Alsterweiler:Wirtschaft

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Die Wirtschaft in Alsterweiler wird bestimmt von Weinbau und Gastgewerbe. Im Jahr 2008 schloss der letzte Laden für Waren des täglichen Bedarfs in Alsterweiler, die Bäckerei Dengler. [1]

Weinbau

Weinrebe beim Austrieb.
© Matthias C.S. Dreyer 2015
Schubkarre für den Weinbau.
© Matthias C.S. Dreyer 2015

In Alsterweiler wird schon seit Jahrhunderten Wein angebaut[lit 1][lit 2]. "Schon im Jahr 1140 wird in einer Necrologium Spirence (Speyerischen Grab = Leichenrede/Grabspruch) erwähnt: in Meinkeimer Berge unde ama vini; "in den Meinkeimer Bergen wohn die Liebe zum Wein".[2] [3]

Unius carrate[4] vini super beta vini in Alsterweiler:Name#Schreibweisen Agelesterwiilre - Ein Fuder [5] (eine Karrenlast) besten Weins aus Alsterweiler - erhielt Johannes von Venningen bereits Mitte des 14. Jahrhunderts als Ertrag.[6] Ein Beleg für die lange Weintradition in Alsterweiler.

In Maikammer sind 106 Landwirtschaftliche Betriebe gemeldet. Die bestockte Rebfläche gibt das Statistische Landesamt von Rheinland-Pfalz (StaLa)] mit 328 ha an. Wie auch insgesamt in Deutschland ist die Anzahl der Betriebe in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen (1979 / 237 Betriebe). Die bestockte Rebfläche hat sich verringert und der Anteil des Weißweins ist gegenüber dem Rotwein deutlich gesunken (heute: 65% zu 35%) [7]

Die Berufe im Weinbau haben sich ebenso wie der Anbau selbst verändert. Weinsticher[8], Weinlader (Weinläder)[9], Weinstiegler[10][beg 1] sind Berufsbezeichnungen [beg 2], die heute kaum noch jemand kennt. "Hauptberuf der Bewohner [...] Alsterweiler war alles, was mit dem Weinbau zusammenhing, Winzer, Winzertagner, Weinsticher, Weinläder (Weinlader), und Küfer."[11] und weiter bei Leonhardt: "für den Weinverkauf Weinsticher, Weinstiegler und Weinläder"[12]. Aus den Kirchenbüchern lassen sich weitere Berufe entnehmen: Vietor(em) und Pistor(e)[urk 1]


Weinsorte Gutedel

Doppelte Kammert.jpg
"Alsterweiler gehört noch immer zur Gutedelparthie; dieselbe Lage wie Edenkoben. Dicht am Orte sieht man hier besonders hoch gezogene Weinfelder."[13] Gemeint ist damit wohl die "Erziehung" der Weinstöcke. "...die so hoch beholzt sind, daß ein Knabe von 12 bis 14 Jahren darunter bequem kann spazieren gehen,..." [14] "Auf der Seite gegen Hambach ist die Grenze des Gutedelbaues, besonders aber der Beholzung, nämlich der Doppelkammer-Erziehung mit Schenkelschnitt [15]. Weiter nach Norden beginnt die Rahmenerziehung mit Schenkelschnitt.
Historische Weinbauanlage

Eine historische Weinbauanlage liegt im Südwesten der Kapelle in Alsterweiler, Hauptstraße Nr.03. Die Anlage wurde 1984 im Rahmen der dortigen Flurbereinigung geschaffen[16]. Die angepflanzten Kulturreben zeigen die Vielfalt der Kultivierung. Die Anlage selbst wurde unter anderem mit der Sorte "Weißer Riesling" besetzt, der bereits seit 500 Jahren in Verwendung sein soll[17].

Im Jahr 1857 schreibt Lehrer Georg Adam Müller: "Soviel Geld ist noch nie nach Alsterweiler für Wein gekommen wie dieses Jahr, ein glückliches Jahr."[18]

Schädlingsbekämpfung

Die Bekämpfung von Schädlingen hat in etwa die gleiche Tradition wie der Weinbau selbst[19]. Wie in allen Monokulturen treten einige wenige Tierarten stark gehäuft auf. Im Weinbau trifft dies vor allem für die Insektenfamilie der Wickler (Schmetterling)[web 1] zu. "In den unteren Lagen gab es viel Spring- und Heuwurm, in Alsterweiler wenig.(1902)"[20]. Die Schädlingsbekämpfung entwickelte sich zu einem wichtigen Arbeitsfeld der Winzer. Sie wurden dabei schon im 19. Jahrhundert von amtlichen Stellen unterstützt, wie der Pfälzischen Kommission zur Bekämpfung der Rebschädlinge.

Tabakanbau

Der Tabakanbau in der Gemeinde Alsterweiler ist in Vergessenheit geraten. In einem Beitrag in der Zeitschrift "Wein und Kultur" wird auf diesen Wirtschaftszweig verwiesen, der im Jahr 1857 eine bedeutende Rolle gespielt haben soll [21]. Der Chronist Lehrer Georg Adam Müller schreibt dazu: "Im Jahr 1856 wurde viel Tabak gepflanzt." [22]

Gastgewerbe und Hotellerie

Weblinks

  1. de.wikipedia.org/wiki/Springwurm_(Wickler) Wickler ist die Familienbezeichnung, die Ordnung heißt Schmetterlinge. Es gibt den Springwurm, den Bekreuzten Traubenwickler und den Einbindigen Traubenwickler. Die Stadien des Bekreuzten T. nennen sich Heuwurm, Sauerwurm und Süßwurm, des Einbindigen T. Heuwurm und Sauerwurm.

Literatur

  1. Wittmer, Richard (2000), ‹Die Flur von Maikammer-Alsterweiler: Ihre Namen und steinernen Zeugen in Geschichte und Geschichten›, (Maikammer: Ortsgemeinde Maikammer) Seiten. (CMS 4).
  2. Leonhardt, Johannes (1928), ‹Geschichte von Maikammer=Alsterweiler›, (1 Hg., 1; Maikammer:) 216 Seiten. (CMS 125).

Einzelnachweise

  1. Anmerkung user:Matzinger: Die alte Version lautete: Daneben finden sich in Maikammer Geschäfte des täglichen Bedarfs.
  2. Bassermann-Jordan, Friedrich von: Geschichte des Weinbaus, Band 2, Frankfurt am Main 1923, In: Wittmer, Richard: Die Flur von Maikammer-Alsterweiler, Maikammer 2000, Seite 138.
  3. Matzinger hält dies für eine gewagt Übersetzung. Vielleicht ist auch das Zitat nicht korrekt wiedergegeben."unde" heißt nämlich nicht wohnen sondern woher, "ama" kommt nicht von "amor" sondern ist der Imperativ von amare.
  4. Anmerkung Matzinger: Eigentlich "carrata". vgl. dazu: IN: Zoll Aktuell 2004/Nr. 3
  5. Anmerkung Matzinger: wiki-de.genealogy.net/Fuder Ein Fuder
  6. Andermann, Kurt (1982) Das älteste Lehnbuch des Hochstifts Speyer. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Ausgabe/Band 130 S. 1–70, Seite 47
  7. Anmerkung Matzinger: infothek.statistik.rlp.de/lis/MeineRegion/index.asp Statistisches Landesamt 31. Juli 2008.
  8. Leonhardt, Johannes (Hg.), (1928) Geschichte von Maikammer=Alsterweiler, Seite 128, Seite 141f.
  9. Leonhardt, Johannes (Hg.), (1928) Geschichte von Maikammer=Alsterweiler, Seite 128, Seite 140ff., Seite 145f.
  10. Leonhardt, Johannes (Hg.), (1928) Geschichte von Maikammer=Alsterweiler, Seite 140
  11. Seite 128 in: Leonhardt, Johannes (1928), ‹Geschichte von Maikammer=Alsterweiler›, (1 Hg., 1; Maikammer:) 216 Seiten. (CMS 125).
  12. Seite 140 in: Leonhardt, Johannes (1928), ‹Geschichte von Maikammer=Alsterweiler›, (1 Hg., 1; Maikammer:) 216 Seiten. (CMS 125).
  13. Kölges, B. (1837): Vollständiges Handbuch der deutschen Weincultur und Weinausbildung, 2. Band.Frankfurt am Main, Seite 158
  14. Kölges, B. (1837): Vollständiges Handbuch der deutschen Weincultur und Weinausbildung, 2. Band.Frankfurt am Main, Seite 158
  15. Kölges, B. (1837): Vollständiges Handbuch der deutschen Weincultur und Weinausbildung, 2. Band.Frankfurt am Main,Seite 158f.
  16. Ziegler-Schwaab, Judith: Historienpfad "Maikammerer Traube", Nr. (16)
  17. Ziegler-Schwaab, Judith (1994): Historienpfad "Maikammerer Traube". Herausgegeben von Gemeinde Maikammer. Fremdenverkehrsbüro. Maikammer.
  18. Leonhardt, Johannes (1928): Geschichte von Maikammer-Alsterweiler. Chronik von Maikammer-Alsterweiler ab 1928 und Chronik der Verbände und Vereine 1986. Unter Mitarbeit von Damm, Johannes und Treptow, Hans. Maikammer, Seite 83.
  19. Bassermann-Jordan (1910) Die Wurmfrage im pfälzischen Weinbau und die oberpolizeil. Vorschrift v. 9. Okt. 1910. In: Pfälzische Kommission zur Bekämpfung der Rebschädlinge (Hrsg.), (1910) Der Heu- und Sauerwurm: Sammlung von Vorträgen. Neustadt a.d. Haardt, D. Meininger., Seite 108.
  20. Seite 91 (und an zehn weiteren Stellen) in: Leonhardt, Johannes (1928), ‹Geschichte von Maikammer=Alsterweiler›, (1 Hg., 1; Maikammer:) 216 Seiten. (CMS 125).
  21. Ziegler-Schwaab, Judith: "Das Weinjahr "Anno Duwack" oder "der plötzliche Reichtum der armen Weinbauern von Alsterweiler"", in: Wein und Kultur, 2009, Nr. 31, S. 71
  22. Maikammer, Ortsgemeinde (Hg.): Chronik Maikammer-Alsterweiler, Maikammer: Heinrich Schreck KG 1986 (Teil I ist ein Nachdruck der Chronik von Leonhardt, Johannes (1928). Teil II: Damm, Johannes und Hans Treptow.), Seite 82

Anmerkungen

Zitate

Urkunden

  1. Katholisches Kirchenbuch, Taufen Heiraten 1787, LaSp, D2 Nr.306/265

Begriffe

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