Die Seite für Alsterweiler von Matthias C.S. Dreyer u.a.
Erich Eisfeld/Schriftgut
Bei dem Meteorologen auf der Kalmit. In: Pfälzische Heimatpost 1927, 14.05.1927 / Nummer 113 (Landauer Anzeiger)
…genau um 10 Uhr auf der Kalmit, wo eben der Meteorologe beim Kaffee saß; denn früher hat er keine Zeit; um ½ 8 hat er erstmals die Instrumente zu kontrollieren, dann um 9 Uhr, 1/2 3, ½ 5, ½ 10 Uhr. Alle diese Meldungen werden täglich nach München berichtet. Bei besonders schwierigen Wetterlagen, z.B. bei Sturm, Hagel, Nebel, Gewitter, wird der Flugplatz Mannheim durch Telefon benachrichtigt. Beim Ausgang aus dem Wohnraum ist das Barometer, hinter der Hütte, gegen Norden, steht das Wetterhäuschen, mit Drahtgitter umzäunt; hier befinden sich die Thermometer (für naß und trocken, Maximum und Minimum) mit den Aufschreibeapparaten und das Blechgefäß für die Niederschläge. Auf dem Turm der mit einer Tür verschlossen ist, sind die Instrumente zur Ermittlung der Windstärke und Windrichtung, der Sonnenscheinschreiber, der angibt, wie lange die Sonne scheint; mit einem Wolkenspiegel, der jedesmal mit hinaufgenommen wird, kann der Flug der Wolken, auch wenn er verschieden ist in höheren Regionen, abgelesen werden; - die Himmelsrichtungen sind am Rande des Spiegels angegeben. Für den Meteorologen, Herrn Eisfeld sind im unteren Hüttenraum zwei Zimmerchen eingebaut; sie sind sehr wohnlich. Arbeit gibt es so viel, daß die Pausen sehr kurz und Störungen durch Besuch zu vermeiden sind. Der Herr muß sich außerdem selbst kochen. Durch die vielen Beobachtungen (oft auch außergewöhnliche) und die damit verbundenen schriftlichen Arbeiten ist Herr Eisfeld sehr in Anspruch genommen; in seiner Einsamkeit gefällt ihm gut und die Zeit vergeht rasch bei der Arbeit. Täglich gegen ½ 10 Uhr morgens kommt ein Junge von Maikammer, der Proviant bringt, die Schriftstücke und Zeitungen besorgt und auch die Räume zu reinigen hat. Gestern waren Mädchenschulen von Kaiserslautern und Speyer hier; Sonntags ist es sowieso sehr lebhaft, so daß manchmal auch Abwechslung in die Eintönigkeit kommt, mehr als dem Herrn lieb ist. Heute Samstag erhält Herr Eisfeld Besuch von einer Behörde in München; auch kommt Geheimrat Dr. Mappes hierher und Regierungsdirektor Kramer mit Ministerialrat Mantel aus München, letztere zwei zur Besichtigung des Waldes auf dem Breitenberg.1
Korrespondenz mit Michael Georg Conrad / verwahrt in der Stadtbibliothek Monacensis München - MGCB 164
Schriftverkehr (vier Postkarten und ein Brief) von Erich Eisfeld an Michael Georg Conrad (seinen Onkel), München 1927 (verwahrt im Stadtarchiv München, unter Monacensia MGSC 164 / Nachlass Michael Georg Conrad. Dort sind auch Briefe von Maria Eisfeld zu finden (Verwandtschaft???). Weitere Briefe von Erich Eisfeld sind noch aufgetaucht und zwar mit Datum: 31.08.1926 (mit der Angabe Zugspitze / 20.10.27). / Wäre noch zu recherchieren bzw. zu bestellen.
Brief vom 26. Oktober 1927
Lieber Onkel Conrad! Ich habe die vergangenen Tage mehr als je zuvor nach München und alle dort zurückgelassenen Lieben gedacht. Jetzt habe ich hier die richtige Einsamkeit. Im Sommer war es ja gar keine. Dies Alleinsein läßt mir alles in München Erlebte in kräftigem Lichte erscheinen. Du erzähltest, wie Du Dich durch die Übertragung von Choralgesängen aus Nürnberg ganz an Ort und Stelle versetzt glaubtest und namtest auch die dort vorgetragenen Lieder, unter denen auch, wenn ich nicht irre „Ein feste Burg“ usw. Gerade diese Erzählung ist jetzt mit dem Deingedenken eng verknüpft und ist mir Kraft, wenn mich der Schmerz um meinen armen Bruder der heute 26 Jahre alt geworden wäre, überkommt. Und nun bekomme ich gerade heute Deine liebe Karte, für die ich Dir recht herzlich danke. Könntest Du doch einmal von meiner hohen Warte diese Herbstlandschaft sehen, die sich im buntesten Kleide zeigt! Wie Schachbretter tief unten die Weinberge hellgelb und dunkelrot und der Wald auf den Bergen noch abwechslungsreicher an Farben dazu dann die verschiedensten Himmelsfarben. Eine pflanzliche Seltenheit hat die (hier heißt „die“ Kalmit) Kalmit aufzuweisen: Auf ihrem Gipfel steht ein Mehlbeerbaum. Der hat Früchte, die an Form und Farbe der Hagebutte gleichen, aber zu vielen in Dolden beisammenstehen. Du kannst Dir wohl vorstellen, wie prächtig sich dieser Baum jetzt mit seinem Herbstlauf ausmacht! Dem Turmneubau wird er allerdings zum Opfer fallen müssen, denn einen voll ausgewachsenen Baum wird man nicht versetzen können. Durch meinen Radio hörte ich vor 8 Tagen die achte Symphonie von Beethoven, die mir, weil sie so wenig gespielt wird, noch ganz unbekannt war. Nachdem ich sie nun gehört habe, verstehe ich allerdings nicht, warum sie so stiefmütterlich behandelt wird. Sie hat soviel Heiteres, Befreiendes, und kommt damit der sechsten nahe. Vorgestern hörte ich Chopin=Musik. Kennst Du das Fis-Dur Nokturno op. 15 Nr.2? Unergründlich! Worte verblassen den Eindruck! Anbei ein Bildchen! Ein überraschtes Wild! Kennst Du diesen Mann mit dem Vogelkopf? (Die Nase ist der Schnabel!) In der Hoffnung, daß Dir diese Zeilen eine kleine Freude sein werden, grüßt Dich und Deinen getreuen Hausgeist herzlichst Dein Erich Eisfeld. An der Seite links: Recht gute Besserung!
Postkarte vom 9. November 1927
Lieber Onkel Conrad!
Die wunderschönen Herbsttage letzthin, die es sogar auf dem Kalmit=Gipfel gestatteten, bis tief in die Nacht im Freien zu sitzen, haben Dir sicher wohl getan. Beim jetzigen Wetter ohne Sonne seit 4 Tagen wird der Radio zum guten Freunde. Gerade hörte ich Bruckners 6te. Vor der steht man jedesmal neuerlich erschüttert von ihrer ewigen??? Schönheit. Es ist seit 600 Uhr nachm. bitter kalt geworden u. die Niederschlagsmenge der letzten 14 Std. beträgt 34,1 mm. Recht herzliche Grüße Dein Erich Eisfeld. Oben eingedruckt: Pfälzer Heimatbilder / Herausgegeben vom Pfälzerwald-Verein V.-A. / Mittelhambach und das Hambacher Schloß / von Mal Aug. Croissant / Wetterwarte Kalmit / 673,3 m über NN.
Unten: Bitte grüße auch deine getreue Pflegerin von mir.
Im Anschriftenfeld:
An
Herrn Dr.
Michael Georg Conrad
München 27
Ismaningerstr. 68II
Vorderseite der Ansichtskarte: Gemälde von Croissant, eine Ausgabe des Pfälzerwald-Vereins e.V.
Postkarte vom 19. November 1927
Lieber Onkel Conrad! Umseitig siehst Du die Hütte, in der ich wohne. Meine Räume liegen allerdings in der der Ansicht gegenüber liegenden Front. An Stelle dieser Hütte tritt nun bald ein 16m hoher Turmbau, in dessen zweiten Stockwerk die Warte untergebracht wird. Damit sitze ich dann stets über den Baumkronen und brauchte nicht mehr auf den Turm zu steigen, dessen Baufälligkeit schon aus dieser Ansicht hervorgeht. Wie steht es mit Deinem Befinden? Gut, daß Du nicht hier lebst???: Ich sitze schon tagelang im Nebel.
Im Anschriftenfeld: S.G. Herrn Dr. Michael Georg Conrad München 27 Ismaningerstr.68II Vorderseite der Karte: Ansicht der Kalmithütte, daneben der Turm mit Holzanbau und das Denkmal. Vor der Hütte sitzen zwei Personen auf einer Bank. Unten handschriftlich: Herzliche Grüße Dein Erich.
Postkarte vom 4. Dezember 1927
Lieber Onkel Conrad! Für Deine letzte Karte vielen herzlichen Dank. Ich holte mir sie selbst drunten in Maikammer. Ein Rauhreif schmückt jetzt meine Umgebung, der sich nicht beschreiben läßt. Dabei habe ich nun schon tagelang dichten Nebel um mich herum, der mich kaum über 50 m weit sehen läßt. Außer am Sonntag sehe ich fast keinen Menschen. Sonntags allerdings ist großer Betrieb. Man wird(?) aber damit ausgesöhnt durch den meist guten Gesang dieses fröhlichen Pfälzervölkchens. Dir und Deinem treuen Hausgeist recht herzliche Grüße Dein E. Eisfeld. Oben umgekehrt: Ergebensten Gruß ???. Links oben eingedruckt: Wetterwarte Kalmit / 673,3 m über NN Im Anschriftenfeld: Abs.: Eisfeld Post Maikammer Pfalz S.G. Herrn Dr. Michael Georg Conrad München 27 Ismaningerstr. 68 II Vorderseite der Karte / Erich Eisfeld vor einem englischen Wetterhaus [auf der Kalmit?].
Postkarte vom 10. Dezember 1927
Lieber Onkel Conrad! Aus gewohnter Samstagsrunde sende ich Dir heute herzliche Grüße. Umseitig siehst Du die Kalmithütte im Schnee. Über der Woche bin ich jetzt ständig mutterseelenallein, aber mein Radio verbindet mich mit aller Welt. Herzliche Grüße Dir und Deiner treuen Pflegerin Dein Erich Eisfeld. Frdl. Grüße Käthe Becker, Beste Grüsse H. Fath / Otto Rinder(???) An der linken Seite: Gruß Käthe Zimmermann. Im Anschriftenfeld: S. G. Herrn Dr. Michael Georg Conrad München 27 Ismaningerstr. 68II Vorderseite der Karte: Ansicht der Kalmithütte mit Turm und Denkmal im Winter (Schnee).
Korrespondenz mit NN Lichtenauer, Landau in der Pfalz
Postkarte vom 12. März 1930
Referenzierungen
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EC. (1927), Titel: Bei dem Meteorologen auf der Kalmit..
In: Pfälzische Heimatpost, (Hg.) (Herausgeber fehlt, bitte angeben.) Landau,
Seite: Seite_1
Schlüssel: Landauer Wochenblatt/Landauer Anzeiger#Seite_1
Zitat: Beim Ausgang aus dem Wohnraum ist das Barometer, hinter der Hütte, gegen Norden, steht das Wetterhäuschen, mit Drahtgitter umzäunt;.
Übertragung: …genau um 10 Uhr auf der Kalmit, wo eben der Meteorologe beim Kaffee saß; denn früher hat er keine Zeit; um ½ 8 hat er erstmals die Instrumente zu kontrollieren, dann um 9 Uhr, 1/2 3, ½ 5, ½ 10 Uhr. Alle diese Meldungen werden täglich nach München berichtet. Bei besonders schwierigen Wetterlagen, z.B. bei Sturm, Hagel, Nebel, Gewitter, wird der Flugplatz Mannheim durch Telefon benachrichtigt. Beim Ausgang aus dem Wohnraum ist das Barometer, hinter der Hütte, gegen Norden, steht das Wetterhäuschen, mit Drahtgitter umzäunt; hier befinden sich die Thermometer (für naß und trocken, Maximum und Minimum) mit den Aufschreibeapparaten und das Blechgefäß für die Niederschläge. Auf dem Turm der mit einer Tür verschlossen ist, sind die Instrumente zur Ermittlung der Windstärke und Windrichtung, der Sonnenscheinschreiber, der angibt, wie lange die Sonne scheint; mit einem Wolkenspiegel, der jedesmal mit hinaufgenommen wird, kann der Flug der Wolken, auch wenn er verschieden ist in höheren Regionen, abgelesen werden; - die Himmelsrichtungen sind am Rande des Spiegels angegeben.Für den Meteorologen, Herrn Eisfeld sind im unteren Hüttenraum zwei Zimmerchen eingebaut; sie sind sehr wohnlich. Arbeit gibt es so viel, daß die Pausen sehr kurz und Störungen durch Besuch zu vermeiden sind. Der Herr muß sich außerdem selbst kochen. Durch die vielen Beobachtungen (oft auch außergewöhnliche) und die damit verbundenen schriftlichen Arbeiten ist Herr Eisfeld sehr in Anspruch genommen; in seiner Einsamkeit gefällt ihm gut und die Zeit vergeht rasch bei der Arbeit.
Täglich gegen ½ 10 Uhr morgens kommt ein Junge von Maikammer, der Proviant bringt, die Schriftstücke und Zeitungen besorgt und auch die Räume zu reinigen hat. Gestern waren Mädchenschulen von Kaiserslautern und Speyer hier; Sonntags ist es sowieso sehr lebhaft, so daß manchmal auch Abwechslung in die Eintönigkeit kommt, mehr als dem Herrn lieb ist.
Heute Samstag erhält Herr Eisfeld Besuch von einer Behörde in München; auch kommt Geheimrat Dr. Mappes hierher und Regierungsdirektor Kramer mit Ministerialrat Mantel aus München, letztere zwei zur Besichtigung des Waldes auf dem Breitenberg.
Anmerkung: Wer sind die Herren: Geheimrat Dr. Mappes, Regierungsdirektor Kramer mit Ministerialrat Mantel aus München, letztere zwei zur Besichtigung des Waldes auf dem Breitenberg.
Schlagwort: Alsterweiler · Kalmit (Wetterwarte) · Wetterwarte (Kalmit) · Kalmit · Meteorologe
Quelle: Landauer Wochenblatt/Landauer Anzeiger
Erscheinungsjahr: 1927
Erscheinungstag: 14. Mai
Stufe: 6
Sammlung: Alsterweiler · Kalmit · Kalmit (Wetterwarte) · Wetterwarte (Kalmit) · Wetterwarte · Erich Eisfeld
LINK: Erich Eisfeld
Eine urn fehlt.
Eine PDF-Angabe fehlt.
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