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Jubiläen auf der Kalmit/Übertragung
HEINZ R. WITTNER Jubiläen auf der Kalmit
Vor 120 Jahren wurde auf dem höchsten Gipfel des Pfälzer Waldes der erste steinerne Aussichtsturm eingeweiht. 40 Jahre später entstand hier die erste bewirtschaftete Hütte der Pfalz.
[Handschriftlich neben der Überschrift auf S. 139: "PB"]
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[Schluß eines vorhergehenden, anderen Beitrags:] Die Bevölkerung wußte und spürte, daß die Wittelsbacher den Krieg haßten und innerlich ablehnten, so daß auch der Abschied des Königs von der Villa Ludwigshöhe und Edenkoben, der der letzte überhaupt werden sollte, ein herzlicher war. Nach der Verabschiedung am Edenkobener Bahnhof fuhr der König mit der Bahn über Neustadt nach Ludwigshafen zu einem eintägigen Besuch mit Besichtigung der Hafenanlagen, um dann über Aschaffenburg und mehrere Städte Unterfrankens die Heimreise nach München anzutreten. Eineinhalb Jahre später hielten ein französischer General und französische Truppen ihren Einzug auf Schloß Ludwigshöhe.
[Beginn des Wittner-Artikels]
Die Türme
Nach August Becker soll auf der Kalmit zu Napoleons Zeiten ein steinerner Turm mit einem optischen Telegrafen gestanden haben. Die Geschichte der Aussichtstürme beginnt jedoch erst mit dem Jahr 1866. Damals erteilte das Landcommissariat Landau der Gemeinde Maikammer die Erlaubnis zu einer Sammlung zum Bau eines Aussichtsturmes auf der Kalmit. Noch im gleichen Jahr ließ der Maikammerer Gastwirt F. K. Lederle auf dem Gipfel einen hölzernen Turm errichten, den er am 28. März 1868 seiner Heimatgemeinde für 12 Kreuzer verkaufte, die ihn abreißen ließ und das Material versteigerte. Im August 1867 stimmte der Gemeinderat dem Bau eines steinernen Turmes zu, für den ein Kostenvoranschlag in Höhe von 920 Gulden vorlag. Seine Einweihung am 30. August 1868 lockte Hunderte von Menschen aus der gesamten Umgebung auf den Berg. Dieser erste Turm war achteckig und hatte eine Höhe von zehn Metern. Während des Ersten Weltkriegs diente er der Luft- und Wetterbeobachtung. In den letzten Kriegstagen, am 1. September 1918, wurde das 50jährige Bestehen des Turmes ungewöhnlich feierlich begangen. Er war dabei mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Sein Ende war weniger rühmlich. In den 20er Jahren bekam er Risse, die sich rasch vergrößerten. Er sollte wegen Baufälligkeit abgerissen werden, blieb aber stehen, da er für die Wetterbeobachtung gebraucht wurde. Am 29. März 1928 stürzte er zusammen. Das frühere Hauptvorstandsmitglied des Pfälzerwald-Vereins, Emil Ohler, wußte darüber eine köstliche Geschichte zu erzählen: Die Herren des PWV-Hauptvorstandes waren wieder einmal auf der Kalmit, um über einen Turmneubau zu beraten. Da gesellte sich ein Lehrling zu ihnen und prahlte: „Mit äner Eisestang schmeiß ich den Turm allä um!". Sprachs, setzte eine Stange als Hebel an, und krachend stürzte das morsche Gemäuer in sich zusammen.
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Da zu diesem Zeitpunkt der Pfälzerwald-Verein bereits Pläne für einen Neubau vorliegen hatte, konnten noch im gleichen Jahr die Bauarbeiten in Angriff genommen werden. Im Sommer 1929 konnte der neue, 21 Meter hohe Turm mit einer Grundfläche von 49 qm eingeweiht werden. Als Untermieter zogen die Wetterwarte und die Polizei mit einem Sender ein. Der Turm kostete den Pfälzerwald-Verein die stattliche Summe von 100 000 Mark, die der Verein aus eigenen Mitteln, sprich Mitgliedsbeiträgen, aufbringen mußte. Während des Zweiten Weltkriegs diente er wieder militärischen Zwecken und verfiel nach Kriegsende der Beschlagnahmung durch die Alliierten. Im Spätjahr 1953 wurde er wieder dem Pfälzerwald-Verein übergeben, der ihn mit erheblichen Finanzmitteln wieder in einen brauchbaren Zustand versetzte. Seitdem ist auch wieder die Polizei als Untermieter im Turm ansässig.
Die Hütten
Eine Spende des 1835 in Speyer geborenen Heinrich Hilgard-Villard, der in den USA als Eisenbahnpionier und -direktor zu Ansehen und Geld gekommen war, ermöglichte den Bau der ersten Schutzhütte auf der Kalmit. Sie wurde 1882 durch den Pfälzischen Verschönerungsverein errichtet und an die Felswand an der Ostseite des Gipfels angelehnt, wo sich noch heute die gußeiserne Gedenktafel befindet. Der „Hilgard-Pavillon" war aus Gußeisen mit einem Blechdach und im Innern mit Tischen und Bänken ausgestattet. Wenige Wochen nach der am 25. Februar 1904 erfolgten Gründung der Pfälzerwald-Verein-Ortsgruppe Maikammer beantragte diese beim Bezirksamt Landau die Genehmigung zum Weinausschank auf der Kalmit. Am 30. Juni 1904 beschloß der Ortsgruppenvorstand, den Maikammerer Wirt Herrmann mit dem Ausschank zu beauftragen. Der Schoppen Wein kostete 50 Pfennige, wovon der Verein 5 Pfennige zum Bau eines Felsenkellers erhielt. Mit 20 Mark Eigenmitteln, wozu die Ortsgruppe Ludwigshafen 300 Mark zuschoß, begann im Sommer 1905 der Bau des Felsenkellers, der im Frühjahr des folgenden Jahres fertiggestellt war. 1905 stellten die Maikammerer Pfälzerwäldler bei ihrem Hauptvorstand den Antrag, einen Fond zum Bau eines Kalmit-Schutzhauses zu errichten. Am 3. Mai 1907 fand im Bürgerbräu in Ludwigshafen eine Versammlung zum Bau des Kalmithauses statt. Hier erfuhren die Mitglieder, daß der Fond bereits einen Bestand von 1 500 Mark aufwies und auch Spenden von Baumaterial zugesagt waren. Nun ging alles sehr schnell. Nach Beendigung der Industrie- und Gartenbau-Ausstellung in Mannheim konnte der Pfälzerwald-Verein Ludwigshafen im Spätjahr 1907 ein dort ausgestelltes Blockhaus („Schwarzwaldhaus") zum günstigen Preis von 1 400 Mark erwerben. Es hatte eine Grundfläche von 120 qm und besaß die Außenmaße 7 x 17,5 Meter. Der Transport auf den Gipfel bereitete besondere Schwierigkeiten, schließlich gab es weder eine Straße auf die Kalmit noch die heute üblichen Transportmittel. Am 7. Dezember 1907 stimmte der Gemeinderat Maikammer dem Antrag zur Errichtung einer Hütte auf der Kalmit zu. Im Frühjahr 1908 wurde sie dann aufgebaut. Bei strahlendem Frühlingswetter und prächtiger Fernsicht wanderten am 26. April 1908 von allen Seiten Scharen von Wanderern auf den Gipfel, um bei der offiziellen Einweihung der ersten bewirtschafteten Hütte in der Pfalz mitzufeiern. Die Gesamtkosten (Kaufpreis, Transport und Aufstellung) beliefen sich auf 9 000 Mark. Der Grund und Bo- [Fortsetzung auf S. 141]
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[Abbildung] Pfälzerwald-Verein-Postkarte: Kalmit, Hütte und Turm im Jahr 1910. – Fotos: der Verfasser [Auf der abgebildeten Postkarte handschriftlich: "16.5.10" sowie eine weitere, schwer lesbare Notiz, u. a. "Ludwigshafener Hütte auf der Kalmit, 673 m"]
den, auf dem die Ludwigshafener Hütte errichtet wurde, hat die Gemeinde Maikammer den Ludwigshafener Pfälzerwäldlern geschenkt. Den Antrag, eine größere Fläche auf dem Gipfel im Grundbuch vormerken zu lassen, lehnte der Gemeinderat im März 1909 ab. Im Ersten Weltkrieg diente die Hütte den Soldaten als Unterkunft, die auf dem Turm die Luftbeobachtung versahen. In den 20er und den beginnenden 30er Jahren erfuhr die Hütte durch An- und Umbauten mehrfach Veränderungen. Ihren Blockhauscharakter hatte sie schon längst verloren, obwohl das alte Blockhaus immer noch den Kern darstellte. Zudem bezog die Landeswetterwarte zwei Zimmer als Untermieter. 1928 wurden vom Pfälzerwald-Verein die Pläne für ein großzügiges Höhenhaus der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Verwirklichung dieses Vorhabens stieß auf finanzielle Hürden und mußte immer wieder verschoben werden. Der Zweite Weltkrieg brachte wieder militärische Einquartierung. Da die Soldaten überwiegend aus Maikammer stammten, überstand das Haus den Krieg in recht gutem Zustand. Nach Kriegsende wurde es von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Nach zahlreichen, recht mühevollen Vorstößen gelang es im Spätjahr 1953, das Haus wieder frei zu bekommen. Doch es war so verwahrlost, daß es seinem ursprünglichen Zweck nicht mehr dienen konnte. Trotzdem richtete der Pfälzerwald-Verein wieder einen provisorischen Hüttendienst ein, und die Wanderer genossen es geradezu, die Kalmit wieder als Wanderziel auswählen zu können. Nachdem der Pfälzerwald-Verein Ludwigshafen vom Besatzungskostenamt eine Entschädigung erhalten hatte, konnte die alte Hütte abgerissen und 1957 das neue Kalmithaus eingeweiht werden. Im Pfälzerwald gab es nunmehr ein repräsentatives, sich [Fortsetzung auf S. 142]
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gefällig in die Umgebung einfügendes Wanderheim, das sich in den folgenden Jahren zu einem der meistbesuchten Wanderstützpunkte entwickelte. Am 14. Oktober 1981 – es war ein Mittwoch – traf am späten Vormittag den Pfälzerwald-Verein ein schwerer Schlag. Der vordere Teil des Kalmithauses wurde durch eine Gasexplosion vollkommen zerstört. 14 zum Teil Schwerverletzte waren zu beklagen. Zum Glück im Unglück gab es keine Toten. Ein Spendenaufruf fand ein überraschend gutes Echo. Schnell und noch schöner und zweckmäßiger als zuvor entstand das Kalmithaus neu und dient wieder wie eh und je als Wanderstützpunkt.
[Abbildung] Kalmithaus und Turm zu Beginn der 60er Jahre [Abbildung] Jetziges Kalmithaus und Turm
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