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Französische Zeit (Alsterweiler): Unterschied zwischen den Versionen

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Laut Befehl vom 28. Februar 1798 mußten alle Personen die dreifarbige Kokarde, wie sie die französischen Soldaten trugen, bei Vermeidung einer Strafe von 8 Tagen Gefängnis tragen. Wer sie einem Bürger ab- reißen oder sie entehren sollte, würde vor den peinlichen Gerichtshof gestellt und nach der Schärfe des Gerichts gerichtet. Am 19. Juli 1798 wurde an Stelle des christlichen Kalenders der republikanische gesetzt. Schon am 31. März 1798 wurde zum erstenmal hier und Umgebung die Dekade als neuer Ruhetag bei Musik und Trommelschlag gefeiert. Die Feste des Herrn und der Heiligen wurden abgesetzt bis auf Weihnachten, Christi Himmelfahrt, Maria Himmelfahrt und Allerheiligen.  
 
Laut Befehl vom 28. Februar 1798 mußten alle Personen die dreifarbige Kokarde, wie sie die französischen Soldaten trugen, bei Vermeidung einer Strafe von 8 Tagen Gefängnis tragen. Wer sie einem Bürger ab- reißen oder sie entehren sollte, würde vor den peinlichen Gerichtshof gestellt und nach der Schärfe des Gerichts gerichtet. Am 19. Juli 1798 wurde an Stelle des christlichen Kalenders der republikanische gesetzt. Schon am 31. März 1798 wurde zum erstenmal hier und Umgebung die Dekade als neuer Ruhetag bei Musik und Trommelschlag gefeiert. Die Feste des Herrn und der Heiligen wurden abgesetzt bis auf Weihnachten, Christi Himmelfahrt, Maria Himmelfahrt und Allerheiligen.  
  
Auf Kreuzerhöhung am 14. September 1798 wurden alle Kreuze, auch das auf dem Kirchhof umgerissen, das Muttergottesbild über dem Portal der Kirche wurde mit Brettern zugemacht. Am Sonntag blieben alle Behörden in Tätigkeit und jede Arbeit konnte vorgenommen werden. Man tat es aber nur wenig, sondern ging zur Kirche, die Kinder aber mußten in die Schule. Weil so die französischen Beamten die Gefühle des eroberten Volkes wenig schonten, waren die meisten Bewohner nicht republikanisch gesinnt. Die seitherigen Münzen, Taler, Gulden, Batzen, Krenzer wurden mit Francs und Centimes vertauscht, was den Leuten, besonders den Frauen nicht zusagte.  
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Auf Kreuzerhöhung am 14. September 1798 wurden alle Kreuze, auch das auf dem Kirchhof umgerissen, das Muttergottesbild über dem Portal der Kirche wurde mit Brettern zugemacht. Am Sonntag blieben alle Behörden in Tätigkeit und jede Arbeit konnte vorgenommen werden. Man tat es aber nur wenig, sondern ging zur Kirche, die Kinder aber mußten in die Schule. Weil so die französischen Beamten die Gefühle des eroberten Volkes wenig schonten, waren die meisten Bewohner nicht republikanisch gesinnt. Die seitherigen Münzen, Taler, Gulden, Batzen, Krenzer wurden mit Francs und Centimes vertauscht, was den Leuten, besonders den Frauen nicht zusagte. (alle Angaben Leonhardt (1928), S. 40ff.)
 
 
Zunächst gab es auch noch Kontributionen und Lieferungen genug. So mußte nach einem Befehl vom 6. Floreal 6 (25. Apr i l 1798) 7« Gul- den Z8 Kreuzer zur Unterhaltung der Truppen beigetragen werden. Ein Befehl vom 14. Floreal 6 (— z. M a i 98) verlangte Lieferung von Heu, Futter und Lagerstroh. Die Kontribution betrug 2741 Gulden 29 Kreuzer Eine weitere, bedeutend höhere wurde später nacherhoben. Es gab 1798 ziemlich viel und guten Ne i n . Er kostete 240 Guloen. I m Jahre 6 d. i. vom 22. September 1797 bis 22. September 1798 be trugen die Ausgaben der Gemeinde 2122 Gulden 41 Kreuzer. Die Ge- meindeschulden betrugen 14 6c»o Franken. Der Gemeindewein wurde zu 190 Gulden und 1 gr. Taler verkauft. Das Gras in dem Gemeindewingert brachte 16 Gulden Ertrag. Das Pfund Qchsenfleisch kostete 9 Kreuzer, Rindfleisch 8, Kalbfleisch 7, 1 Bund Neiden 18, i«o Wurzelreben 4«, 100 V3ingertspfähle Z« Kremer. Die beiden Gemeindefasel wurden zu 4.5 Gulden 22 Kreuzer und 39 Gulden zo Kreuzer verkauft, 2 neue kosteten Z5 und 65 Gulden. I n diesem Jahre der Vereinigung der Pfalz mit Frankreich wurden in vielen Orten wieder Freiheitsbäume gesetzt, so auch in Alsterweiler. das durch die neue Verwaltung mehr Selbständigkeit erhalten hatte. I m Jahre 1799 gingen die Lebensmittelpreise wieder zurück. 1 Mal ter Weizen kostete 8, Korn 6 ^ , Spelz 4, Gerste 5 Gulden. 1 Zentner Heu 1 Gulden 20 Kreuzer — 2 Dhm 98er N3ein wurde zu 115—150 Gulden verkauft. 1 Dienstmagd bekam in dieser Zeit für das halbe Jahr 7—14 Gulden, Zß Kreuzer V5einkauf und 1 Paar Schuhe und Strümpfe und 1 Paar Sohlen oder 1 Kappe oder 1 Halstuch und 1 Rock oder 1 baumwollzeugener Schurz oder Zeug für 1 „Mi ze l " . Der Herbst fiel sehr schlecht aus, es gab ganz wenig und geringen Wein. I^un wurde für die Jahre 6 und 7 (Sept. 97 bis Sept. 99) nochmals eine Kontribution erhoben, die nach dem Güterbesitz berechnet wurde, für das Jahr 6 für ein Morgen Wingert und Wiesen 9 Frs. 55 Cts., für Äcker 5)4 Frs. im ganzen 11 164 Frs. 45 Cts., für das Jahr 7 per Morgen Ningert und Wiesen 8 Frs. Z Cts., für Äcker 4 Frs. 60 Cts.. im ganzen 9 442 Franken. Am 16. Februar 180« wurde nochmals für das Jahr 6 16 591 Frs. 6Z Cts. und für das Jahr 7 ^ 1 4 029 Frs. i n Cts. und 10 Prozent daraus — 1402 Frs., zusammen 32022 Frs. 75 Cts., als Kontribution bzw.
 
 
 
Kriegssteuer ( i y Prozent) berechnet. Für Lieferungen mußten 1800: 866 Gulden 56 Kreuzer und 312 Gulden 9 Kreuzer allgemeine Kriegskosten ge- zahlt werden. Der Ni n t e r von 1799 auf 1800 war sehr kalt, es gab i8«o wenig V3ein, der aber sehr gut und stark war. Er kostete 25« Gulden. Hafer kostete das Mal ter 3—3^ Gulden. Am 9. Februar 1801 wurde der Friede zu Luneville geschlossen, das linke Rheinufer fiel offiziell an Frankreich. Es wurde nun um vieles besser. Schon als 1799 Napoleon i . Konsul geworden war, freuten sich alle des nun beendigten Gewissenszwanges, man läutete mit allen Glocken; das Kon- kordat für die rheinischen Departements vom Jahre 1801 und das französische Kultusgesetz vom 4. M a i 1802 stellte die Ordnung in der Kirche wieder her. Die kirchlichen Feste wurden wieder gehalten und der Sonntag von Beamten und Bürgern in alter Weise gefeiert. Auf dem Lande nahm der Wohlstand zu, denn die Kriegsnöte hörten auf, es blieb Friede bis zum Jahre 1814. Seuchen und Plünderungen schwanden und die durchziehenden Heere brachten Gewinn, da die französischen Truppen ihren Sold erhielten, wenn sie den Rhein überschritten hatten. An die Stelle des 3IlunizipaIagenten trat der I l lai re. Sie hatten nach dem Gesetze vom 7. Februar 1800 dieselben Verrichtungen wie die Munizipalagenten.
 
I n jeder Gemeinde sollte ein Munizipalrat (Gemeinderat) sein. Dieser sollte sich jedes Jahr am l.5. Pluviose versammeln und höchstens vierzehn Tage versammelt bleiben. Der Maire hatte auch die Grund-, Personal-, Luxus-, Tür- und Fenstersteuer zu erheben. Erster Mai re war Jakob Denier, dem 1801 Jean Mü l l e r (bis 1813) folgte. Da Pfarrer und Lehrer über die ganze französische Zeit blieben, änderte sich nichts in der Schule, wenn auch die französische Sprache als Lehrfach eingesetzt wurde. Die Standesakten wurden französisch geführt, ebenfalls die Steuerbücher und zwar beide wohl von dem französischen Ein nehmer M^l iöre, der hierher gesetzt wurde. 1801 hatte unser Dorf 1524 Einwohner, jetzt nahm die Bevölkerung zu. Die Kriegskosten betrugen nur noch ZZ Gulden 15 Kreuzer, die Gemeindeausgaben 5 ZZi Gulden. Es gab wenig Ne i n von mitllerer Güte, er kostete 155 Gulden.
 
I n der ersten Hälfte des Jahres 1802 hatte die Gemeinde einen Streit mit der französischen Regierung wegen des Waldes. Der Grund ist unbekannt. Der Gemeinde- schreiber Lambert Flormann führte ihn. Er hatte viele Gänge nach Neu- stadt, Speyer und Mainz zu den verschiedenen Behörden zu machen um Exekutionen abzuwenden und das Dorf vor Einquartierungen als Strafe zu bewahren.
 
I m Juni saßen mehrere Bürger im Gefängnis zu Speyer. Am 28. Juni wurden Flormann, Nendel llllrich, Johannes Andres und ein Herrmann durch Gendarmen nach Speyer gebracht. Die Gemeinde konnte 1802 rückständige Zinsen decken. Die Gemeinde ausgaben betrugen 16 674 Gulden 37 Kreuzer. Es gab viel, sehr guten Nein , er kostete 270—280 Gulden. Ein Milchkalb kostete 4>l Gulden, 1 Pfund Kalbfleisch 6 Kreuzer, Rindfleisch 10 Kreuzer,
 
zu graben, 52 Kreuzer und 1 Gulden zu rühren, 9 Gulden das Düngen mit Hinausfahren des Dunges.
 
i Bratwurst
 
7 Kreuzer.
 
Ein Viertel Ninger t kostete i5s, 1 Gulden 44 Kreuzer und 2 Gulden
 
 
 
 
 
nalgüter angeordnet.
 
Durch Gesetz vom 25. November 1802 wurde der Verkauf aller I n Mainz begann die Versteigerung aller früheren herrschaftlichen Güter. Die Credenburg zu Alsterweiler kam in den Besitz der Gebrüder Lederle in Hambach, 60 Morgen Äcker und 24 Mo r - gen der Dieterwiese gingen in Privatbesitz über. Das sogenannte Nonnen« haus kaufte Franz Peter Schwarzwälder in Alsterweiler samt dem dazu gehörigen Gut um 46Z Frs., zahlbar in 3 Terminen. 180I gab es wenig N3ein von mittlerer Güte. 1804 wurde Napoleon Kaiser. Er machte eine Reise in die 4 rheini- schen Departements. Unsere Landstraße wurde in besseren Stand gesetzt. So erwarb sich Napoleon Freunde. Wenn nur die Aushebung zum Kriegs- dienste nicht gewesen wäre. Viele junge Leute flohen über den Rhein um sich ihrer Dienstpflicht zu entziehen. 1804 mußte der Distrikt Edenkobcn 12 M^ann stellen. I n diesem Jahre gab es am 25. Januar schon Donner, der Schnee lag vom Februar bis Mi t t e Mä r z . Der Herbst fiel gut aus; der Wein kostete im Herbste aber nur 42 Gulden, später 180 Gulden. 1805 war ein unbeständiger Sommer, die Trauben waren am 2«. Oktober noch nicht zeitig, an Allerheiligen war noch Herbst, die Trauben erfroren an den Stöcken. Es gab wenig und sauren Wein. 1806 war wieder Neujahr wie früher. Es gab in diesem Jahre hier ZiZ Viehbesitzer mit 477 Kühen und 20 Rindern. Das Faselgeld für eine Kuh betrug 5714 Cts. (—46 Pfg.), 1 Korb Kartoffeln und 1 Bünd?l Heu von IH Pfund; für ein Rind brauchte kein Heu gegeben zu werden. Die Gemeindeausgaben betrugen 36 392 Frs. 7 Cts. Der Wlein war gut, er kostete im Herbst 12Z Gulden. Am iZ. August feierte man hier den Geburtstag Napoleons und die Feier des Friedens von Tilsit (9. Ju l i 07). Glockengeläute und Salven am Vorabend machten den Bewohnern des Dorfes die Bedeutung des könn menden Tages klar. Salven und Glockengeläute weckten auch am Morgen des iZ. August die Schläfer aus der Ruhe. Nach dem feierlichen Amte erklang das Tedeum, worauf sich die ganze Gemeinde auf dem Marktplatz versammelte. Ein Friedenstraktat wurde verlesen, und Einnehmer Mol iöre hielt eine Rede auf den großen Befreier und Sieger Napoleon. Salven und Musik beschlossen den feierlichen Akt. Jedes Kind erhielt für ^ Kreu- zer Brot und ein Trinkglas voll Wein, jeder Arme eine Portion Fleisch, für 6 Kreuzer Brot und 1 Liter Wein. Alle Spiele waren an diesem Tage frei, sodaß in den Wirtslokalen eifrig dem Tanzvergnügen gehuldigt wurde, zu welchem die Gemeinde Hals- und Taschentücher als Tanzpreise stiftete. Am Abend war das Rathaus beleuchtet. Salven und Glockengeläute be- schlossen die Feier. — Die Gemeinderechnung weist anläßlich dieses Friedens- festes folgende Auslagen der Gemeinde auf: für Pulver 30 Frs.. für Brot 26 Frs., für Fleisch für die Armen 12 Frs., für Neingeist zur Illumination 8,2Z Frs., für farbiges Papier 3,10 Frs., für Botenlohn 2 Frs., für Hals- und Nastücher (Preise beim Tanzen) 34,75 Frs. und für die Musikanten lZ,9« Frs., in Summa 130 Frs. Es gab in diesem Jahre ziemlich viel, sehr guten Wein: er kostete 120 Gulden.
 
 
 
 
 
l8n8 mußten dic Bürger I55 Frs. 2 Cts. zur Wasserleitung auf- bringen. Es gab sehr viel, leichten Wein. Er kostete 7a—80 Gulden. 1809 betrugen die Gemeindeausgaben 7774 Frs. 87 Cts. Es gab sehr wenig, saueren Ne i n ; er kostete 70 Gulden. ,8ic» war am 22. Februar ein großes Gewitter mit starkem Nasser. Es gab wenig Ne i n , aber er war sehr gut; er kostete 135 Gulden. Am 5. November abends 6 l lhr war ein fürchterliches Gewitter. Die Gemeindeausgaben betrugen 6407,51 Frs.
 
I m Apr i l 1811 starben 2 von hier eingezogene Soldaten des 28. französischen Linien-Inf. Regts. zu Spanien bezw. Portugal am Fieber, Nikolaus Dehm geb. 1789 zu Lederma (Portugal) und Georg Anton Frantz geb. 1789, im Lazarett zu Basterge (Spanien). Beide waren 1808 eingetreten. Desgleichen starben später Valentin Dannert von der 1. Komp. des 5. Linien-Inf.-Regts. in einem Il^ilitärhospital zu Spanien und Leonhard Eichhorn, Karabinier nn 2. Inf.-Regt. im Lazarett in der Village de Barrotoisro (Naoara) Non den Zurückgekommenen ist nur noch I oh . Humm bekannt, der 7 Jahre ab- wesend war. 1811 war das beste Neinjahr des Jahrhunderts. Am 15. M a i blühten die Trauben, am 20. Ju l i gab es schwarze Trauben, am Z«. Sep- tember begann der Herbst. Es gab sehr viel und ausgezeichneten Ne i n . Ein poetisch veranlagter hiesiger Winzer besang das Lob des 11 er Weines in 7 Strophen. Über die reiche Ernte sagt er: „Reich an Segen war Dieses elfter Jahr Fässer voll und Bütten Mancher konnt nicht schütten Seinen Most im Haus Hängen mußt er draus."
 
Die Güte lobt er mit den Wor ten: „Laßt uns fröhlich sein Es gilt dem elfter Wein Der heilt unsere Wunden, Kranken und Gesunden Gibt er M u t und Kraft Dieser Rebensaft." Der 11 er Wein kostete im Herbst 80—100 Gulden, stieg aber immer höher auf 130 Gulden und kostete 1817: 600—800 Gulden. 1811 auf 12 war ein gelinder Winter ; im Apr i l gab es noch Schnee. Es gab hier wenig und saueren Ne i n ; er kostete 80 Gulden. 1813, das Jahr der Befreiung Deutschlands, brachte wieder Lieferun- gen. Am 1. Ju l i mußte die Gemeinde an das Magazin Speyer für 372,40 Frs. Hafer, Heu und St roh liefern. Noch nach der Schlacht bei Leipzig, am 4. November waren 72,5 Hektoliter Hafer, 217 Zentner Heu, 366,5 Zentner St roh für zusammen 2 261,94 Frs. zu liefern. Wein zur Ver- proviantierung der Festung Mainz war schon gesammelt, wurde aber, der geänderten Verhältnisse wegen, nicht mehr geliefert. Es gab in diesem Jahre wenig Wein von mittlerer Güte. Die Ge- meindeausgaben betrugen 3 893,29 Frs.
 
 
 
 
 
Am i . Januar 1614 wurde das Gebiet der heutigen Pfalz unter bayerisch-österreichische Verwaltung gestellt. Die Franzosen hatten jetzt bei uns ausgespielt, sie mußten zurückweichen, die Verbündeten folgten Hinten- nach. Am 1. Januar 1814 überschritten die Russen den Rhein bei Mann- heim und nahmen Quartier in der Pfalz. Am 1. Januar war das 1. fran- zösische Marine-Art.-Regt. mit 1276 Mann und das französische 9. Kü- rassier-Regt. mit Zoo Ma n n und Pferden hier einquartiert. Es mußten 2812 Pfund Brot , 788 Pfund Fleisch, 788 Pfund Gemüse. 139 Liter Branntwein, 2280 Liter Hafer, 2120 Pfund Heu und 186 Pfund Stroh an sie abgegeben werden. Am 4. Januar kam die erste Kosakenabteilung, die bis 6. Januar blieb und sich selbst verpflegte. I m Apr i l meldeten sich ITikolaus Andes, Friedrich Graß und Johann Joseph V2intz zur freiwilligen Schar. Jeder erhielt von der Gemeinde 9 Frs. Sie wurden nach Speyer gefahren, wo sie eintraten. I m I lcai begann die eigentliche Einquartierung, die ganz von der Ge- meinde verpflegt wurde. So kamen: am 8. M a i 400 Ma n n russischer Kavallerie, am 15. M a i Mannschaften sächsischer Artillerie Fuhrwesens, am 24. M a i 25 Offiziere, 1026 Ma n n und 104 Pferde einer r u t - schen Kavallerie-Division, am 25. M a i 2 Offiziere und 130 Ma n n des 2. badischen Landwehr- Füselier-Regiments, am 26. und 27. M a i 29 Offiziere, 714 Ma nn und 272 Pferde russische Kosaken, am 28. und 29 M a i 23 Offiziere, 351 Ma n n und 484 Pferde russische Nkrainer Kosaken. am —30. M a i 2 Offiziere, 143 Ma n n und 9 Pferde russischer Infanterie, am 1.—6. Juni 3 Offiziere, 145 M^ann russische Infanterie, vom 30. M a i bis 6. Juni 1 Offizier, 11 Ma n n und 5 Pferde russische Infanterie, am 11. Juni 24 Ma nn uud 72 Pferde bad. Feld.-Art., am 12. Juni 2 Offiziere und 250 Mann preußische leichte Infanterie, vom 14.—29. Juni 1 Offizier, 153 Ma n n und 12 Pferde russische Infanterie. Für diese einquartierten Soldaten in der 1. Hälfte des Jahres 1814 hatte die Gemeinde zu liefern 207,44 Zentner Brot , 61 Zentner Fleisch, 61 Zentner Gemüse, 969 Liter Brantwein, 32 646 Liter Hafer, 261,20 Zentner Heu und 13,83 Zentner Stroh. Außerdem mußte vom 5. Jan. bio iZ. Juni in das Hilfsmagazin Edenkoben und zur Blockade Landau ge- liefert werden 216 Liter Bier, 4 ZZ4 Liter Branntwein, 114,29 Zentner Brot, 3 Kopfkissen, 8 Leintücher, 216 Liter Essig, 38272 Liter Hafer, ,4631 Kilo Heu, i8X» Klafter Holz, 86 Zentner Meh l und 4262 Bösen Stroh. Durch die Einquartierungen, besonders durch die Russen, die V3eib, Speck und Branntwein liebten, wurden die Bürger, besonders die F.auen sehr belästigt; die Lieferungen brachten der Gemeinde Schulden, die erst 1821 getilgt werden konnten. V3ein gab es in diesem Jahre nur wenig, er n>ar germg und kostete 125 Gulden.
 
 
 
 
 
I m Dezember mußten noch einmal 600 Rationen Fleisch, Brot , Gemüse, Salz und N5ein an kriegsgefangene Franzosen abgeliefert werden.
 
I m Jahre 1815 wurde auf dem Wiener Kongreß der Deutsche Bund gegtündet und damit Zollschranken eingeführt, die für die Folge dem Wein- bau verhängnisvoll wurden.
 
Es gab wenig aber sehr guten Wein, der 200 später aber 4Z0 Gul- deu kostete.
 
Der Winter 1815/16 war lange, von Ma r t i n i 15 bis Apr i l 16.
 
Am Zo. Apr i l wurde die Pfalz bayerisch und hieß nun Rheinbayern. Maiki»mmcr erhielt damit seinen vierten Landesherrn. Die Gemeinde ver- anstaltcle eine Feierlichkeit, zu der aus der Gemeindekasse 281,90 Frs. ge- geben wurden.
 

Version vom 20. Dezember 2020, 14:17 Uhr

Französische Zeit (Alsterweiler) beschreibt den Zeitraum von 1796/7 bis 1815/1816. Für diese Zeit galten in Alsterweiler die französische Verwaltung sowie die Gesetze des Code Civil.

Am 17. Oktober 1797 wurde der Friede zu Campo Formio geschlossen. Darin fand sich die geheime Bestimmung, das linke Rheinufer an Frankreich fallen zu lassen. "Es herrschte allgemein große Freude über den Frieden, eine Änderung der Verhältnisse war aber nicht zu merken."(Leonhardt (1928), S. 40)

Es traten die sogenannten Klubisten auf. Sie traten für Vereinigung der Pfalz mit Frankreich ein. In Alsterweiler ergab man sich eher stillschweigend in sein Schicksal. Am 4. November 1797 wurde der Generalkommissär für die Länder zwischen Rhein, Maas und Mosel ernannt. Die bisherigen deutschen Ämter wurden durch französische ersetzt. Die französische Gesetze wurden in den neuen Provinzen veröffentlicht. Damit waren die Rechte und Vorrechte des Adels und der Geistlichkeit beendet. Die Lehens- und Grundherrenschaft galt nicht mehr, der Gemeinsmann wurde Bürger im französischen Verständnis.

"Am 5. Dezember 1797 wurde der ganze Ort auf Befehl des Kapitäns Close nach Emigranten durchsucht, aber ohne Erfolg." (Leonhardt 1928), S. 40)

Zeitraum 1796—1816. Mit Beginn des Jahres 1798 war die administrative und rechtliche Neuordnung erstellt. Der Bischof von Speyer (sowie sein Hochstift) war beendet, Alsterweiler und Maikammer gehörten dem französischen Departement Mont Tonnere an. Darin lag das Arrondissement Spire, Kantonsort blieb vorläufig Kirrweiler. Später wurde es Edenkoben.

Am 20. Januar 1798 wurde die Verwaltung der Gemeinde den Bürgern Jakob Denier, Lambert Thormann, Jakob Frantz und Friedrich Frankmann übertragen.

Die Bürgermeister, welche die Gemeinderechnung führten, blieben bis zum Jahre 1804.

Am 23. Januar wurden die Beamten des Oberamts Kirrweiler entlassen. "Ein gewisser Nimis (abgefallener Kapuziner, der als Notar in Haßloch starb) wurde französischer Kantonsrichter" (Leonhardt (19289, S. 40).

Nach der weiteren Regelung der Gemeindeverwaltung wurde (in Maikammer Friedrich Schwarzwälder Agent und Emanuel Heilweck Adjunkt) in Alsterweiler Peter Adam Koch Agent und Friedrich Eisenbiegler Adjunkt.

Jetzt kam gleich eine Reihe von Befehlen vom Kantonsrichter. Versammlungen durften bis auf weiteres nicht mehr gehalten werden. Jeder Einwohner sollte für seine Kinder und sein Gesinde verantwortlich sein, den Vorgesetzten und Gesetzen bei Vermeidung der strengsten Strafe zu gehorchen.

Wegen Räubereien sollten Nachtpatrouillen durch das Dorf gehen. Fortdauernd wurde nach Personen gesucht, die durch ihre seitherige Stellung und durch ihr Verhalten das Mißfallen der neuen Regierung erregt hatten.

Laut Befehl vom 28. Februar 1798 mußten alle Personen die dreifarbige Kokarde, wie sie die französischen Soldaten trugen, bei Vermeidung einer Strafe von 8 Tagen Gefängnis tragen. Wer sie einem Bürger ab- reißen oder sie entehren sollte, würde vor den peinlichen Gerichtshof gestellt und nach der Schärfe des Gerichts gerichtet. Am 19. Juli 1798 wurde an Stelle des christlichen Kalenders der republikanische gesetzt. Schon am 31. März 1798 wurde zum erstenmal hier und Umgebung die Dekade als neuer Ruhetag bei Musik und Trommelschlag gefeiert. Die Feste des Herrn und der Heiligen wurden abgesetzt bis auf Weihnachten, Christi Himmelfahrt, Maria Himmelfahrt und Allerheiligen.

Auf Kreuzerhöhung am 14. September 1798 wurden alle Kreuze, auch das auf dem Kirchhof umgerissen, das Muttergottesbild über dem Portal der Kirche wurde mit Brettern zugemacht. Am Sonntag blieben alle Behörden in Tätigkeit und jede Arbeit konnte vorgenommen werden. Man tat es aber nur wenig, sondern ging zur Kirche, die Kinder aber mußten in die Schule. Weil so die französischen Beamten die Gefühle des eroberten Volkes wenig schonten, waren die meisten Bewohner nicht republikanisch gesinnt. Die seitherigen Münzen, Taler, Gulden, Batzen, Krenzer wurden mit Francs und Centimes vertauscht, was den Leuten, besonders den Frauen nicht zusagte. (alle Angaben Leonhardt (1928), S. 40ff.)

Referenzierungen

  1. a b Geschichte von Maikammer=Alsterweiler/Alsterweiler/26bis50#Seite_40/1