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Achder Frihschobbe

Aus Pfalz
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Siehe auch: Achder Frihschobbe, Brunnenkerwe ONLINE 2021, Club Sellemols, Dridder Frihschobbe, Erschder Frihschobbe… weitere Ergebnisse
Matthias Clemens Sigmund Dreyer, Club Sellemols beim Achten Frühschoppen im Innenhof der Kredenburg 2022.
Klaus Burkhart, Matthias Clemens Sigmund Dreyer beim Achten Frühschoppen im Innenhof der Kredenburg 2022.

Achder Frihschobbe (auch Achter Frühschoppen[anm 1]) ist Teil einer Veranstaltungsreihe Frihschobbe (Brunnenkerwe) des Club Sellemols. Der Frihschobbe wird von Matthias Clemens Sigmund Dreyer moderiert. Er findet jeweils am Brunnenkerwe-Sonntag, ab 11.00 Uhr im Hof der Kredenburg[1] statt.

Der Achte Frühschoppen ist den Grenzsteinen gewidmet. Als Gast konnte der Club Sellemols den Revierförster Klaus Burkhart begrüßen. Es waren etwa 100 Gäste gekommen.

Textentwurf

  • Historischer Hintergrund der Haingeraide und der Grenzsteine im Allgemeinen
  • Katasterkarte 1822/23
  • Typologie der Grenzsteine (Aufbau der Steine, Beschriftung, Jahreszahl, Weisung, Gesäß usw.)
  • Geschichten um die Grenzsteine / Vermessung, Aufstellung, Pritschen usw.
  • Situation in Alsterweiler (Maikammer) und Diedesfeld (als Anrainer) – Anzahl, gemeinsame Grenzen, Verlauf usw.
  • Handlungsbedarf – umgefallene Steine, entwendete…
  • Blick auf Kanzelkopf 1823 / 2023

Vortrag am 26.6.22

Der Vortrag wurde mit dem Gesprächspartner und Gast, Förster Klaus Burkhart, Forstamt Haardt gestaltet.

Begrüßung / Zuhörer / Klaus Burkhart

  • Historischer Hintergrund der Haingeraide und der Grenzsteine im Allgemeinen

Nur kurz anreißen. Stichworte: König / Klöster / erste urkundliche Hinweise aus dem 13. Jahrhundert auf das Genossenschaftswesen. Die Ableitung von König Dagobert – 8. Jahrhundert entbehrt Urkunden, lediglich Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert. Jedenfalls ergab sich durch Teilungen – Vasallen, Günstlinge des Königs, Erbschaften usw. – die Notwendigkeit, Grenzen zu kennzeichnen. Zunächst Lochbaum und natürliche Verläufe / Bäche Höhen später Steine – einen ersten urkundlichen Beleg gibt es für Viax von Oberstein bzw. seinen Vorfahren bei der Burg Wildenstein am Donnersberg für den Zeitraum des 15. Jahrhunderts. Der älteste erhaltene Grenzstein für Maikammer stammt aus dem Jahr 1580 (ich kenne zwei davon). Sie dienten der Teilung des Spielfelds, das ursprünglich eine Allmende war. Auf dem Stein ist das Wappen des damaligen Speyerer Bischofs zu sehen. Weitere Steine, ebenfalls mit dem Wappen des Bischofs bzw. der „von Hattstein“ sind für den Zeitraum des 18. Jahrhunderts erhalten. Auch das sind alles Grenzsteine (stehen in Privatgärten). Sie stehen aber nicht mehr an „nachvollziehbaren“ Grenzen. In der Regel dienten sie auch „nur“ kleinen Grundstückseinheiten, zeigten also persönlichen Grundbesitz an. Wesentlich war die Übernahme von Bayern durch die Pfalz und der Start der staatlichen Forstverwaltung in den Jahren 1814 bis 1816. Danach begann die Aufgabe der Teilung der Haingeraide, die im Jahr 1823 vollzogen war.

  • Warum war das notwendig aus forstlicher Sicht? / Burkhart.
  • Wie ging man dabei vor (Auszug aus den Ratsprotokollen nach Leonhardt/Damm/Treptow:

5.7.1820 St. Martin: Eingabe wegen Heidelbergel und Schraussental, welches Kirrweiler schon 18 Jahre nutzt und dort die Kastanien versteigert. Die übrigen Gemeinden, Maikammer und Diedesfeld, haben aus billiger Rücksicht darauf verzichtet, weil es auch zu weit vom Dorf abliegt. Könnte dies nicht auch Kirrweiler tun, welches ja noch weiter abliegt. St. Martin würde die Fläche mit Kartoffeln bepflanzen. 21.8.1820 Albert: Im Morscheberg fehlen verschiedene Grenzsteine. Die Anfertigung von Grenzstäben ist dringend nötig. Ein Grenzbegang mit Edenkoben ist anzusetzen. 27.8.1820 Revierförster Albert: Alsterweiler will wissen, wie es mit der Abgrenzung der Vorderberge steht, damit die Vermessung nicht aufgehalten wird. Soll umgehend geklärt werden. 4.9.1820 Albert: Bis 7. dieses Monats werden die Grenzsteine zwischen Edenkoben und der 5. Haingeraide gesetzt, ein Steinhauer ist mitzubringen. Auf weiten Strecken zwischen der Haingeraide und Hambach bis zur Archenbach sind keine Grenzsteine zu finden. Grenzkundige Leute sollen (eventuell mit Hambach) bestellt werden. 17.9.1820 St. Martin: 300 Morgen seien zu wenig vermessen! 19.2.1821 Landkommissariat Landau: Die alten Schulden der Haingeraide müssen zuerst bereinigt werden, vorher darf mit der Vermessung nicht begonnen werden. Zur Prüfung hierüber wird der Einnehmer Schmitt aus Landau bestimmt. 17.9.1820 St. Martin: 300 Morgen seien zu wenig vermessen! 19.2.1821 Landkommissariat Landau: Die alten Schulden der Haingeraide müssen zuerst bereinigt werden, vorher darf mit der Vermessung nicht begonnen werden. Zur Prüfung hierüber wird der Einnehmer Schmitt aus Landau bestimmt. 18.3.1821 Albert: Aus jeder Gemeinde wird ein Experte für die Vermessung gemeldet. Damit diese weitergehen kann, ist für nächsten Mittwoch 2 Uhr eine Besprechung der Experten festgesetzt, wobei auch die Tagesgebühren festgelegt werden. Jeder, der von dem zur Vermessung nötig gehauenen Holz wegnimmt, wird als Holzfrevler behandelt. 5.6.1821 Feldmesser (Philipp) Schaefer: Vermessungsgebühren-Angebot 10 Kreuzer pro Morgen. Wer bezahlt? 7.8.1821 Regierung Speyer: Die Vermessungsgebühren müssen festgesetzt werden. Zahlungen können vorderhand nicht geleistet werden, bis ein Resultat der Vermessung vorliegt. 17.5.1822 Landkommissariat Landau: Die Vermessungsstreitigkeiten zwischen Maikammer und St. Martin auf dem Breitenberg müssen beendet werden. 20.5.1822 Landau: Friedrich Eisenbiegler aus Alsterweiler wird zum Steinsetzer ernannt. 27.12.1822 Landau: Ab 1.1.1823 Ende der gemeinsamen Bewirtschaftung der 5. Haingeraide, da jeder Gemeinde ihr Teil zugewiesen ist, obwohl noch keine notarielle Urkunde erstellt worden ist.

  • Katasterkarte 1822/23

Für die Erstvermessung ist eine Originalkatasterkarte erhalten. Sie zeigt den Grenzverlauf und die Lage der Steine sowie die jeweilige Entfernung zwischen den Steinen. Der Plan wurde für die gesamte Haingeraide gefertigt, zeigt also auch die Steine von Diedesfeld, Kirrweiler und Sankt Martin. Wir können dem Plan sogar entnehmen, wer vermessen und wer gezeichnet hat.

  • Typologie der Grenzsteine (Aufbau der Steine, Beschriftung, Jahreszahl, Weisung, Gesäß usw.)

Grenzstein gebastelt, darauf sind alle wichtigen Merkmale enthalten – Erläuterung anhand eines Modelles und eines Bildes (Grenzstein Nr.173).

  • Geschichten um die Grenzsteine / Vermessung, Aufstellung, Pritschen usw.

Aus den Ratsprotokollen geht hervor, daß es einen Revierförster gab, der für die Organisation verantwortlich war. Gemeinsam mit Grenzkundigen Personen und dem „amtlichen“ Vermesser, der auch benannt wird, Philipp Schaefer ging es ins Gelände. Zunächst wurden Grenzstäbe gesetzt, geht ebenfalls aus den Ratsprotokollen hervor. Dann wurden die Steine gesetzt. Dazu wurde ein Steinsetzer benannt, das war Friedrich Eisenbiegler. Die Steine wurden beschafft – vor Ort geschafft und dort ausgemeißelt. Es ist anzunehmen, daß dies mittels Fuhrwerks geschah, an zentralen Stellen und von dort aus die Steine an die jeweilige Stelle geschleppt (mit einem Pferd?). Eine Grube wurde ausgehoben, das sog. Lager – wir wissen nicht, aber vermutlich eine sog. „Karotte“ gesetzt, ein Zeichen unter dem Stein, das den Standort markiert – der Steine nach der Beschriftung ins Lager abgelassen und eingebaut. Es gibt zwei Anekdoten aus Alsterweiler, die mit der Vermessung verbunden sind: Einmal der Waldmesser und der Gäsebart. Die Geschichten zeigen, wie verhasst die Forstbeamten waren. Der Eingriff in das Genossenschaftsrecht war gerade für den ärmeren Teil der Bevölkerung gravierend. Schließlich lebten sie in Notzeiten, also bei schlechten Ernten, zum großen Teil von den Früchten und dem Holz des Waldes.

Besondere Erwähnung sollte noch das Pritschen finden. Diese Art der „Gedächtnisstütze“ ist in Kaiserslautern für das Jahr 1514 belegt. Das zeigt das Motiv eines Notgeldscheins aus der Zeit der Inflation 1923 / Schein. Der Hintergrund des Pritschens war, daß jeder Bürger wusste, wo die Grenze seiner Gemeinde verläuft. Neubürger und junge Knaben wurden über die Steine gelegt und auf den Hintern geschlagen (gepritscht). Das sollte die Merkfähigkeit steigern, so daß der Grenzverlauf und die Steine präsent waren. Der Grenzumgang wurde von der Gemeinde durchgeführt, auch der Bürgermeister und die Ratsmitglieder nahmen daran teil.

  • Situation in Alsterweiler (Maikammer) und Diedesfeld (als Anrainer) – Anzahl, gemeinsame Grenzen, Verlauf usw.
  • Handlungsbedarf – umgefallene Steine, entwendete…
  • Blick auf Kanzelkopf 1823 / 2023 – 200-Jahr Feier im August 2023.

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Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

  1. Andere Feste in der Pfalz mit ähnlichem Namen: Kinnelsbrunnefeschd (Gommersheim)

Anmerkungen

  1. Die Zählung ist in der offiziellen Ankündigung etwas durcheinander geraten. Der siebte Frühschoppen war Bestandteil der Brunnenkerwe ONLINE 2021. Somit folgt jetzt der 8.

Zitate

Urkunden

Begriffe

Kategorien

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