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Palais Károlyi (Budapest)

Aus Alsterweiler
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Palais Károlyi (Budapest, Mihaly utca 16).

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Das Palais Károlyi (Budapest) ist ein klassizistisches Gebäude in Budapest, Mihaly utca 16. An diesem Palais haben die bedeutensten Architekten des Klassizismus Ungarns gearbeitet, darunter auch Heinrich Koch (1781)[1].

Entstehung

Das Palais wurde im Auftrag des Grafen György Károlyi umbgebaut bzw. in den heutigen Zustand versetzt.

Baustil

Das Gebäude ist ein repräsentatives Stadtpalais in klassizistischem Baustil.

Umbauten ab dem Jahr 1832

Im Jahre 1832 leitete György Károlyi groß angelegte Umbauarbeiten ein. Der vielgereiste Aristokrat wollte das Palais auf Grund seiner ausländischen Erfahrungen nach dem neuen Geschmack ausschmücken. Die Bauarbeiten begann der Wiener Architekt Anton Pius Riegel, der die Architektur der Hauptfassade gestaltete. Sie erhielt eine klassizistische Gliederung von 3-6-1-6-3 Achsen. Die Bauarbeiten wurden von Heinrich Koch (1781) aus- und fortgeführt. Er formte den mittleren Teil des Palastes völlig um. Über dem verlängerten Teil der Tordurchfahrt wurde die Bibliothek untergebracht. Das dreiarmige Haupttreppenhaus mit seinem Glasdach und die zwei Nebentreppenhäuser wurden abgerissen und auf einer zweimal so großen Fläche wieder aufgebaut. An der Hauptfassade wurden die Fenster mit Tympanon vereinfacht. An die Stelle der Verzierungen traten im Sinne des Klassizismus Schmucklosigkeit und Würde der Proportionen.

Am Palais ist ein Stilelement zu sehen, das Heinrich Koch (1781) auch an anderen Palais' der gleichen Zeit einsetzte. Es handelt sich um das Band, das die Fenster verbindet.

Umbauten ab dem Jahr 1835

Im Jahre 1835 übernahm Mihály Pollack, der herausragende Baumeister der ungarischen klassizistischen Architektur, die Bauausführung. Er arbeitete bis in die 40er Jahre am Palais. Die innere Verzierung des Festsaales und der Salons erfolgte 1839-1840. Die Arbeiten wurden von Wiener Handwerkern in bester Qualität verrichtet, ein Teil der Stoffe für die Wandvorhänge, Vorhänge und Teppiche wurde aus Frankreich geliefert. Zur Einweihungsfeier kam es im Jahre 1841.

In den Jahren nach 1900

Im Modernisierungsschwung am Anfang des 20. Jahrhunderts wollte Mihály Károlyi (Ministerpräsident 1. November 1918–11. Januar 1919) das Palais abreißen, um an seiner Stelle Mietshäuser bauen zu lassen. Auf die eintretenden Proteste hin veränderte er seine Absicht. Das Gebäude wurde in den 1910er Jahren modernisiert, mit modernen Badezimmern und neuen Kücheneinrichtungen ausgestattet. An die Stelle eines Teiles der Ställe wurde eine Autogarage gebaut. Heute befindet sich im Innenhof eine Gaststätte.

Der gesellschaftliche Hintergrund

Der vielgereiste, weit blickende Magnat, Graf György Károlyi war ein enger Freund von István Széchenyi und Miklós Wesselényi und unterstützte ihre Reformpolitik. Er war Mitbegründer der Ungarischen Gelehrtengesellschaft (Ungarische Akademie der Wissenschaften) und nahm als Sathmarer Abgeordneter aktiv an der Arbeit des Parlaments teil. Im Jahre 1848 wurde er Obergespan des Komitates Sathmar. Er unterstützte alle Initiativen, die dem Wohle der Heimat und dem Fortschritt dienten. Mit moralischer und finanzieller Hilfe förderte er die Entstehung der Kettenbrücke, des Nationaltheaters, der Nationalen Musikschule, der Kleinkinderbewahranstalt, des Ungarischen Landesvereins für Wirtschaft sowie des Pester Kunstvereins. Begeistert förderte er die Entwicklung der Pferdezucht.

Am 16. Mai 1836 heiratete György Károlyi Gräfin Karolina Zichy. Anlässlich dieses berühmten Ereignisses soll das früheste bekannte Aquarell verfertigt werden, welches das Gebäude darstellt. 1837 verewigte auch Carl Vasquez das Palais unter den Sehenswürdigkeiten von Pest. Die Gräfin und ihre Schwester Antonia – die Frau des Grafen Lajos Batthyány – spielten eine führende Rolle unter den Anhängern der nationalen Angelegenheiten. Sie trugen auf ihren Bällen aus ungarischen Stoffen hergestellte ungarische Kleider, um die lokale Industrie zu unterstützen. Die beiden Schwestern wurden von der Jugend mit einem Fackelaufzug gefeiert und von Sándor Petőfi mit einem Gedicht begrüßt.

Der Palast war durch seine prachtvollen Soireen berühmt, in deren Rahmen z.B. auch Ferenc Liszt (1811–1886) Klavier spielte. Während der blutigen Vergeltung nach dem Freiheitskampf von 1848-49 hatten zunächst Jellasics, dann auch Haynau ein Auge auf das Gebäude geworfen. Der Letztere richtete hier sein Quartier ein. Haynau lebte ein Jahr lang im Palais (1849–1950) und unterzeichnete in seinem Arbeitszimmer (heute Büro) im ersten Stock, das von der Bibliothek nach Norden in den Hof ging, die Todesurteile. Der Grafenfamilie genehmigte er nur den Gebrauch von einigen Zimmern. György Károlyi wurde wegen der Unterstützung der Revolution gefangen gesetzt und nur gegen ein hohes Lösegeld freigelassen. Aus diesem Gebäude wurde im Januar 1849 Graf Lajos Batthyány, der Ministerpräsident der ersten unabhängigen ungarischen Regierung, ins Gefängnis gebracht. Sein Andenken bewahrt das Relief an der Seitenfassade des Palais Károlyi in der Henszlmann Straße.

Das Palais galt im XIX. Jahrhundert als gesellschaftliches Zentrum der aristokratischen Welt in Pest. Am von Graf Gyula Károlyi und seiner Frau, Geraldine Pálffy veranstalteten Ball im Jahre 1883 nahm auch Kaiser Franz Joseph teil.

Im Oktober 1918 spielten sich wieder historische Ereignisse innerhalb der Mauern des Palais ab. Unter der Leitung des demokratische Reformforderungen vertretenden Grafen Károlyi wurde der Ungarische Nationalrat gegründet. Im Januar 1919 wurde Mihály Károlyi Präsident der ersten ungarischen Republik, dann wurde er 1920 in die Emigration gezwungen. Sein Vermögen wurde konfisziert und das Palais ging in den Besitz des Staates über. Der 1946 nach Ungarn rückkehrende Politiker bekam das Gebäude zurück, das er dann aber in feierlichem Rahmen erneut dem Wohle der Kultur zur Verfügung stellte. Ein Relief an der Wand des Palais in der Ferenczy Straße erinnert an Mihály Károlyi.[2]

Heutige Nutzung

Das Gebäude wird heute als Literaturmuseum "Petöfi" genutzt.[web 1]

Ein bedeutendes Baudenkmal der klassizistischen Architektur der ungarischen Hauptstadt ist das Palais Károlyi. Nur die die Umrisse des heutigen Palais bildenden Mauern stammen aus dem 17.-18. Jahrhundert. Die architektonischen Akzente und Verzierungen des Palastes entstanden fast ohne Ausnahme während der großen Umbauarbeiten, die mit dem Namen der Familie Károlyi verbunden sind, im so genannten Reformzeitalter zwischen 1832 und 1841.

Das Gebäude war einer der bedeutendsten hochadeligen Palais im Pest des 19. Jahrhunderts. Seine architektonischen Werte sind seiner kulturgeschichtlichen Relevanz ebenso ebenbürtig wie den historischen Momenten, denen das Gebäude als Schauplatz diente.

        Im Gewimmel der Innenstadt, zwischen den hohen Häusern der engen Straßen bietet sich das zweigeschossige Gebäude mit seinen ausgeglichenen, abgeklärten Formen und Ruhe ausstrahlenden Proportionen unerwartet dar. Die kraftvollen, gekröpften Teilsimse, die sich mit ihrem Kämpfergesims anschließenden gewölbten Fenster führen das Auge an der Hauptfassade des Gebäudes entlang. Über dem Dreiertoreingang erstreckt sich ein Balkon mit Steinkonsole und Eisengeländer. Der stufenförmige Giebel oben ist mit dem Grafenwappen der Familie Károlyi gekrönt. Auf dem Wappenschild ist das heraldische Tier des Geschlechtes, ein das Herz in seinen Krallen haltender Sperber zu sehen. Die Seitenfassade in der Ferenczy Straße bewahrt die der Hauptfassade ähnliche klassizistische Gliederung. Der Seiteneingang mit geradem Sturzgesims wird von zwei toskanischen Pilastern in die Mitte genommen. Die Seitenfassade in der Henszlmann Straße entstand nach 1934 als treue Adaptation der ursprünglichen Architektur, nachdem das benachbarte Harruckern-Wenckheim-Haus abgerissen worden war. Hinter der Hauptfassade des Palastes erblickt man, wenn man durch die mit Holzklötzen gepflasterte Durchfahrt kommt, einen Hof mit Rasen, der von den Gebäudeflügeln in U-Form umgeben ist. Ein Zaun trennt das Gebäude vom unlängst erneuerten Károlyi-Park, der einst ganz bis zur Magyar-Straße zum Palast gehörte, und seit 1928 eine öffentliche Parkanlage ist. Vom Garten her, eröffnet sich im weiten Raum vor uns die imposante, zweigeschossige innere Fassade im Hof. Über den Portalöffnungen des mit einem Tympanon abschließenden Mittelrisalits bildet wieder ein Balkon, auf welchen die gewölbten Fenster der Museumsbibliothek sich öffnen, das zentrale Motiv.
           Aus der Torhalle kommt man in der Mitte über einen mit Arkaden geschmückten Dreiereingang zum Marmor-Treppenaufgang, der mit einem Gusseisengeländer und Kandelabern verziert ist. Im Haupttreppenhaus befinden sich über dem Trenngesims gewölbte Blindarkaden mit einem Kämpfergesims, zwischen ihnen ragen je zwei Wandpfeiler mit verziertem Aufsatz bis zum gekröpften Gesims hinauf. Die gewölbte Form der drei Glastüren im Obergeschoss mit Kämpfergesims steht mit der Ausgestaltung im Erdgeschoss im Einklang, das Motiv der drei Arkadenbögen wiederholt sich auf der gegenüberliegenden Seite der Vorhalle. Den Raum über dem Treppenabsatz der Vorhalle schließt die verzierte Eisenkonstruktion des riesigen Glas-Satteldaches ab. Die durch Mauerpfeiler gegliederten Wände der vor der Bibliothek befindlichen Aula (163 m2) werden durch die Porträtgalerie der Familie Károlyi geschmückt. Die mit feinen architektonischen Gliederungen dekorierten, kraftvoll ausgebildeten Mahagoni-Holzmöbel, die die Einrichtung der 1838 erbauten Bibliothek bildeten, sind ebenfalls unversehrt erhalten geblieben. Die Galerie und die Bücherschränke wurden mit individuell entworfenen Lesesaal-Möbeln ergänzt.

Von den Sälen des Hauptflügels, die auf die Mihály Károlyi Straße gehen, erhielten im Laufe der im Dezember 2000 beendeten, das ganze Gebäude umfassenden Renovierung fünf Räume ihre ursprüngliche Ausgestaltung: der Festsaal, der Balkon-Saal, der Rote Saal, der Lotz-Saal und der Spiegelsaal. Die Rekonstruktion der historischen Interieurs sowie die Wiederherstellung der Textil- und Papiertapeten, der Vergoldung bzw. der Kunstmarmor- und Stuckverkleidungen wurde durch die Rekonstruktion der Kamine und Kronleuchter ergänzt.

        Der imposanteste Saal ist der Festsaal (120 m2) mit seinen fünf Fenstern und der Marmorverkleidung, in welchem über dem fein gemeißelten Marmorkamin drei riesige Spiegel prangen. Auf der Längsseite werden die Fensteröffnungen sowie ihnen gegenüber die zwei Türen und die drei Spiegel von je zwei Paaren korinthischer Wandpfeiler umfasst, während bei den Eingängen an der kürzeren Seiten je ein Wandpfeiler bis zum reich verzierten Stuckgesims unter der Decke emporragt. Die weißen Wände des dreifenstrigen, neben dem Festsaal liegenden, sich auf den Balkon der Hauptfassade mit Eisengeländer öffnenden Balkon-Saals (78 m2) ist mit weißem Kunstmarmor verkleidet. Der heute als Lotz-Saal bekannte Salon (96 m2) erhielt seinen Namen nach dem Wandgemälde an seiner Decke. Das die Musen darstellende Gemälde von Károly Lotz (1833–1904) wurde 1942 aus dem zum Abbruch verurteilten Wodianer-Palast (Ferenc Liszt Platz 3.) in die damals als Hauptstädtische Gemäldegalerie funktionierende Institution gebracht. Die Decke des als Roter Salon bekannten Raumes (94 m2) ist im Original erhalten, die die Wände bedeckende Draperie wurde auf Grund der während der Restauration freigelegten Stoffmuster neu geplant und angefertigt. Die Wände des Musiksaales oder Spiegelsaales sind mit einer verzierten tabakbraun-goldenen Holzverkleidung (boiserie) bedeckt, in welche die in den Interieurs des vergangenen Jahrhunderts eine so bedeutende Rolle spielenden Spiegel eingefügt sind.

Der benachbarte Raum, der heutige Bártfay-Salon, erinnert durch seine Benennung an László Bártfay (1797-1858), den Sekretär des Grafen György Károlyi. Der Raum gehörte ursprünglich zum Appartement der Gräfin. Auf den Flur tretend kommt man in den Raum, der einst als Blumensalon, dann als Gemäldegalerie diente und dessen Wände wie die der Kapelle mit einer gemusterten grünen Damasttapete verkleidet sind. In den Tür- und Fensterfüllungen sowie an der Decke der Kapelle ist die geschnitzte, wunderbare Holzverkleidung glücklicherweise erhalten geblieben. In den beiden Räumen des ehemaligen Károlyi-Archivs im Erdgeschoss ist ebenfalls wieder die ursprüngliche klassizistische Einrichtung aus dem 18. Jahrhundert zu bewundern.


Weblinks

  1. siehe dazu: [1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. des weiteren Miklós Ybl und Mihály Pollak
  2. Alle Informationen dieser Abschnitte nach: Literaturmuseum Poetöfi. siehe dazu: (http:)//www.pim.hu/object.396c336a-75a3-44f1-918b-9a2718a6b208.ivy

Anmerkungen

Zitate

Urkunden

Begriffe

Kategorien

Palais Károlyi (Budapest) gehört den Kategorien an: Werkverzeichnis Heinrich Koch, Bauten Károlyi

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