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Phänologisches Beobachtungsfeld (Kalmit)

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Phänologisches Beobachtungsfeld (Kalmit) (auch: pflanzenklimatischer Versuchsgarten1, pflanzenklimatisches Versuchsfeld) war ein Pflanzgarten mit Weinberg1 auf dem Kalmitgipfel zur Beobachtung klimatischer Effekte auf Pflanzen. Das Feld wurde im Jahre 1932 von Karl Sonntag[lit 1], dem damaligen Wetterwart der Kalmit, angelegt.

© Sonntag, Karl, 1932. Das Kalmitobservatorium, Abbildung Nummer 6. Siehe dazu: Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler

Vorlauf

Bereits im Jahre 1921 bestand die Absicht (der bayerischen Landeswetterwarte), ein Versuchsfeld in der Pfalz anzulegen. "...für den erweiterten Pflanzenschutz notwendigen meteorlogischen Versuchsfeldes, das zunächst auf etwa zehn Jahre in die Pfalz verlegt werden soll, hat der bayer. Landtag durch die Gewährung der Mittel für Anstellung eines Meteorologen auf Dienstvertrag seine Zustimmung gegeben."[zit 1] Zudem wurden Haushaltsmittel für das Jahr 1922 veranschlagt. Unter anderem sollten aus der Forstverwaltung 23.000 Mark eingestellt werden[1].

Lage

Das Feld lag etwa 200 Meter nordwestlich von Kalmitturm (1929) und Kalmithaus. "Bei der Auswahl des Meßortes wurde Rücksicht darauf genommen, daß Rauch und Kamingase keine Fälschung der Ergebnisse bewirken konnten. Aus diesem Grunde wurden die meisten Messungen im phänologischen Beobachtungsfeld des Observatoriums durchgeführt, das 200 m nordwestlich vom Turm und Hüttenwirtschaft entfernt liegt und in der Mehrzahl der Fälle wegen der vorherrschenden westlichen Luftströmungen unbeeinflußt bleibt. Die dort vorhandene Blockhütte bot gegen Witterungsunbilden einigen Schutz und für das Instrument eine zweckmäßige Aufstellung. Nur bei östlicher Luftzufuhr konnten dort keine Messungen ausgeführt werden…"[2].

Zielstellung

"Als wissenschaftliche Sonderaufgabe werden durch das Observatorium phänologische Beobachtungen durchgeführt, zu denen sich ja insofern genügend Gelegenheit bietet, als die Kalmit im Gegensatz zur Zugspitze noch innerhalb der Zone pflanzlichen und tierischen Lebens liegt. Um nicht nur auf die vorhandenen Pflanzen angewiesen zu sein und auch selbständige Experimente durchführen zu können, wurde von dem mehrjährigen Beobachter Dr. K. Sonntag ein pflanzenklimatisches Versuchsfeld angelegt Es werden hier Wachstumsversuche gemacht, die Einwirkung der meteorologischen Elemente auf das Wachstum studiert und schließlich auch Zooklimatologie getrieben. Um auch Vergleichsmöglichkeiten mit den Verhältnissen der Rheinebene, Deutschlands dieses phänologisch am meisten begünstigten Landstriches [...] findet eine Zusammenarbeit mit den verschiedenen Rebveredlungsanstalten, der Weinbauschule in Neustadt und dem Versuchsfeld der I. G. Farbenindustrie auf dem Limburgerhof statt. Zum speziellen Studium des Weinbergklimas war es durch Unterstützung verschiedener Kreise möglich, in der Gemarkung von Diedesfeld vier verschiedene meteorologische Stationen einzurichten. Wegen ihrer Wichtigkeit für das Pflanzenwachstum ist nun eine genauere Untersuchung der Tauspendung geplant. (Über nähere Einzelheiten der bisher erlangten Ergebnisse vergleiche man den schon zitierten Bericht von K. Sonntag über die Arbeiten des Kalmit-Observatoriums im Deutschen Meteorologischen Jahrbuch für Bayern 1933.) So bietet sich dem Beschauer das Betätigungsteld des Kalmit-Observatoriums als ein buntes und vielgestaltiges Bild dar, dessen Einzelteile aber doch alle dem einen beherrschenden Gedanken untergeordnet sind: Dienst an der Allgemeinheit und Dienst an unserer Wissenschaft. Dem Pfälzerwald-Verein aber, der aus idealer Einstellung heraus dieses einzigartige Observatorium in schwerer Zeit geschaffen hat und es nun auch weiter unterhält gebührt bewundernde Anerkennung und höchster Dank!"2.


Weblinks

Literatur

  1. Burckhardt, Hans (1934): Das Kalmit-Observatorium (673m). Mit 3 Abbildungen. In: Sonderabdruck aus dem XLIII. Jahresbericht des Sonnenblick-Vereins (Sonderabdruck), S. 7–11.

Einzelnachweise

  1. ebenda
  2. Burckhardt, Hans, 1938. Messungen der Kernzahl auf der Kalmit.

Anmerkungen

Zitate

  1. Bayerisches Hauptstaatsarchiv, BayHSTA, MK 11806 1905-1922, S. 339 (Digitalisat), vom 3.12.1921 (Nr. 5206/1).

Urkunden

Begriffe

Kategorien

Phänologisches Beobachtungsfeld (Kalmit) gehört den Kategorien an: Kalmit

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Referenzierungen

  1. a b  Tschirner, Adolf. (1935), Titel: Ein Wingert auf 670 m Höhe.
    In: Pfälzischer Kurier / Die Pfalz, (Hg.) (Herausgeber fehlt, bitte angeben.) ,
    Seite: Seite_1935-Juni-15-Sa
    Schlüssel: Pfälzischer Kurier#1935-Juni-15-Sa
    Kein Zitat angegeben.
    Übertragung: Ein Wingert in 670 m Höhe Besuch im pflanzenklimatischen Versuchsgarten auf der Kalmit Interessante Beobachtungen Von Adolf Tschirner Einen Garten auf der Kalmit, in dem Blumen, Obst und Reben wachsen? Gibt es denn das? So wird wohl mancher fragen. Ja, es gibt auf dem höchsten Punkte der Kalmit einen Garten und auch einen Wingert. Diese Dinge sind aber nicht ihrer selbst wegen da, sondern stehen im Dienste der Wissenschaft. 1932 wurde der Garten auf der Kalmit angelegt. Man will hier, in Verbindung mit der Arbeit des Observatoriums, die Einwirkungen des Wetters und des Klimas in dieser Höhe auf die Pflanzen studieren. Es soll mit wissenschaftlicher Sicherheit und echt deutscher Gründlichkeit festgestellt werden, um wieviel später in dieser Höhe die Pflanzen grünen, blühen und gedeihen. Was man nun in den wenigen Jahren des Bestehens dieses seltsamen Gartens der Natur hier oben abgelauscht hat, gehört mit zu den interessantesten Forschungsergebnissen des Kalmitobservatoriums. Wir ließen uns vom Wetterwart, Assessor Burghardt, etwas über die Forschungsergebnisse erzählen. Die Beobachtungen haben ergeben, daß hier in 670 Meter Höhe der Wachstumsunterschied gegenüber den Pflanzen unten in der sonnigen Ebene sechs bis acht Wochen ausmacht. Vor etwa zwölf Tagen erschienen an den Weinstöcken auf der Kalmit schüchtern die ersten grünen Blättchen! Hier oben werden die Trauben niemals reif. Die Beeren bleiben hart und grün und erfrieren in den ersten kalten Nächten des Septembers. Selbst mit einer ganz späten Spätlese ists hier oben „Essig“! Aber diesen kleinen Wingert auf der Kalmit zu schauen, gehört mit zum Erleben dieses großen Berges. Im Garten selbst siehts nun freilich seltsam genug aus! Man erkennt – ohne vom Fach zu sein – sofort den wissenschaftlichen Charakter dieser kleinen Anlage. Und noch etwas hatte uns überrascht: Die vielen Vergißmeinnicht am Wegrande strahlen in einem Blau, das die bescheidene Pflanze in der Ebene nicht auszeichnet. Denn die ultraviolette Strahlung ist in dieser Höhe größer und macht die Farben der Pflanzen intensiver. Diese Strahlungswirkungen sind es, die man in diesen Garten genau untersucht. Da stehen Gladiolen vor einem schwarzen und einem weißen Halbzylinder. Die Pflanze vor dem schwarzen Hintergrund wächst langsamer als die Nachbarin vor der strahlend weißen Rückwand. Wetterharte Pflanzen, Gräser und Moose gedeihen prächtig. Im kleinen Alpinum des Gartens sind Edelweiß, Enzian und wie die würzigen Alpenblumen und Kräuter alle heißen, in dieser Höhe in ihrem Element. Dagegen siehts bei den Getreidearten traurig aus. Die anspruchsvollen Halmfrüchte des deutschen Landmannes kommen in dieser Höhe nicht recht vorwärts. Auch die Rosen, die in der Ebene in allen Farben duften und blühen, haben eben die ersten Knospen angesetzt. Das alles wird genau beobachtet und notiert, und die Ergebnisse werden dem Reichswetterdienst zugeleitet, der sie im Interesse der Landwirtschaft und der Gartenbaubetriebe verwertet. Die neuste Errungenschaft im pflanzenklimatischen Garten ist die Taumessung. Die Tauwaage aus Roßhaaren ist ein zierliches Instrument. Mit ihr kann festgestellt werden, wie der Tau mengenmäßig fällt. Diese Beobachtung soll dem Weinbau dienen und in höheren Lagen für die Erziehungsart der Rebenstöcke ausschlaggebend sein. Pflanzen, Bäume und Sträucher im Dienste der Wissenschaft beherbergt der Garten auf der Kalmit. Und beim Durchschreiten dieser Anlage, beim sinnenden Verweilen vor den interessanten Pflanzen, bekamen wir unbedingte Achtung vor der Gründlichkeit deutscher Wissenschaft, deren Ergebnisse aus ständigen Beobachtungen dem Volksganzen zugute kommen!
    Es gibt keine Anmerkung.
    Schlagwort: Alsterweiler · Kalmit · Pflanzgarten · Wingert · Weinberg · Observatorium
    Quelle: Pfälzischer Kurier
    Erscheinungsjahr: 1935
    Erscheinungstag: 15. Juni
    Stufe: 6
    Sammlung: Kalmit
    Ein Link fehlt.
    Eine PDF-Angabe fehlt.
    WIKI: Kalmit
  2. ^  Burckhardt, Hans (1934).
    Titel: Das Kalmit-Observatorium (673m).
    In: Sonderabdruck aus dem XLIII. Jahresbericht des Sonnenblick-Vereins, Sonnenblick-Verein (Hg.), ohne Ortsangabe , Band: , Heft: 24, Nummer: ohne.
    Seite: Seite_7-11
    Schlüssel: Hans Burckhardt/Veröffentlichungen#Seite_7–11
    Zitat: Als wissenschaftliche Sonderaufgabe werden durch das Observatorium phänologische Beobachtungen durchgeführt, zu denen sich ja insofern genügend Gelegenheit bietet, als die Kalmit im Gegensatz zur Zugspitze noch innerhalb der Zone pflanzlichen und tierischen Lebens liegt Um nicht nur auf die vorhandenen Pilanzen angewiesen zu sein und auch selbständige Experimente durchführen zu können, wurde von dem mehrjährigen Beobachter Dr. K. Sonntag ein pflanzenklimatisches Versuchsfeld angelegt. Es werden hier Wachstumsversuche gemacht, die Einwirkung der meteorologischen Elemente auf das Wachstum studiert und schließlich auch Zooklimatologie getrieben. Um auch Vergleichsmöglichkeiten mit den Verhältnissen der Rheinebene, Deutschlands dieses phänologisch am meisten begünstigten Landstriches findet eine Zusammenarbeit mit den verschiedenen Rebveredlungsanstalten, der Weinbauschule in Neustadt und dem Versuchsfeld der I. G. Farbenindustrie auf dem Limburgerhof statt. Zum speziellen Studium des Weinbergklimas war es durch Unterstützung verschiedener Kreise möglich, in der Gemarkung von Diedesfeld vier verschiedene meteorologische Stationen einzurichten. Wegen ihrer Wichtigkeit für das Pflanzenwachstum ist nun eine genauere Untersuchung der Tauspendung geplant. (Über nähere Einzelheiten der bisher erlangten Ergebnisse vergleiche man den schon zitierten Bericht von K. Sonntag über die Arbeiten des Kalmit-Observatoriums im Deutschen Meteorologischen Jahrbuch für Bayern 1933.) So bietet sich dem Beschauer das Betätigungsteld des Kalmit-Observatoriums als ein buntes und vielgestaltiges Bild dar, dessen Einzelteile aber doch alle dem einen beherrschenden Gedanken untergeordnet sind: Dienst an der Allgemeinheit und Dienst an unserer Wissenschaft. Dem Pfälzerwald-Verein aber, der aus idealer Einstellung heraus dieses einzigartige Observatorium in schwerer Zeit geschaffen hat und es nun auch weiter unterhält gebührt bewundernde Anerkennung und höchster Dank!.
    Eine Übertragung fehlt.
    Anmerkung: Mit 3 Abbildungen
    Schlagwort: Alsterweiler · Kalmit · Kernzahl · Wetterwarte (Kalmit) · Kalmit · Hans Burckhardt · Kalmit-Observatorium
    Quelle: Hans Burckhardt/Veröffentlichungen
    Erscheinungsjahr: 1934
    Erscheinungstag: Eine Tagesangabe (Erscheinungstag) fehlt.
    Stufe: 2
    Sammlung: Alsterweiler · Kalmit · Wetterwarte (Kalmit) · Hans Burckhardt · Kalmit-Observatorium
    LINK: Hans Burckhardt
    PDF: [Original als PDF]
    DOI: DOI nicht vorhanden.
    WIKI: Wetterwarte (Kalmit)