Die Seite für Alsterweiler von Matthias C.S. Dreyer u.a.
Anekdoten (Alsterweiler)
Der Geometer
Von München kam ein Geometer mit Frau und 14jährigem Meßgehilfen nach Maikammer und nahm bei dem damaligen Gemeindeschreiber Hauck Wohnung. Dessen Sohn half auch beim Messen mit. Dieser erzählt von diesen Waldgängen in der Palatina. So fanden sie im Walde viele "balkenlange und pickelshelmsdicke" Schlangen. Einmal fanden sie bei der Kropsburg einen Storch, den eine Schlange umwickelt hatte. Sie befreiten den Storch. Der Geometer war ein eigentümlicher Mann, den die Leute Waldmesser nannten. Wenn sie ihm begegneten, grüßten sie ihn immer: „Guten Tag, Herr Waldmesser!" Darüber ärgerte er sich und erwiderte: „ Ich bin kein Waldmesser nicht: ich bin Geometer!" Die damals nicht feinen Leute, die auch infolge des Krieges und der Nachkriegszeit roher geworden waren, trieben ihren Spott mit ihm und riefen ihm, wo sie ihn von weitem sahen „Land-mes-ser" nach. Einmal ging er auch von der Vermessung durch Alsterweiler nach Hause; im Walde hatte er sich einen dicken Stock zum Benutzen beim Gehen abgeschnitten. Als er an die Deckelgasse kam, standen einige böse Buben dort und belästigten ihn durch Zurufen. Dabei schlug er dem Frechsten seinen Stock über. Die Folge war, daß man ihm Steine nachwarf und ihn bis zu seiner Wohnung verfolgte. Als auch noch nachts Steine in die Wohnung fuhren mit den Zurufen: „Wir schneiden ihm den Hals ab! Wo ist der Waldmesser, er muß sterben; der will kein Waldmesser sein!", brach er nachts noch auf und verließ das ungastliche Maikammer. Ein Knecht des Bürgermeisters Reinig brachte ihn mit der Chaise fort. (Geschehen im Jahr 1816)[1]
Der Gäsebart
Vom Jahre 1816 an stellte der bayerische Staat die Forstleute an, und nun begann eine Streiterei mit diesen Beamten, die bis zum heutigen Tage dauert. Der erste Forstmann hieß Albert, er kam von Forst nach Maikammer. Seine Arbeit war eine sehr schwierige. Der ruinierte Wald bedürfte der Schonung und Pflege. Albert ließ im vorderen Wald die ungleich großen Bäume, die noch vorhanden waren, entfernen, den Boden mit dem Pickel bearbeiten und Forlensamen säen, der aber zunächst nicht aufging, weil er in der Dürre verbrannt war. Durch die beständigen Bemühungen des Försters war bald eine Kuppe herangewachsen, die gutes Futter gab. Namentlich wuchsen darin Schmelen, die, weil vom Vieh gern gefressen, trotz Verbotes gerne gegrast wurden. Allein dic Leute kehrten sich nicht an das Verbot und holten immer Futter. Der Förster war erst nachsichtig und langmütig. Da aber seine Nachgiebig keit dem Walde zum Schaden gereichte, so mußte er strenger einschreiten und machte Protokolle wegen Waldfrevels.
Nun ging das Schelten an. Da er einen Knebelbart trug, nannten sie ihn „Gäsebart". Nun schallte es den Berg hinauf und herab, das Tälchen hinein und heraus, wie früher „Landmesser" jetzt „Gä—se—ba—rt". Aber der Förster behielt seinen Gleichmut. Als er einen der Alsterweiler Buben mit einem Kreuzer belohnte, weil er am lautesten „Gäsebart" schreien konnte, taten's die anderen nicht mehr, weil sie nichts bekommen hatten, und das „Gäsebart"-Geschrei nahm ab. (Palatina Jahrgang 1889 S. 403 f.) [2]
Der Müller
Die Mühle im Klausental wurde von dem Wasser des kleinen Hitschbaches getrieben. Jedenfalls war dort ein Staubecken und ein oberschlächtiges Mühlrad. Über ihre langsame Tätigkeit erzählt man sich hier: Einmal schüttete der Müller am Morgen auf und ging über Land. Spät am Abend kehrte er zurück. Als er beim Nachtessen saß, ertönte plötzlich die Glocke der leergelaufenen Mühle. Darüber wurde er unwillig, weil die Mühle schon „so rasch" leergelaufen war und ihn beim Essen störte.[3]
Der Lehrer (Domine salvum fac regem)
Am 19. Mai (1848) zog der „Oberst" Blenker von Worms mit 4000 Mann die mit alten Waffen, Sensen und Mistgabeln ausgerüstet waren, nachts von Neustadt nach Landau, um diese Festung zu nehmen. Der Angriff endete aber kläglich. Die rechtsmäßigen Beamten der Regierung und der Landkommissariate (Bezirksämter) flohen zum Teil, doch alle wurden abgesetzt und durch Anhänger der Freiheitsbewegung ersetzt. Für Landau wurde Literat Schneider von Edenkoben Zivilkommissär. Gemeinde- und Staatsbeamte, die ihr Amt erhalten wollten, mußten den Eid auf die Reichsverfassung schwören. Der provisorischen Regierung mußten sie erklären: „Ich verpflichte mich den Anordnungen der provisorischen Regierung Folge zu leisten!" Auf Pfingsten (27. und 28. Mai) hausten die Freischaren hier und Umgebung. Sie waren geführt von dem fahnenflüchtigen Leutnant Joh. Ernst Willich von der Insel Rügen. Er nahm am Pfingstmontage im Pfarrhause Quartier und zwang Pfarrer Weckesser den Eid auf die Verfassung zu schwören. Er ließ sich einige Tage aufwarten und von Fräulein Weckesser die Kleider flicken. In seiner Begleitung war viel Gesindel, besonders von Edenkoben, das sich hier einquartierte. Das Königslied „Domine salvum fac regem" durfte nach dem Hochamte nicht mehr gesungen werden. Lehrer Müller von Alsterweiler wettete am Pfingstmontag beim Frühschoppen in der „Krone", daß er nach dem Amte das Königslied singen werde, auch wenn die Freischaren es hören würden. Er sang es, wurde aber am nächsten Tage von Willich verhaftet und nach Kaiserslautern abgeführt.[4]
Die Bauern (Weg do newe...)
Als Pfarrer Weckesser im Pfarrhause belästigt wurde und er gar vom Altar weggeholt werden sollte, eilten die Bauern von Alsterweiler mit Sensen und Dreschflegeln zu Hilfe. Damals soll der Spruch entstanden sein: „Weg do newe, weg do newe, for unsern Parre lossen mer unser Lewe." (1848)[5]
Weblinks
Literatur
Einzelnachweise
- ↑ Leonhardt, Johannes (Hg.), (1928) Geschichte von Maikammer=Alsterweiler, Seite 120
- ↑ Leonhardt, Johannes (Hg.), (1928) Geschichte von Maikammer=Alsterweiler, Seite 120f.
- ↑ Leonhardt, Johannes (Hg.), (1928) Geschichte von Maikammer=Alsterweiler, Seite 111
- ↑ Leonhardt, Johannes (Hg.), (1928) Geschichte von Maikammer=Alsterweiler, Seite 56f.
- ↑ Leonhardt, Johannes (Hg.), (1928) Geschichte von Maikammer=Alsterweiler, Seite 57
Anmerkungen
Zitate
Urkunden
Begriffe
Kategorien
Anekdoten (Alsterweiler) gehört den Kategorien an: Brauchtum
Matzinger sagt: "letzte Überarbeitung der Seite 19.01.2012". Alle Rechte der Seite bei ©Matthias C.S. Dreyer. Der Name dieser Seite lautet: Anekdoten (Alsterweiler). Nutzen Sie zur Zitierung für Ihr Werk folgende vollständige Angabe: https://www.alsterweiler.net/wiki/Anekdoten (Alsterweiler) ©Matthias C.S. Dreyer /abgerufen am 19.04.2026 ↑... Seitenanfang
Referenzierungen
- ^ Titel: Ortschronik Maikammer Alsterweiler.
Schlüssel: Ortschronik (1986)/Vogelsang
Seite: 498
Zitat: Der erste Portugieserwingert wurde in Maikammer 1868 angelegt. Winzer Johannes Wilhelm gab Folgendes zur Kenntnis: Mein im Besitz der Eheleute Johannes Wilhelm und Luise geb. Ullrich befindliches Grundstück im Vogelsang 28 ar war oft Anlaß zu Begegnungen mit dem aus Alsterweiler stammenden katholischen Pfarrer Adam Christmann, wenn wir dort gearbeitet haben. Da erzählte uns Pfarrer Christmann öfter, daß dieser Wingert der erste Portugieserwingert in Maikammer war. Das Grund- stück war im Besitz vom Rechenmüller, der 1868 den Wingert mit der bis dahin fremden Sorte angelegt hat, er muß ein fortschrittlicher Winzer gewesen sein. Die Rebe ist dort gut gediehen und wurde auch viel und oft angepflanzt, für den dortigen Boden war es die richtige Sorte.
Übertragung: Eine Übertragung fehlt.
Es gibt keine Anmerkung.
Es gibt keine Notes.
Schlagwort: Alsterweiler · Vogelsang · Portugieserwingert · Adam Christmann · Johannes Wilhelm · Luise Ullrich
Quelle:
Vorkommnis: Ein Datum für das Vorkommnis fehlt.
Vorkommnistag: Eine Tagesangabe (Vorkommnistag) fehlt.
Stufe: 6
Sammlung: Alsterweiler · Vogelsang · Flurnamen (Alsterweiler)
Ein Link fehlt.
Eine urn fehlt.
Eine PDF-Angabe fehlt.
WIKI: Vogelsang