Schloss Černíkovice

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Das Schloss steht am Ortsrand und ist nicht zu besichtigen.
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Das Schloss Černíkovice (okres Rychnov nad Kněžnou) ist ein klassizistischer Bau in der Gemeinde Černíkovice Nummer 1 (ehemals Grünau, Kreis Reichenau an der Knieschna)[1].

Entstehung

Das Schloss wurde im Zeitraum 1822 bis 1825 nach den Plänen des Architekten Heinrich Koch (1781) geplant und gebaut.[2] Das Schloss ist von einem Zweig der Familie Kolowrat (altes böhmischen Adelsgeschlecht), nämlich den 'Kolowrat-Libštejnský' (Graf Franz Anton von Kolowrat-Liebsteinsky (tschechisch František Antonín Kolovrat-Libštejnský)[3] errichtet worden. Graf Franz Anton war verheiratet mit Maria Rosa Prinzessin Kinsky[4]. Über diese Familienbande ist wohl auch die Aufmerksamkeit auf den Architekten Heinrich Koch (1781) gelenkt worden.

Baustil

Der Bau ist eine Winkelanlage. Das Gelände ausnutzend erreicht sie im westlichen Teil zum Fluß Belá hin fast drei Geschoße (Kellergeschoß über Bodenniveau). In die Winkelanlage ist zusätzlich von Norden her ein Gebäudeteil eingeschoben, das wohl wirtschaftlichen Zwecken diente (Kamin, großes Fenster und Wassergraben).

Die Hofansicht zeigt zwei Vollgeschoße und ein Walmdach. In das Dach sind kleine Gauben eingelassen.

Auffallend tritt die untere Fenstergestaltung hervor. Die Öffnungen sind von zwei angedeuteten Säulen und einem Dreiecksgiebel gefasst. Diese Betonung des Erdgeschosses durch einzelne Strukturelemente (Fensterlaibung, Fensterabschluss) verwendet Heinrich Koch (1781) in abgewandelter Form auch an anderen Gebäuden[5]. Das Format der Fenster ist im nördlichen Winkelteil stark verändert. Dies könnte am Geländeverlauf liegen (leicht ansteigend), könnte aber auch ein Hinweis auf einen Vorgängerbau an dieser Stelle sein. Im Gegensatz zu den "stehenden" Fensten im "Haupttrakt" entsteht hier eine fast quadratische Form. Unabhängig davon sind die Brüstungen und Gewänder exakt im Stil des Haupttraktes ausgeführt.

Im Obergeschoß sind die Fenster schmucklos in die Fassade eingestellt. Sie werden lediglich noch durch eine Fensterbank optisch aufgewertet. Die Kellerfenster der Südseite werden von einem über dem Fenster stehenden Gesims begleitet.

Die Gartenansicht ist mit zwei Balkonen bestückt. Eine Einbindung in die Fassade gelingt Heinrich Koch jedoch nicht. Durch die kurzen Abstände zu den Fenstergiebeln wirken die beiden Balkone als Fremdkörper im Fassadenbild.[6]

Die gesamte Fassade wird zum Dach hin durch ein umlaufendes, schlicht gehaltenes Gesims abgeschlossen.

Pläne

Pläne sind nicht bekannt.

Gesamtanlage

Das Haus wird von einer großzügigen Parkanlage umgeben. Sie endet heute an einer Mauer bzw. einem Zaun im Norden. Aufgrund der Gestaltung des näheren Umfeldes darf davon ausgegangen werden, dass auch weiter nördlich liegende Waldteile eingebunden waren. Zum Haus gehörte auch eine Teichanlage und nach Norden angesetzt ein Wirtschaftseil (Mühle?). Reste des Teichs und eines Wassergrabens sind im Park zu sehen. Von dem oberhalb gelegenen Teich, für den Wasser aus dem Flüßchen Belá entnommen wird, führt der Graben zum Schloss. Die Einlaufbauwerke sind noch zu sehen. Das Wasser hat wohl ein Rad (nicht mehr vorhanden) betrieben. Der Park gehörte zu den schönsten Anlagen in Böhmen[7].

Der Besitz erstreckte sich wohl auch über das Gewässer hinweg. Jenseits (im Süden des Schlosses) stehen einige Wirtschaftsgebäude, die eindeutig dem Herrenhaus zuzuordnen sind. Dort ist auch das Wappen der Kolowrat über dem Eingang angebracht. Das Stammwappen der Herren von Kolowrat ist ein blaues Schild mit einem silber-rot gespaltenen Adler, der eine goldenen Feder auf der Brust trägt. Im 15. Jahrhundert erscheint auf dem Hals des Adlers eine goldene dreiblättrige Krone. Der Adler des Kolowrat-Geschlechts hat sich im Verlaufe der Jahrhunderte nicht wesentlich verändert und gehört zweifelsfrei zu einem der ältesten böhmischen Wappen[8]. Der Zweig Kolowrat-Krakowský behielt die ursprüngliche Form des Adlers bei, die Linie 'Kolowrat- Libštejnský' fügte im Jahre 1624 das österreichische Bindenschild auf der Brust des Adlers hinzu. Und so ist es auch am Wirtschaftsgebäude anzutreffen.

Im Westen der Schloßanlage, außerhalb der Umzäunung zieht eine kleine Allee zum nahe gelegenen Friedhof mit Kapelle. Dort verweist eine Wandtafel auf den Komponisten aus der Familie Kolowrat-Krakowskeho-Liebsteinsky. Es darf insofern angenommen werden, dass auch dieser Teil des Hügel in die ehemalige Gartenanlage einbezogen war.

Heutige Nutzung

Das Gebäude ist ungenutzt. Die Wirtschaftsgebäude sind bewohnt. Die Parkanlage wird geringfügig gepflegt.

Lage

Das Schloss liegt am nördlichen Ufer des kleinen Flusses Belá, östlich der Straße mit der Nummer 3205. Die Talaue des Flusses war wohl vollständig in der wirtschaftlichen Nutzung des Schlosses. Dazu zählen der Teich sowie die Parkanlage.


Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

  1. Die Anwesen in der Gemeinde sind nicht nach Straßen sortiert sondern mit eins beginnend durchnummeriert.
  2. Quelle: (http:) //www.soupispamatek.cz/arl-kcz/cs/detail-kcz_un_auth-0006298-Zamek-cernikovice/
  3. Lebensdaten gem. wikipedia.de (* 31. Januar 1778 in Prag; † 4. April 1861 in Wien) war tschechischer Adeliger und österreichischer Staatsmann, der als gemäßigt Liberaler zum Gegenspieler von Fürst Metternich auf dem Wiener Kongress wurde, obwohl beide das österreichische Kaiserreich vertraten. Kolowrat war Mitglied des Regentschaftsrates für Kaiser Ferdinand I.Franz Anton Kolowrat von Liebstein) errichtet worden. Der Zugang erfolgte über die Straße und führte wohl in den Innenhof der Anlage. So ist es auch auf einer alten Ansicht des Schlosses zu sehen.
  4. Wurzbach, Constantin (1864) Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich: Zwölfter Teil Klacel - Korzistka (1864), Seite 395
  5. siehe dazu Palais Clam-Gallas. Dort kommt dieses Stilelement in fortentwickelter (vereinfachter) Form vor.
  6. Anmerkung Matzinger: Balkone dieser Art finden sich an anderen Gebäuden des Architekten nicht. Er verwendet statt dessen eingeschossige Gebäudeanbauten (siehe dazu: Schloss Károlyi (Fehérvárcsurgó)), die einen Zugang vom zweiten Geschoß haben. Dies ermöglicht es ihm, jeglichen Eingriff in die harmonisch ausgebildeten formstrengen Fassaden und damit Wirkungen der Gebäude zu vermeiden.
  7. Wurzbach, Constantin (1864) Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich: Zwölfter Teil Klacel - Korzistka (1864), Seite 394
  8. Wurzbach, Constantin (1864) Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich: Zwölfter Teil Klacel - Korzistka (1864).

Anmerkungen

Zitate

Urkunden

Begriffe

Kategorien

Schloss Černíkovice gehört den Kategorien an: Werkverzeichnis Heinrich Koch, Bauten Kolowrat-Liebsteinsky

Matzinger sagt: Letzte Überarbeitung der Seite 28.02.2016. Alle Rechte der Seite bei ©Matthias C.S. Dreyer. Der Name dieser Seite lautet: Schloss Černíkovice. Nutzen Sie zur Zitierung für ihr Werk folgende vollständige Angabe: http://www.alsterweiler.net/wiki/Schloss Černíkovice ©Matthias C.S. Dreyer /abgerufen am 24.09.2018 ↑...Seitenanfang