Anklag-Akte 1850

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Die Anklag-Akte 1850 war eine Anklageschrift gegen die Revolutionäre aus den Jahren 1848 und 1849, mit vollem Titel: Anklag-Akte, errichtet durch die K. General-Staatsprokuratur der Pfalz, nebst Urtheil der Anklagekammer des K. Appellationsgerichtes der Pfalz in Zweibrucken vom 29. Juni 1850, in der Untersuchung gegen Martin Reichard, entlaßener Notär in Speyer und 332 Consorten, wegen bewaffneter Rebellion gegen die bewaffnete Macht, Hoch- und Staatsverraths etc. Die Akte erschien in gedruckter Form im Verlag Ritter im Jahre 1850 und umfasst 420 Seiten.

Die Akte ist das Ergebnis der Ermittlungen gegen 401 Teilnehmer am pfälzischen Aufstand, von denen 28 außer Verfolgung gesetzt wurden. Die Unterlagen enthalten eine mit Zitaten belegte Darstellung der Ereignisse in den einzelnen Landesteilen (nach Kantonen gegliedert). Unter den Angeklagten waren vielen bekannte Namen, u.a. Dr. Philipp Hepp, August Culmann, Reinhard Schimmelpfennig, August Willich.

Hintergrund

Das oberste pfälzische Gericht hatte gegen die Mitglieder der Provisorischen Regierung und mehrere Hundert weitere Personen zu ermitteln. In der "Anklag-Akte" wurde insbesondere Joseph Martin Reichard vorgeworfen, "Miturheber der bewaffneten Rebellion und der Verbrechen gegen die innere Sicherheit des Staates" gewesen zu sein. Er wurde unter anderem beschuldigt, "im Interesse der rebellischen und beziehungsweise hochverrätherischen Gewalt, Erpressungen zum Nachtheile verschiedener Einwohner von Ludwigshafen verübt, sich an mehreren Verhaftungen betheiligt, Soldaten in Speyer und Zweibrücken zur Fahnenflucht verleitet" zu haben. [web 1]

Ereignisse in Alsterweiler

Die Ereignisse in Alsterweiler im Jahre 1849 werden auf der Seite 205 wie folgt dargestellt: "Der Angek. Linz, als ein bereitwilliges Werkzeug der Umsturzpartei bezeichnet, war Hauptmann des Schützencorps in Edenkoben. Er machte die Züge nach Neustadt und am 20. Mai gegen Landau mit, in seiner angegebenen Eigenschaft, und bot in St. Martin den Landsturm auf. In dem Nachmittagsgottesdienste am ersten Pfingsttage, stimmte der Schullehrer Müller von Alsterweiler das domine salvum fac regem nostrum an. Das wurde alsbald verrathen, und schon am Pfingstmontage zog der Ang. Willich mit Oßwaldt, einer Anzahl Freischaaren und der Schützencompagnie von Edenkoben, geführt durch den Ang. Linz und seinen Lieutenant Göhring nach Maikammer. Auf Befragen erklärte Willich dort, sie wollten ihren Geistlichen holen, weil er das domine salvum fac regem gesungen habe. Als Jemand dagegen bemerkte, der Pfarrer[1] habe dieses Lied gar nicht gesungen, sondern der Schullehrer Müller von Alsterweiler, stand Willich von der wirklich oder scheinbar beabsichtigten Verhaftung ab, hielt eine Rede an die in drohender Haltung versammelte Gemeinde, in der er diese wegen ihrer Anhänglichkeit an den Pfarrer lobte, und verlangte dann 355 Quartierbillets für seine Leute, während er die Schützencompagnie unter Linz nach Alsterweiler verlegte, die dort einquartiert wurde. Linz hatte vor dem Abmarsche einen schriftlichen Befehl von Willich zur Verhaftung des Schullehrers Müller erhalten. In die Wirthschaft des Michael Hauck zu Alsterweiler, wo sich des Abends die Ang. Linz und Göhring u. befanden, begab sich auch Lehrer Müller, Vater von 9 Kindern. Die Angeklagten ließen ihn nicht allein friedlich zu ihnen sitzen, sondern acceptirten auch noch von ihm als einem alten Bekannten das Auftischen von Wein auf seine Kosten. Bald nachher wurde ausgeschellt, daß sich Abends nach 9 Uhr Niemand mehr auf der Straße blicken lassen dürfe. Um 10 Uhr erst verließ Müller das Wirthshaus und trat ungehindert in seine Wohnung, obgleich diese bereits von Bewaffneten umgeben war. Des Nachts zwischen 1 und 2 Uhr drangen Linz, Göhring und Andere in dieselbe ein, weckten den Lehrer Müller auf, verhafteten ihn und brachten ihn bis gegen Maikammer, wo Linz den Göhring und noch 4 Mann mit dem weitern Transporte nach Neustadt beauftragte. Von Neustadt nach Kaiserslautern und vor den Ang. Nik. Schmitt gebracht, fragte ihn dieser, weßhalb er verhaftet worden sey, und meinte auf die erhaltene Antwort, das hätte er aber auch nicht thun sollen; der Angekl. Diedesheim, der dabei stand, bemerkte, er habe auch politische Umtriebe gemacht und Müller erwiederte: "das müssen Sie mir beweisen." Diedesheim ließ ihn nach Verhöre vier Tage gefangen halten, und Fries setzte ihn dann in Freiheit, ihm seine "Dummheit," das domine salvum fac regem zu singen nochmals vorhaltend, da doch die Schullehrer überall an der Spitze stünden, und ohne diese man so weit nicht wäre...(es folgen weitere Passagen, die für Alsterweiler nicht relevant sind)"


Weblinks

  1. Zur Anklag-Akte und insbesondere zum Pfälzer Joseph Martin Reichard ein Beitrag von Roand Paul: [1] /abgerufen am 05. September 2016

Literatur

Einzelnachweise

  1. Matzinger: Es handelt sich dabei um Johann Nepomuk Weckesser

Anmerkungen

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Urkunden

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