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Das Ende der Emailfabrik in Maikammer und der Bau der Kalmitstraße/Übertragung

Aus Alsterweiler
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Die Emaillier- und Stanzwerke vormals Gebrüder Ullrich, wie sich die Firma nannte, hatten nach der Inflation 1923 langsam an Stabilität gewonnen, doch die Weltwirtschaftskrise 1928 hat ihnen den Todesstoß versetzt. Sie gingen in Liquidation, es wurde alles verkauft, was noch an Vermögen vorhanden war. Zuerst die noch verbliebenen Waren, dann die Einrichtungen; die Betriebsgebäude zwischen Hartmann- und Friedhofstraße wurden abgebrochen und jeder Backstein verkauft. Sieben Einzelhäuser wurden an Privatleute verkauft. Die Wohnungen auf der westlichen Seite der Schloßstraße wurden meistens von ehemaligen Betriebsangehörigen erworben. Das Haus Hartmannstraße 52 (Ecke Schloßstraße) wurde von dem damaligen katholischen Pfarrer von Maikammer, Prälat Franz Eichenlaub, erworben, von ihm umgebaut zu einem Altersheim und der katholischen Kirchenstiftung vermacht. Seine Schwester, Frau Willmann (Witwe), verkaufte ihre Weinberge, um eine Zentralheizung einzubauen. Nun lag die große Fläche, auf der noch vor einigen Monaten Produktionsgebäude standen, öde und häßlich da, nur die hohen Kamine ragten geisterhaft gen Himmel. Sie wurden am 18. April 1931 von ehemaligen Pionieren aus Speyer gesprengt, wobei der Verfasser und viele Bürger wehmütig und betroffen diesem schauerlichen Ereignis zusahen.

[Abbildung: Briefkopf der Firma mit Fabrikansichten und Marke "U": SOCIÉTÉ ANONYME DES TÔLERIES ET EMAILLERIES, ANCIENNE MAISON ULLRICH FRÈRES, MAIKAMMER (PALATINAT) – MARQUE DÉPOSÉE]

Das ganze freie Gelände wurde von Pfarrer und Prälat Eichenlaub erworben, es sollte als Sportplatz für die DJK (= Katholischer Jugend-Sportverband), welcher damals sehr stark war, angelegt werden. Mit dazu erworben wurde der westliche, langgestreckte Bau für ein Jugendheim. Am 29. Mai 1933 wurde der Sportplatz unter großer Beteiligung der katholischen Jugend aus nah und fern eingeweiht. Kurz danach wurden alle katholischen Vereine durch die Nazis aufgelöst und verboten.

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[Abbildung] Fabrikschornsteine umgelegt, 1932.

Der Konkurs der Fabrik war für Maikammer und besonders für die dort Beschäftigten ein schwerer Schicksalsschlag. Viele Arbeiterfamilien waren ohne Verdienst, schwere Zeiten standen ihnen bevor. Um ihnen wieder zu einer Eingliederung in den Arbeitsprozeß zu verhelfen, wurde – nach langen Verhandlungen – der Bau der Kalmitstraße von der Gemeinde endgültig geplant und beschlossen mit der Hoffnung, daß dieses Vorhaben auch verwirklicht werden könne. In der Fabrik und den Filialen waren bis zu 1 000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Als Geheimrat Franz Allmaras, ein Sohn unserer Gemeinde, in seinem Wohnort Berlin von diesem Vorhaben hörte, teilte er mit, daß er mithelfen werde, die Genehmigung für das Unternehmen zu erreichen; in diesem Falle würde er die Planung und Bauleitung unentgeltlich übernehmen. Er hat persönlich mit den maßgebenden Stellen in Berlin verhandelt und dazu die fachlichen, technischen Unterlagen gefertigt. Durch die frühzeitige Vorlage aller erforderlichen Unterlagen mit den entsprechenden Begründungen der Gemeindeverwaltung hatte die Angelegenheit Aussicht auf Erfolg. Die Genehmigung wurde auch erteilt, und am 15. April 1930 konnte mit dem Bau begonnen werden. Es durften nur Erwerbslose und Wohlfahrtsempfänger beschäftigt werden. Sie erhielten als Stundenlohn 39 Pfennige, was einen Wochenlohn von 8,90 Mark ergab. (Dies wurde am 20. Februar 1974 von dem damaligen 85jährigen Fritz Christmann, einem der letzten noch lebenden Arbeiter auf der Kalmitstraße, bestätigt.) Neben der Regierung der Pfalz in Speyer war das Landesarbeitsamt in München zuständig. Der Plan einer Straße zur Kalmit hatte zwei Beweggründe, wobei der erste der wichtigste war: Einmal mußte nach dem Konkurs der Fabrik vormals Gebrüder Ullrich eine neue Beschäftigung für die ca. 400 Arbeitslosen gesucht werden, und zwar auf längere Zeit. [Fortsetzung auf S. 152]

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Zum anderen wäre die Straße, wenn sie wirklich gebaut werden könnte, eine der schönsten Straßen im Pfälzerwald und von großer Bedeutung für den Fremdenverkehr. Wenn aber die Gemeinde Maikammer aus Gründen der sozialen Fürsorge für ihre arbeitslosen Bürger den Bau der Kalmitstraße aufgriff und betrieb, so muß man schon den Mut bewundern, diese große Belastung in Zeiten schwerer wirtschaftlicher Krise im Deutschen Reich noch zusätzlich auf sich zu nehmen. Die Wohlfahrtsunterstützung für die ausgesteuerten Arbeitslosen war die dritte Versorgungsart; sie war von der Gemeinde allein zu tragen. Dieses für die Wohlfahrtsunterstützung auszugebende Geld würde beim Bau der Kalmitstraße in produktive Arbeit umgesetzt und nutzbar gemacht werden. Alle verfügbaren Kräfte sollten eingesetzt werden, um mit den zuständigen Behörden in Verbindung zu treten, damit die Straße als Notstandsmaßnahme gebaut werden könne. Die Gemeinde wußte, daß dies ein kühnes Unternehmen war. Die Not der Zeit mit all ihren bedrückenden Begleiterscheinungen für Gemeinde und arbeitslose Bevölkerung gebot Mut, Ausdauer und Bereitschaft zur Übernahme weiterer Verantwortung. Die Gemeinde versäumte nie, auf die überörtliche Bedeutung der Straße hinzuweisen. Die Schaffung solcher Straßen kann nicht allein Aufgabe einer Landgemeinde sein, zumal die Straße dem ganzen Land zugute kommt. Es wäre die Aufgabe der Landesregierung, die Gemeinde Maikammer beim Bau der Kalmitstraße finanziell zu unterstützen. Solche und ähnliche Argumente gingen bis zu den höchsten Stellen.

[Abbildung, Fotograf: Franz Schmitt(?)] Die Kalmit im Winter 1921 mit Hütte, altem Turm und Denkmal mit der Inschrift: Maximilian-Josef I. König von Bayern. Im 25. Jahre seiner sehr berühmten und gerechten Regierung haben dieses Denkmal errichtet für die Treue, Frömmigkeit und Dankbarkeit die friedliebenden Bürger von Maikammer-Alsterweiler im Jahre 1824.

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[Abbildung] Ehemals Arbeitslose beim Bau der Kalmitstraße 1931/32.

Der Bau der Kalmitstraße wurde durch das Landesarbeitsamt in München als Notstandsmaßnahme anerkannt und genehmigt. Mit großer Erleichterung und Befriedigung wurde diese Nachricht von der Gemeinde Maikammer zur Kenntnis genommen. Mit den Arbeiten wurde umgehend begonnen. Der Kalmitstraßenbau war ein schwieriges Unternehmen, mußte doch alles in schwerer Handarbeit verrichtet werden. Baumaschinen gab es damals für derlei Arbeiten nicht. Die Erdbewegungen wurden mittels Feldloren durchgeführt, sie wurden von den Arbeitern gedrückt und geschoben. Die einzige Maschine war eine Dampfwalze, die wir auf unserem Bild in der Haarnadelkurve oberhalb des heutigen Waldhauses Wilhelm sehen. Trotz großer Schwierigkeiten gingen die Arbeiten gut voran. Im Winter 1932 war die Trasse soweit fertig, daß am 15. Februar 1933 der Gemeinderat schon die Lieferung von 3400 m³ Schotter zum Einbau in Auftrag geben konnte. Der Fleiß der an der Straße beschäftigten Arbeiter und ihre Bereitschaft, täglich wieder an die mühevolle Arbeit zu gehen, haben den verhältnismäßig frühen Termin des Schottereinbaues ermöglicht. Hin und wieder mußten die Arbeiten unterbrochen werden, einmal machte die Finanzierung Sorge oder das Geld traf nicht rechtzeitig ein, zum anderen behinderte schlechtes Wetter die Arbeiten. Als Handwerker waren nur zwei Maurer und ein Schmied am Straßenbau beschäftigt, alle anderen Männer (bis zu 100) waren ungelernt und mußten sich erst einarbeiten. Für viele war es eine ungewohnte Tätigkeit. Die gute Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde (Bürgermeister Dr. Wolf), der Gemeindeverwaltung (Oberinspektor Spatz) und Geheimrat Allmaras als Bauleiter brachte einen zügigen Fortgang der Bauarbeiten.

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Auf Anregung von Geheimrat Allmaras wurde mit Erfolg bei der Landesregierung Antrag auf Übernahme der Kosten für den Schotter gestellt. Ebenso erreichte man beim Straßenbauamt die Gestellung der Dampfwalze und des Wasserwagens mit Zuggerät und Bedienung. Die Privatwaldbesitzer haben die benötigte Fläche kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Transport von 3400 m³ Asphaltschotter vom Bahnhof Maikammer zur Baustelle war noch ein schwieriges Problem. Es wurde durch die Bereitwilligkeit der Fuhrwerks- und Lastwagenbesitzer gut gelöst. Die Abschluß- und Einstreudecke wurde vom 16. Oktober 1935 bis März 1936 aufgebracht. Es ist zwischenzeitlich erwiesen, daß alle Straßenbaumaßnahmen zur Kalmit erforderlich waren. Sie haben unseren Heimatberg besonders aufgewertet. Die Straße ist heute nicht mehr wegzudenken. Die Kalmitstraße wurde am Sonntag, den 6. Juni 1937 eingeweiht und durch die Gemeinde Maikammer dem Verkehr und der Öffentlichkeit übergeben. Am Ende seiner Abhandlung schreibt Geheimrat Allmaras am 10. Oktober 1931 im "Bezirksanzeiger" Maikammer, Verlag Heinrich Schreck: "Die Maikammerer sind stolz auf ihren Heimatberg, die Kalmit. Aus diesem Empfinden heraus erklärt sich auch, daß sie trotz der schweren und trostlosen Zeit die Straße auf den Berg bauen und daß in der Gemeinde immer wieder das große Interesse am Fortgang der Bauarbeiten Allgemeingut ist." Die Kalmitstraße wurde am 6. Dezember 1963 zur Landesstraße Nr. 515 durch die Landesregierung erklärt, damit entfielen die Straßenunterhaltungskosten für die Gemeinde Maikammer. Ein langgehegter Wunsch der Gemeinde ging damit in Erfüllung.

[Abbildung] Bau der Kalmitstraße 1933/34.

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[Abbildung] Bau der Kalmitstraße.

In Anbetracht der großen Verdienste, die sich Geheimrat Allmaras um die Gemeinde Maikammer erworben hat, ernannte ihn der Gemeinderat in seiner Sitzung am 1. September 1952 zum Ehrenbürger. Im Jahre 1962 hat die Gemeinde am Beginn der Kalmitstraße ihm zu Ehren einen Gedenkstein errichtet, die "Allmaras-Ruhe", mit folgender Inschrift: "Unter Bürgermeister Dr. J. C. Wolf plante und erbaute in den Jahren 1931 bis 1933 Geheimrat Franz Allmaras, Ehrenbürger der Gemeinde Maikammer, die Kalmitstraße. In dankbarer Erinnerung die Gemeinde Maikammer 1962." Schon Ende der 50er Jahre zeigte sich, daß der Gipfelweg auf die Kalmit den Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Der Weg war viel zu schmal und abschüssig. Er war durch den Regen stark ausgewaschen und zu Beginn der 60er Jahre eine Gefahr für die Benutzer. Das Material für den Bau der Hütte nach dem Zweiten Weltkrieg wurde oft unter Lebensgefahr auf den Gipfel gebracht. Die notwendigen Versorgungsfahrten konnten nicht ohne Bangen durchgeführt werden. Die Sorgen um die Haftung bei einem Unfall ließen auch die Gemeinde nicht ruhen, eine Lösung zur Beseitigung dieser Gefahren zu suchen. Den Bemühungen des Bürgermeisters Damm ist es zu verdanken, daß sich die amerikanische Besatzungsmacht für den Gipfelweg interessierte. Durch die Vermittlung von Bürgermeister Kluding, Landstuhl, und Herrn Major König vom Standort Landstuhl ist es möglich geworden, die amerikanische Pioniereinheit (Ingenieurkompanie) aus Karlsruhe für den Ausbau des Gipfelweges zu gewinnen. Dieser Ausbau wurde mit übergroßen Baumaschinen und 30 Soldaten vorgenommen. Über 200 Sprengungen mußten durchgeführt werden. Den Sprengmeister stellte die Gemeinde: Förster Paul Lorch, Breitenstein, ein Mann mit der Sprengmeisterprüfung, führte diese Arbeiten mit großem Sachverstand unfallfrei aus.

Seite 156 (oben: Schluß des Damm-Artikels)

Als die Trasse soweit vorbereitet war, wurden im Non-Stop-Verfahren 570 m³ Schotter aufgebracht. Der Transport wurde von den Amerikanern unentgeltlich durchgeführt. Zur Kontrolle und zur Überwachung landeten am Mittwoch, dem 21. Oktober 1964, zwei Hubschrauber auf dem Parkplatz der Kalmit mit den Vorgesetzten der Soldaten. Als dankbare Geste für die hervorragende Unterstützung gab die Gemeinde Maikammer für das amerikanische Kommando ein Abschlußessen in der Wirtschaft Ernst Kerner. Ein Weinpräsent für den nächsten Kameradschaftsabend wurde überreicht. Der Ausbau des Gipfelweges war die Voraussetzung, daß die großen Bauprojekte wie die Postbauten sowie der Hüttenbau des Pfälzerwald-Vereins Ludwigshafen überhaupt ins Auge gefaßt werden konnten. Für die Unterhaltung des Gipfelweges haben sich die Bundespost, das Amt für Verteidigungslasten und der Pfälzerwald-Verein Ludwigshafen in einem Vertrag verpflichtet.

[Handschriftliche Notizen auf S. 156/157: "PB", "(2)", "Rev. 9476/11", "Rev. 15954/11"]

[Aufgeklebter Literaturvermerk (Stempel/Zettel):] [Verf.:] Damm, Johannes [Titel:] Das Ende der Emailfabrik in Maikammer und der Bau der Kalmitstraße [Quelle:] Südliche Weinstraße: Heimat-Jahrbuch d. Landkreises Südl. Weinstraße. - 11.1989 (1988), S. 150-156 [Erscheinungsjahr:] 1989