Palais Clam-Gallas

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[[Datei:Palais Clam-Gallas Wien 2014.jpg|350x200px|right|thumb|Palais Clam-Gallas (erbaut als Dietrichstein'sches Gartenhaus), heute: Institut Français in Wien, Währinger Straße 32.

→ mediencenter.t-online.de/auth/guest/shareToken/7414F5CB6CDA000FBBED4717D66C930012535044 Mehr Bilder vom Palais Clam-Gallas in Wien Das Palais Clam-Gallas[1] ist ein klassizistischer Bau in der Währinger Straße 32, 1090 Wien-Alsergrund, Österreich[lit 1][web 1][2]. Es wurde nach Plänen des Architekten Heinrich Koch errichtet.[lit 2]

→ Andere Werke von Heinrich Koch: Palais Károlyi (Budapest), Palais Kinksy (Prag), Schloss Károlyi (Fehérvárcsurgó)

Entstehung

Palais Clam-Gallas, Wien, Währingerstraße 32 - von der Gartenseite aufgenommen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1940 (© Bildarchiv Foto Marburg, Freigabe liegt vor.).[3]
Im Auftrag des Fürsten Franz-Josef von Dietrichstein[4] baute Heinrich Koch in den Jahren 1834 und 1835 ein (Garten-) Sommerpalais. Das Grundstück war bereits etwa im Jahre 1690 von Ferdinand-Josef Reichsfürst von Dietrichstein erworben[5] und zunächst von Karl von Dietrichstein als Garten angelegt worden[6]. Zum Palais gehörte auch eine Remise, die aus dem Umbau eines Gartensalons des angrenzenden Gasthauses mit dem Namen „Zum goldenen Engel“ entstand[7]. Den heutigen Namen erhielt das Gebäude nach Feldmarschall-Leutnant Eduard Graf Clam-Gallas, der sich um 1850 mit Clothilde von Dietrichstein verheiratete und damit in den Besitz des Anwesens kam[8].

Baustil

Das prächtige Palais ist im klassizistischen Stil errichtet. Der streng geometrische Bau wird durch einen tempelartigen Vorbau vor dem Mittelrisalit mit zwei übereinander stehenden Säulenreihen (je vier an der Zahl) betont. Er erinnert stark an seinen "Schwesterbau", das Palais Kinksy (Prag) in Prag-Smichov[beg 1]. Der Porticus nimmt nicht die ganze Breite des Mittelrisalit ein. Die seitlich davon stehenden Fenster sind fast quadratisch angelegt.

Der Bau wirkt streng (kubisch) und dennoch harmonisch komponiert in den Elementen Geschosse, Fensterachsen, Ecklösung. Gleichwohl wird aus der Seitenansicht deutlich, dass die Verzahnung Vorbau mit Hauptgebäude nicht vollkommen gelingen kann. Die vier ionischen Säulen tragen einen Tympanon, der über die Traufhöhe des Hauptbaus in das Dach läuft und somit eine im Vergleich zum Gesamtbau „unvollständige“ Verschneidung provoziert. Auch der Porticus selbst besitzt "unharmonische" Stellen, die dem Gesamtbau zuwiderlaufen. Eckige Säulen im Ergeschoß, runde Säulen darüber, der Abakus mit "Auskragung" im Erdgeschoss bzw. Abschluss auf der Säule im Obergeschoß.

Im Erdgeschoß sind Fenster mit Bögen im Obergeschoß bereits mit „Verflachungen“ eingebaut. Auf eine Besonderheit ist hinzuweisen, die sog. Verbindung der Fensterbögen[9] mittels Gesims. Dadurch entsteht eine Bogenfolge, die nur am Mittelrisalit unterbrochen wird[10]. Die Bogenfolge ist eine Anleihe an frühere Bauepochen (romanische Bögen). Das gleiche Stilelement findet sich auch am Palais Károlyi (Budapest). Insofern könnte auch dieses Gebäude als Schwesterbau bezeichnet werden.

Im Obergeschoss wird an der Seite des Baukörpers eine Rhythmisierung durch aufgesetzte Säulen erwirkt.

Die Rückseite weist eine leicht geänderte Gestaltung des Mittelrisalits auf. Er ist nur einstöckig ausgeformt. Dadurch ziehen sich die Säulen über die gesamte Höhe. Der Mittelrisalit fungiert als Empore (Balkon) mit Sicht in den angrenzenden Garten. Weinberger[11] geht davon aus, dass die Ausrichtung des Palais zunächst nach Osten ausgelegt war. Durch die Hanglage (Währinger Plateau mit Abfall zum Liechtenthaler Grund) hätte sich eine reizvolle Aussicht über Wien ergeben.

Ein wesentliches Kennzeichen der Bauten von Heinrich Koch (1781) fehlt hier. Der Hauptbau wurde "in der Regel" beidseits durch einstöckige Anbauten verlängert, die als Terrassen mit Zugang aus dem 1. Obergeschoß dienten. Dieses Prinzip ist am Schloss Károlyi (Fehérvárcsurgó) noch heute gut zu erkennen. Es war wohl auch am Palais Clam-Gallas angewandt worden; allerdings nur einseitig, auf der Basis eines bereits bestehenden Anbaus, der 1977 abgerissen wurde[12].

Pläne

Die Pläne liegen in der Albertina in Wien. Weitere Pläne liegen im Institut für Kunstgeschichte an der Universität in Wien. Siehe dazu: Planverzeichnis.

Heutige Nutzung

Die französische Republik erwarb das Anwesen im Jahre 1952 und richtete ein Kulturinstitut ein. Das Grundstück umfasst heute noch eine Größe von ca. 4,5 ha mit einem bemerkenswerten Baumbestand. Möglicherweise ist auch der Park von Heinrich Koch in seiner damaligen Form geplant oder angelegt worden. Der Park selbst existierte bereits lange vor dem Palais. Darauf weisen Pläne hin, die im Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien liegen, "Plan der fürstlich Dietrichstein'schen Besitzungen"[13].

Lage

Das Palais befindet sich in der stark befahrenen Währinger Straße. Sie ist eine zentrale Ausfallstraße von der Innenstadt in die Vororte von Wien. Das Palais liegt in einem großen Park etwa mit 80 Metern Abstand zur Straße. Die Parkmauer bzw. -einzäunungen sind noch erhalten. Im Park sind einige Nebengebäude errichtet worden, die z.T. wohl auch aus dem 19. Jahrhundert stammen.

Weblinks

  1. Werkverzeichnis von Heinrich Koch

Literatur

  1. Schröder, Walter. 1940. Palais Clam-Gallas: Österreich, Wien, Währinger Straße 30. Deutschland.
  2. Englische Zusammenfassung unter: Quelle: (http:)//www.ahmp.cz/eng/page/docs/DP28_EN.pdf / Manuel Weinberger, Vienna’s Clam-Gallas Palace (pp. 99–108); illustrations: pp. XXXV–XLVII) Vienna’s Clam-Gallas Palace has many links to Prague and Bohemia, the most fundamental of which is architect Heinrich Koch, followed by the Clam-Gallas family, which acquired the palace through marriage in the year 1858. The paper attempts to outline the palace’s architectural history on the basis of Koch’s newly discovered drawings. The documents contain information on building activities on the property prior to construction of the palace and prior to the creation of the first architectural drawings, as well as subsequent construction activities documented through preserved and newly discovered plans. Also documented are architectural parallels to the chateauin Kostelec nad Orlicí and the Kinský summer palace in Prague’s Smíchov district. In concluding, the paper attempts to use the construction activities of several noble families to shed light on the manner in which Vienna’s Clam-Gallas Palace may have acquired some of the features that show references to other buildings.

Einzelnachweise

  1. Wiener Palais palais-vienna.com
  2. Ehemals wohl die Nr. 237 in Wien. Siehe dazu: Weinberger, Manuel (2009) Das Wiener Palais Clam-Gallas. In: Archiv Hlavního Mesta Prahy (Hrsg.), Documenta Pragensia, 1. Prag, S. 99–108, Seite 102
  3. Bildindex der Kunst und Architektur: Clam-Gallas Heinrich Koch. (1940/1970) Marburg: Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg. 9. Februar 2014, © Bildarchiv Foto Marburg, Freigabe gem. Schreiben vom 13.2.2013.
  4. Anmerkung Matzinger: Franz Joseph Carl Johann Nepomuk Quirin von Dietrichstein-Proskau-Leslie, 8. Reichsfürst von Dietrichstein, Besitztümer in Mikulov (Nikolsburg) sowie Familiengruft Dietrichsstein. vgl. wikipedia unter dem Namen.
  5. Weinberger, Manuel (2009) Das Wiener Palais Clam-Gallas. In: Archiv Hlavního Mesta Prahy (Hrsg.), Documenta Pragensia, 1. Prag, S. 99–108, Seite 101
  6. INTERNETSEITE
  7. Weinberger, Manuel (2009) Das Wiener Palais Clam-Gallas. In: Archiv Hlavního Mesta Prahy (Hrsg.), Documenta Pragensia, 1. Prag, S. 99–108, Seite 100-101
  8. INTERNET
  9. Weinberger, Manuel (2009, Das Wiener Palais Clam-Gallas. In: Archiv Hlavního Mesta Prahy (Hrsg.), Documenta Pragensia, 1. Prag, S. 99–108, Seite 105): nennt sie Archivolten, was aber stilistisch nicht ganz korrekt ist. Archivolten sind "ausgeschmückte Bögen", die meist bei Torbögen angewandt werden.
  10. vgl. dazu: Weinberger, Manuel (2009) Das Wiener Palais Clam-Gallas. In: Archiv Hlavního Mesta Prahy (Hrsg.), Documenta Pragensia, 1. Prag, S. 99–108, Seite 105
  11. Weinberger, Manuel (2009) Das Wiener Palais Clam-Gallas. In: Archiv Hlavního Mesta Prahy (Hrsg.), Documenta Pragensia, 1. Prag, S. 99–108, Seite 103
  12. vgl. dazu: Weinberger, Manuel (2009) Das Wiener Palais Clam-Gallas. In: Archiv Hlavního Mesta Prahy (Hrsg.), Documenta Pragensia, 1. Prag, S. 99–108, Seite 106ff.
  13. Weinberger, Manuel (2009) Das Wiener Palais Clam-Gallas. In: Archiv Hlavního Mesta Prahy (Hrsg.), Documenta Pragensia, 1. Prag, S. 99–108, Seite 100-101, mit Verweis auf Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien, UNIDAM ID 236048

Anmerkungen

Zitate

Urkunden

Begriffe

  1. Der Begriff "Schwesterbau" wird von Manuel Weinberger benutzt. Siehe dazu: Weinberger, Manuel (2009) Das Wiener Palais Clam-Gallas. In: Archiv Hlavního Mesta Prahy (Hrsg.), Documenta Pragensia, 1. Prag, S. 99–108, Seite 99, 2. Absatz. Anmerkung Matzinger: Der Begriff Schwesterbau lässt sicher auch auf das Palais Kostelec nad Orlicí anwenden.

Kategorien

Palais Clam-Gallas gehört den Kategorien an: Bauten Dietrichstein, Werkverzeichnis Heinrich Koch

Matzinger sagt: Letzte Überarbeitung der Seite 28.02.2016. Alle Rechte der Seite bei ©Matthias C.S. Dreyer. Der Name dieser Seite lautet: Palais Clam-Gallas. Nutzen Sie zur Zitierung für ihr Werk folgende vollständige Angabe: http://www.alsterweiler.net/wiki/Palais Clam-Gallas ©Matthias C.S. Dreyer /abgerufen am 23.09.2018 ↑...Seitenanfang