessen Ableitung Haingeraide[2][3].

In der Pfalz gab es 5 Haingeraiden:

Daraus erklärt sich auch die unterschiedliche Bezeichnung für die Haingeraide in Alsterweiler[4]. Es handelt sich sowohl um die fünfte Haingeraide (vollständige Zählung) als auch um die Vierte Mittelhaingeraide[5].

Historische Entwicklung

Das gesamte Waldgebiet der Pfalz war ursprünglich allein der königlichen Macht vorbehalten.

Herauslösung aus königlichem Besitz

Eine Abgrenzung von einzelnen Waldgebieten begann als Lehen oder Schenkungen auch mit Waldanteilen und Nutzungsrechten versehen wurden. Damit wurden Teile des Waldes aus dem königlichen Besitz herausgelöst[6].[lit 1][lit 2].

Auslöser für diese Übertragungen waren Verdienste von Landesmannschaften, Stadtgründungen, Heiraten oder Aufteilungen in Erbfällen. Gleichzeitig sollte damit aber auch die Erschließung, die Besiedlung und die Nutzung des Waldes vorangetrieben werden (Frenzel, Seite 266). Schließlich waren weite Teile der Pfalz noch dünn besiedelt und der Wald sogar weitgehend siedlungsfrei[7].

Der Ursprung dieser Teilungsvorgänge lässt sich nicht mehr lückenlos nachvollziehen. Ein Anfang ist darin zu sehen, daß "die Wälder der Haingeraiden ausgeschieden wurden"[8].[9] Im 12. Jahrhundert nahm diese Tätigkeit weiter zu. Burgherren wurden belehnt und als die Reichsstädte ebenfalls Waldbesitz erhielten, verblieb nur noch ein kleiner Rest beim Reich (siehe dazu die Reichswaldgenossenschaften).

Festlegung von Grenzen

Bedingt durch diese Aufteilungen mussten Grenzen und Grenzverläufe festgelegt werden. Topographische Begebenheiten, Bach- und Flußverläufe wurden als Landmarken genutzt, um die Grenzen möglichst einfach nachvollziehbar zu machen [10][11].

HIER Beschreibung Abgrenzung Haingeraide als Beispiel????

Eine Aussteinung, wie wir sie heute kennen, war zunächst nicht vorgesehen. Fehlten natürliche Gegebenheiten wurden in Baumstämme Marken eingeschlagen (Lochbäume), die man Lach, Loch oder Looch nannte[12]. Derartige Gemarkungsnamen gibt es auch in Alsterweiler wie Loch, Lochgewann, Lochhohl, Lochweg, Lochweinsper[13][14]

Zur Markierung der Lochbäume diente die Waldaxt. Sie war ein hoheitliches Werkzeug und Symbol des Waldeigentums. Die Waldaxt war deshalb an einem sicheren Ort zu verwahren. Für die Haingeraiden der IV. Mittelhaingeraide übernahm dies die Gemeinde Diedesfeld.

Zunehmend wurden die Marken durch Steine ersetzt. In der Regel waren diese mit einem einfachen Kreuz versehen[15][16].

Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der Wälder wurden die Bemühungen um einen präzisen Grenzverlauf erhöht. So wollte Johann von Dhaun, Graf zu Falkenstein und Herr zu Oberstein, als Lehensträger der Burg Wilenstein nach einer Grenzbegehung, weitere Steine gesetzt haben: "zwischen zwei gut bekannten Steinen die richt und Schlicht zu suchen und noch zwei oder mehrer Steine zu setzen."[17].

Vermessung der Haingeraide

Im 18. Jahrhundert ging man dazu über die Grenzsteine in einen Linienverbund zu setzen und damit die Ausmarkung weiter zu verfeinern. In die "Köpfe" der Steine (Draufsicht) wurden "Linienzüge" eingeschlagen, die einen Bezug zum Grenzverlauf hatten und das Ausfinden des nächsten Steines erleichterten Datei:Grenzstein.jpg.

Weitere grundlegende Neuausrichtungen brachten die staatsrechtlichen Veränderungen von 1797 (Frankreich), 1801 (Frankreich) und 1816 (Bayern). Zum Teil wurden Grenzen gegenstandslos. Die Haingeraide wurde aufgelöst und durch einen Staatswald ersetzt. Von bayerischer Seite wurde die Forstverwaltung mit beamteten Förstern eingeführt. Zwar bedeutete dies einen erheblichen Einschnitt in die Rechte der freien Bürger, was die Nutzung und die Begehung ihres Waldes betraf. Andererseits darf auch nicht übersehen werden, daß sich der Wald der damaligen Haingeraide in einem erbärmlichen Zustand befand "Wo der Winzer den Fuß hinsetzt, da stehet der Wald ab"Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 275</ref>.

In der ehemaligen Haingeraide[18] auf dem Gebiet von Alsterweiler wurde im Jahre 1821/22 die ersten Grenzsteine gesetzt. Sie stehen noch heute im Wald. Dies war nun Sache eines fachkundigen Geometers oder auch Renovator Renovators. Nicht nur die Steine wurden gesetzt, auch die Abstände zwischen den Steinen vermessen und somit der gesamte Grenzverlauf dokumentiert. Schließlich wurden die ersten Katasterkarten erstellt 1821/22 und 1839.

Aus der Karte des Waldbanns (1850) geht die Aufteilung der IV. Mittelhaingeraide in Waldgewannen hervor.

Vierte Mittelhaingeraide

Die IV. Mittelhaingeraide (auch V. Haingeraide[19], 4. Mittelhaingeraide[20]) umfasste die Orte Maikammer-Alsterweiler als Hauptort und Diedesfeld als Aufbewahrungsort der Waldaxt. Kirrweiler stellte den Waldmeister. Der Fläche summierte sich auf 3 023 ha[21].

Als weitere Gemeinde forderte Duttweiler Ansprüche an die Haingeraide ein. Sie sollten über das Oberamt Neustadt und damit die Kurpfalz durchgesetzt werden. Die Forderungen entstanden wohl aus einer Fehlinterpretation einer Urkunde[22]. Im Jahre 1755 wurde durch den Kurfürsten Karl Theodor und den Fürstbischof von Speyer Franz Christoff die Sachlage bereinigt.

Im Verlauf der Jahre 1821 bis 1826 wurde die Teilung der IV. Mittelhaingeraide durchgeführt. Als wesentliche Gründe dafür werden der schlechte Zustand des Waldes, die Mängel des Kollektivsystems sowie Neid und Mißgunst der Geraidegenossen benannt[23]. Natürlich spielte auch die grundlegend neue Ausrichtung der Forstverwaltung durch die bayerische Regierung eine Rolle. Im Intelligenzblatt von 1827[24] wird vermerkt, die ehemals herrschaftlichen Wälder leuchteten wie Oasen aus der trostlosen Wüste der Haingeraide hervor. Schon die französische Regierung hatte sich an das Kollektivgut Haingeraide gemacht, indem 1794 strenge Bestimmungen zur Neuordnung des Forstwesens erlassen worden waren[25]. Mit der Säkularisierung ab dem Jahre 1796 wurden die Wälder einem Generaldirektor unterstellt[26]. Nach 1801 (Frieden von Lunéville) wurden Forstkonservationen eingerichtet. Nummer 28 befand sich in Koblenz und war für die linksrheinischen Gebiete zuständig[27]. Ein Koblenz unterstellte Forstinspektion befand sich in Neustadt a.d.W. Die in dieser Zeit enstehenden Streitigkeiten konnten erst mit der Einführung der bayerischen Forstverwaltung beigelegt werden. Ab 1816 wurde dann auch die Teilung der Haingeraiden in Angriff genommen.

Weblinks

Literatur

  1. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 265-276 und Karte Vorl.Nr.38
  2. Friedmann, Andreas Urban (2013) Weistümer und Ordnungen pfälzischer Marknutzungsgenossenschaften und Großwaldungen. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Lingenfeld, Maierdruck.

Einzelnachweise

  1. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 267
  2. woertbuchnetz.de / abgerufen am 14. Juli 2016 aus Pfälzisches Wörterbuch: Haingeraide bis hakeln (Bd. 3, Sp. 588 bis 589)
  3. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 267
  4. Kiefer, Armin (2004) Unser Wald - Die V. Haingeraide. Nachrichtenblatt der Verbandsgemeinde Maikammer, S. Ausgabe 42/2004 bis 05/2005.
  5. Friedmann, Andreas Urban (2013) Weistümer und Ordnungen pfälzischer Marknutzungsgenossenschaften und Großwaldungen. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Lingenfeld, Maierdruck.
  6. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 265-276 und Karte Vorl.Nr.38
  7. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 265-276 und Karte Vorl.Nr.38
  8. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 266
  9. Frenzel weist zudem darauf hin, daß "fränkische Gaugrafen das Kloster Hornbach begabten", Seite 266.
  10. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 266
  11. Frenzel (1963) verweist auf ein Beispiel aus Fischbach aus dem Jahre 1369
  12. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 266
  13. Wittmer, Richard (2000) Die Flur von Maikammer-Alsterweiler: Ihre Namen und steinernen Zeugen in Geschichte und Geschichten. Maikammer, Ortsgemeinde Maikammer.
  14. Frenzel (1963) Seite 266, nennt weitere Beispiele, wie aus dem Weistum der Frankenweide: "... von demselben Stein... bis zum Krodenborn, da steht ein Lochbaum..."
  15. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 267
  16. Frenzel (1963) verweist zudem darauf, daß es sich dabei nicht um ein christliches Symbole handele, vielmehr um Scharten oder Schrammen
  17. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 266
  18. Dies entsprach dem Waldanteil der Gemarkung von Maikammer-Alsterweiler
  19. Artikel Blatt
  20. Frenzel, S. 267
  21. Frenzel, Seite 276
  22. siehe dazu XXXX
  23. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 266
  24. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 276
  25. Frenzel, Seite 276
  26. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 276
  27. Frenzel, Walter (1963) <Die historischen Wälder der Pfalz>. IN: Alter, Willi (1963-1994) (Hg.) Pfalzatlas. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.), Speyer, Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Seiten 276

Anmerkungen

Zitate

Urkunden

Begriffe

Kategorien

Haingeraide gehört den Kategorien an: Gemarkung, Genossenschaft, Vorlage

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Referenzierungen

  1. ^ Dorfordnung (1549)/Artikel10 
  2. ^ Wochenblatt Landau (1825)/9 
  3. ^ Wochenblatt Landau (1825)/18